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Ein 60-Minuten-Sturmlauf des SCB

Den Last-Minute-Erfolgen gegen Biel und Kloten hat der SC Bern einen 8:1-Kantersieg über Ambri-Piotta folgen lassen. Im Spitzenkampf gegen den EV Zug dürfte der Meister auf härtere Gegenwehr stossen.

Martin Plüss kann alleine losziehen.
Martin Plüss kann alleine losziehen.
Andreas Blatter
Der Berner Torschütze zum 1:0, Simon Bodenmann, feiert mit Eric Blum.
Der Berner Torschütze zum 1:0, Simon Bodenmann, feiert mit Eric Blum.
Andreas Blatter
Die Schiedsrichter beraten sich mit den beiden Captains Martin Plüss und Paolo Duca.
Die Schiedsrichter beraten sich mit den beiden Captains Martin Plüss und Paolo Duca.
Andreas Blatter
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Im Schlussdrittel werden die Akteure des HC Ambri-Piotta vom SC Bern zuweilen lächerlich gemacht. Der Meister kombiniert sich durch die Tessiner Reihen, als bestritte er ein Testspiel gegen eine Juniorenauswahl. Gut zwei Minuten vor dem Ende wird «Das Spiel ist aus», eine Schnulze von vom Olaf Henning, eingespielt. Eigentlich viel zu spät, denn «game over» war schon in der zweiten Pause, als es 5:1 stand. «Nach zwei Dritteln war der Match gelaufen», urteilt nach dem 8:1-Heimsieg auch Kari Jalonen, der Coach der Mutzen.

In der ersten Pause hatte noch wenig auf einen Spaziergang hingedeutet. Es war eine für das erste Drittel typische Szene: Im Powerplay musste Leonardo Genoni nach einem missratenen Harakiri-Querpass Calle Anderssons im Stil eines Fussballgoalies weit vor dem eigenen Tor vor Ambri-Center Cory Emmerton retten.

Obwohl der SCB viel Druck entwickelte und hoch überlegen war, stand Genoni mehr im Blickpunkt, als ihm lieb sein konnte. Denn seine Teamkollegen stürmten zwar leidenschaftlich vorwärts, schienen aber verdrängt zu haben, dass selbst ein Ferrari auch einen Rückwärtsgang benötigt. Die Mutzen sorgten so für viel Spektakel, aber eben vor beiden Toren. Weil sich herrliche Kombinationen mit riskanten Manövern abwechselten, wurde Sandro Zurkirchen auf Tessiner Seite nur einmal mehr geprüft als der Keeper des Meisters – und gleich oft bezwungen.

Nachdem Genoni die Scheibe nach einem Schuss Janne Pesonens nicht hatte behändigen können, drückte sie Paolo Duca über die Linie. Der Ambri-Captain glich damit den Führungstreffer Simon Bodenmanns aus.

Noreau mit Offensivdrang

Trotzdem war es offensichtlich: Der Gastgeber schlug ein derart hohes Tempo an, dass es für den Tabellenvorletzten auf die Dauer nicht gutgehen konnte. Und es ging nicht gut. Martin Plüss veredelte in der 22. Minute in Überzahl einen Pass von Simon Moser. Gian-Andrea Randegger und Tristan Scherwey erhöhten noch vor Spielmitte mit Abprallern auf 4:1.

Dem Treffer Scherweys waren zwei heikle Aktionen an der blauen Linie vorausge­gangen. Ambri-Coach Hans Kossmann machte vom Recht Gebrauch, die Situationen überprüfen zu lassen. Nach ausführlichem Videostudium bestätigten die Schiedsrichter die Entscheidungen ihrer Linesmen – kein Offside und damit gültiges Tor. Als Ramon Untersander kurz vor der zweiten Sirene das 5:1 gelang, war die Entscheidung gefallen.

Im letzten Drittel durfte Gau­thier Descloux im Tor der Besucher sein Glück versuchen. Doch nach gut vier Minuten war auch er bezwungen – durch ein Buebetrickli Maxim Noreaus. Der genesene Kanadier strotzte gestern vor Spielfreude. «Ich litt monatelang an Leistenbeschwerden. Durch die Pause wegen der Oberkörperverletzung wurde auch die Leiste besser; ich bin fast bei 100 Prozent», erzählte er.

Noreau kam zu nicht weniger als vier hochkarätigen Torchancen, und das als Verteidiger. «Es stimmt, ich hätte noch mehr Tore schiessen können», gab er zu. «In dieser Saison fehlt mir etwas das Glück im Abschluss. Vielleicht war heute die Wende.» Topskorer Mark Arcobello war übrigens für die beiden letzten Tore besorgt.

Nach dem Spiel ist vor dem...

Heute Samstag dürfte der SCB auf bedeutend mehr Gegenwehr stossen. Der Leader tritt beim nach Verlustpunkten in Führung liegenden EV Zug zum Spitzenkampf an. «Wir haben vorher in der Garderobe schon über diesen Match gesprochen», erzählt Maxim Noreau zwanzig Minuten nach der Schlusssirene. Sie müssten in Zug von Anfang an bereit sein und dürften nicht so viele Gegen­stösse zulassen wie gegen Ambri. Oder anders ausgedrückt: Auch in einem Ferrari muss man zuweilen den Rückwartsgang einlegen.

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