Zum Hauptinhalt springen

Der Teufelskreis der SCL Tigers

Nach dem 3:6 bei Servette das 1:3 zu Hause gegen Lausanne: Langnau ist auf Rang 8 abgerutscht, die Personalprobleme im Sturm bereiten Sorgen.

Die Captains im Zweikampf: Langnaus Pascal Berger versucht, Lausannes Etienne Froidevaux zu stoppen.
Die Captains im Zweikampf: Langnaus Pascal Berger versucht, Lausannes Etienne Froidevaux zu stoppen.
Marc Schumacher (Freshfocus)

Als die SCL Tigers am Samstag nach der Heimniederlage gegen Lausanne vom Eis kamen, war es kurz ruhig in den Katakomben der Ilfishalle. Die Blicke gen Boden gerichtet, stapften die Spieler in Einerreihe Richtung Garderobe.

Goalie Ivars Punnenovs, zuvorderst laufend, durchbrach die Stille, einmal, zweimal, dreimal knallte sein Stock. Kurz später brachte Captain Pascal Berger die Gemütslage der Mannschaft auf den Punkt: «Momentan nervt es einfach nur.»

Die SCL Tigers sorgen gegen Lausanne immerhin auch für den Lacher der Runde: Chris DiDomenico läuft nach einem Check, der ihn in die Lausanner Bank befördert, seelenruhig durch die LHC-Mannschaft hindurch. (Video: SRF)

Zwei Siege in den letzten neun Spielen. Die SCL Tigers machen eine harte Zeit durch. Nach dem ersten Null-Punkte-Wochenende der Saison sind sie auf Rang 8 abgerutscht, der Strichkampf in der ausgeglichenen Liga tobt, die Tigers sind mittendrin – so weit, so gut. Eine so grosse Anhäufung von Niederlagen hätte gravierendere Folgen haben können.

Der enorme Aufwand für ein Erfolgserlebnis

Und selbst wenn am Dienstag der schwere Gang zum heimstärksten Team der Liga, den ZSC Lions, ansteht, ist den Emmentalern auch der Spielplan der nächsten Runden wohlgesinnt: Vier der fünf folgenden Partien werden in der Ilfishalle gespielt, drei der nächsten vier Gegner werden Ambri, Gottéron und Rapperswil heissen – es bieten sich also gute Chancen, die Lage am Strich zu verbessern.

Und dennoch sind in Langnau auch Alarmzeichen auszumachen, die Niederlagen in Genf (3:6) und gegen Lausanne (1:3) fassen die aktuelle Lage der Tigers gut zusammen. Weichen sie ab von ihrer defensiven Disziplin, die sie in guten Zeiten zum unangenehmen Gegner macht, dann reicht es selbst gegen den formschwächsten Widersacher nicht: Die Servettiens gewannen von ihren letzten sechs Spielen nur jenes gegen Langnau.

Und auch in Partien wie gegen Lausanne, wenn Einsatz, Laufbereitschaft und Zuordnung stimmen, dem Gegner nur wenig Raum in der eigenen Zone zugestanden wird, er am Ende mit 38:23 Schüssen gar dominiert wird, ja selbst dann wird es eng mit Toreschiessen oder gar Siegen.

Die Tigers müssen einen enormen Aufwand betreiben, um zu Erfolgserlebnissen zu kommen, das war schon eine Woche zuvor so, als es nach Aufholjagden gegen Bern (3:4) und Lugano (4:3) immerhin zum Gang in die Overtime und damit zu Punkten reichte.

«Wir müssen uns alles hart erarbeiten, wenn Details nicht stimmen, reicht es nicht», sagte Berger nach der Niederlage gegen Lausanne. Es klang nicht ernüchtert, es war einfach eine Feststellung des Captains, die er nun schon so manche Male gemacht hat.

Ob sich so auf die Dauer ein Strichkampf erfolgreich bewältigen lässt? Zumal auch die Personalsituation nicht optimistisch stimmt. Mit Yannick Blaser und Sebastian Schilt fehlte am Samstag jenes Abwehr-Duo, das so sehr für Kampfkraft, geblockte Schüsse, Drecksarbeit, also mehr oder weniger die DNA der Tigers steht. Und jener kleine Teil, der in der Offensive für Glanzlichter sorgen soll, wird derzeit derart extrem beansprucht, dass ein Einbruch befürchtet werden muss.

Sehr viel Eiszeit für fünf Stürmer

Offenbar fehlt die Breite im Angriff, nur so lässt sich erklären, dass die Tigers nach dem Ausfall von Center Nolan Diem in Genf gegen Lausanne freiwillig nur elf Stürmer einsetzten, wovon zwei (Stefan Rüegsegger und Toms Andersons) kaum Eiszeit erhielten.

Und die hauptsächlich beanspruchten Angreifer, zu denen nebst Berger vor allem die Ausländer Robbie Earl, Chris DiDomenico, Harri Pesonen und Ben Maxwell zählen, stehen sehr häufig auf dem Eis, über 20 Minuten sind zuletzt zur Regel geworden. DiDomenico (23:22 Minuten, 20:31, 28:01, 24:10, 23:04) und Maxwell (26:21, 19:17, 27:28, 24:28, 23:16) wurden in den letzten fünf Spielen regelrecht ausgepresst.

«Natürlich wäre es gut, könnten wir mit vier Linien spielen», sagte Berger am Samstag. «Aber an der Energie lag es nicht gegen Lausanne», fügte er an und hatte angesichts des Plus an Spielanteilen seiner Mannschaft nicht einmal Unrecht. Allerdings spielte der LHC ein sehr passives Eishockey, während der nächste Gegner, der ZSC, aktiv, mit viel Laufarbeit und Forechecking auftritt.

Kann das gut kommen für Langnau? Berger bleibt optimistisch, verweist auf die Kehrseite der Medaille, die in diesem Falle eine positive ist für die Tigers: «Wenn wir systemtreu spielten, nicht spekulierten, dann hatten wir immer eine gute Chance auf den Sieg.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch