Die Geheimwaffe des Underdogs

Der EHC Biel ist die positive Überraschung der Saison und vermtlicher Playoff-Gegner des ZSC. In einem Bereich ist er allen Konkurrenten voraus.

Schwer auszurechen: 109 Skorerpunkte haben die Bieler Verteidiger bislang angehäuft.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Schwer auszurechen: 109 Skorerpunkte haben die Bieler Verteidiger bislang angehäuft.

(Bild: Keystone)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Der EHC Biel erstaunt weiter. 19 Spiele sind seit dem 12. Dezember vergangen, seit Antti Törmänen an der Bande der Seeländer übernommen hat. 18-mal punktete der EHC, 12-mal holte er einen «Dreier» mit einem Sieg nach 60 Minuten.

Wenn Törmänen heute mit seiner Mannschaft zum Abschluss der Qualifikation im Zürcher Hallenstadion gastiert, kehrt er an jenen Ort zurück, wo er bislang das einzige Mal ohne Punkt blieb.

Das Gute für den Finnen: «Wir müssen nicht unbedingt gewinnen, sondern nur noch schauen, dass wir unser Selbstvertrauen behalten können.» Der EHC Biel, in vielen Saisonprognosen ein Team, das nicht im Playoff vorkommt, steht vorzeitig als Nummer 3 fest.

Die ZSC Lions, aktuell nur Sechste, sind derzeit der wahrscheinlichste Gegner für die erste Playoff-Runde. Am Samstag in einem weiteren Direktduell hatten sie in Biel mit 1:4 den kürzeren gezogen. An eine mögliche Playoff-Begegnung habe er nicht gedacht, sagt Törmänen: «Die Spieler aber sicher.» Ob es deshalb heute erneut zu kleinen Gehässigkeiten auf dem Eis kommen wird?

Weg vom Ruf des «sympathischen Underdogs»

Dass die Bieler ambitionierter sein wollen, ihren Ruf ändern wollen, weg vom sympathischen Underdog, der seit dem Aufstieg vor zehn Jahren noch nie die erste Playoff-Runde überstehen konnte – das hatten sie schon vor der Saison nicht verschwiegen.

Wie die Ansprüche in Biel gestiegen sind, zeigte auch Törmänens Reaktion nach dem 4:1 gegen die höher eingestuften ZSC Lions. Die Zufriedenheit über den Sieg zeigte er auch, doch genauso ärgerte ihn trotz 3:0-Führung die Schlussphase, als Biel drei Strafen hintereinander kassierte: «Wir gaben dem Gegner die Chance, ins Spiel zurückzukehren, wir agierten da zu wenig demütig.»

Wo liegen die Bieler Stärken? Eine Bieler Waffe, die etwas unter dem Radar blieb, ist die offensive Kontribution der Verteidiger. Das Ausmass, mit der Biels Abwehrspieler sich am Offensivspiel beteiligen, ist dann doch trotz dem erwarteten Mehrwert von Neuzugang Beat Forster überraschend. 109 Skorerpunkte haben die Bieler Verteidiger bislang angehäuft – das ist der Rekordwert der Liga.

Und bei Biel ist die Breite nicht nur an der Eiszeit zu sehen, mit Samuel Kreis, Kevin Fey, Benoit Jecker und Mauro Dufner stecken zudem vier Verteidiger mitten in persönlichen Rekordsaisons, was den offensiven Output angeht. Und es ist nicht so, dass in Biel der offensive Wahn ausgebrochen und die Verteidiger auf persönlicher Skorerpunkte-Jagd wären.

Samuel Kreis' grosse Steigerung

Kreis kann herausgepickt werden. Letzte Saison in Bern von Kari Jalonen bloss gut sechs Minuten pro Partie eingesetzt, erhält der 23-Jährige in Biel nun fast exakt dreimal so lange Auslauf. Er steht symbolisch für das Spiel, dass Törmänen von seinen Verteidigern verlangt: «Wir wollen ein ‹5-Mann-Spiel› spielen, alle sollen sich in der Offensive beteiligen. Die Verteidiger sind aufgefordert, sich aktiv einzubringen.»

Die Euphorie, Törmänens ausgeglichenes Coaching, der seit dem Trainerwechsel wieder erstarkte Goalie Hiller, der Heimvorteil: Biel könnte sich in Runde 1 erstmals überhaupt in einer ­Favoritenrolle wiederfinden. «Favorit? Ich weiss nicht, ob wir das sein werden», sagt Törmänen. «Wir wollen einfach ­immer weiterkommen. Und wenn sich die Spieler selber als Favoriten fühlen? Dann sollen sie das auch zeigen und entsprechend auftreten.»

Tages-Anzeiger

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