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«Deutschland im Final – das erinnert mich an Lake Placid 1980»

Der Deutsch-Kanadier Harold Kreis ist Trainer des EV Zug. Der 59-Jährige, der für Deutschland 180 Länderspiele bestritt, erklärt den Höhenflug des Teams von Marco Sturm.

Mitfiebern: Harold Kreis lässt sich den olympischen Final am Sonntagmorgen nicht entgehen. (Archiv)
Mitfiebern: Harold Kreis lässt sich den olympischen Final am Sonntagmorgen nicht entgehen. (Archiv)
Daniel Teuscher, Keystone

Harold Kreis, die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft steht im Olympia-Final: Was fällt Ihnen dazu ein? Es ist fantastisch! Und spontan in den Sinn kommt mir Lake Placid, die Olympischen Spiele 1980, als die USA Gold holten. Die Mannschaft war jung, total unbekümmert, und niemand hatte sie auf der Rechnung. Aber sie liess sich von einer Begeisterung tragen, die mit jedem Sieg grösser wurde. Bis der Olympiasieg feststand. Die USA, nicht die hochfavorisierte UdSSR hatte sich durchgesetzt. Ich sehe Parallelen, wenn ich den Weg der Deutschen in Pyeongchang anschaue. Die Chance, die sie jetzt haben, ist einmalig in ihrem Leben.

Deutsche Hockey-Euphorie: Das 3:0 des Aussenseiters im Halbfinal gegen Kanada. (Video: SRF/Tamedia)

Was zeichnet diese Mannschaft vor allem aus? Sie ist nicht abhängig von einem grossen Namen, sondern überzeugt mich mit Unberechenbarkeit, die sich darin zeigt, dass verschiedene Spieler in der Lage sind, Tore zu erzielen. Sie gefällt mir mit ihrer Entschlossenheit, Bereitschaft und dem Selbstbewusstsein. Sie fürchtet sich vor keinem Gegner. Und sie hat mit Marco Sturm einen Trainer, der genau weiss, wie er das Team bewegen muss und erreichen kann. Seine Kommunikation mit den Spielern funktioniert hervorragend.

Als sich Deutschland am Freitag im Halbfinal durchsetzte, weilten Sie in Mannheim. Wie wird der Höhenflug im Land wahrgenommen? Ich war am Abschiedsspiel der zwei deutschen Legenden Jochen Hecht und Ronny Arendt, und natürlich war Olympia auch da ein grosses Thema. Die Eishockeyaner haben mit dem, was sie bislang abgeliefert haben, beste Werbung für unseren Sport gemacht, und sie bekommen nun auch in Deutschland die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Weil im Hintergrund enorm viel geleistet wird, weil mittlerweile zeitgemässe Strukturen bestehen, auch im Nachwuchs. Es ist wie bei den Handballern: Wenn sie Erfolg haben, löst das eine Euphorie aus. Ich glaube, dass die Wirkung nachhaltend sein wird. Plötzlich entdecken Leute das Eishockey, die zuvor kaum damit in Berührung gekommen sind.

Was ist nun gegen Russland möglich? Gold! Die Deutschen sagen sich: Jetzt sind wir im Final, also wollen wir alles holen, was möglich ist. Ich halte das für durchaus realistisch. Deutschland – Russland ist auch deutsche Liga gegen russische Liga, DEL gegen KHL, eine tolle Geschichte! Und natürlich hoffe ich, dass sie mit einem deutschen Sieg endet.

Der Final beginnt am sehr frühen Sonntagmorgen. Sitzen Sie um 5.10 Uhr vor dem Fernseher? Selbstverständlich!

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