Zum Hauptinhalt springen

Der SCB bleibt Titelkandidat, danach droht die Zäsur

Sportredaktor Reto Kirchhofer schreibt über den Saisonstart des SC Bern.

Die Meisterschaft war noch weit weg, als der SC Bern seine erste Niederlage verkraften musste. Anfang August verkündete Torhüter Leonardo Genoni, er werde den Club im kommenden Frühling in Richtung Zug verlassen.

Mittlerweile ist die Meisterschaft ganz nah, das Gastspiel der Berner beim Titelverteidiger ZSC wenige Stunden entfernt, und noch immer ist Genonis Entscheid in vieler Munde. Hat er doch für den SCB weitreichende Auswirkungen – auf die kommenden Jahre, aber auch mittelfristig auf die nächsten Monate.

Noch ist Genoni in Bern, die Basis für den Erfolg damit gelegt. Den Spielern ist bewusst, dass sie eine letzte Saison lang vom konstantesten Torhüter des Landes abgesichert werden.

Dieser Umstand dürfte auf sie motivierend wirken. Zudem steckt der Stachel der Niederlage vom Playoff-Halbfinal gegen die ZSC Lions noch immer im Bärenfell. Und verwundete Bären ziehen sich bekanntlich nicht zurück, sie greifen an.

In der Nachbetrachtung des Scheiterns hielten sich viele Verantwortliche am Argument der Müdigkeit fest, verwiesen auf die 13 Berner Olympiateilnehmer. Die hohe Belastung war ein Grund – das Problem der fehlenden Frische aber auch hausgemacht: Kari Jalonen forcierte die besten Kräfte, der ZSC spielte seine Breite aus.

Seither wird das Thema Eiszeiten und Rollenverteilung in und um Bern in­tensiv diskutiert. Der Trainer weiss um die Debatte, jedenfalls lobte er Anfang Woche im Gespräch ungefragt den Viertliniencenter André Heim, stellte ihm mehr Eiszeit und Verantwortung in Aussicht.

Ansonsten dürften die Youngsters einen schweren Stand haben: Zuzug ­Aurélien Marti, Esbjörn Fogstad Vold und Colin Gerber sind bereits bei Swiss-League-Clubs parkiert worden, ehe in der höchsten Liga überhaupt der erste Puck eingeworfen ist.

Ausser Frage steht, dass Bern auch diese Saison ein Spitzenteam stellen wird. Das Potenzial zum Titelgewinn ist vorhanden. Die Transferbilanz liest sich höchstens ausgeglichen, aber die Qualität ist weiterhin hoch. Der Trainer gehört zu den Besten seines Fachs. Die Abwehr blieb fast unverändert. Sie hat in den letzten zwei Saisons am wenigsten Gegentore zugelassen.

Der Wechsel von Maxim Noreau zum Schweden Adam Almquist wird der Stabilität zumindest nicht abträglich sein. Im Angriff ist die Mittelachse nach wie vor überdurchschnittlich besetzt. Mit Blick auf die Transferaktivitäten der Konkurrenz lässt sich festhalten: Viele werden besser, der SCB bleibt gut – sehr gut.

Die anstehende Meisterschaft steht für Bern unter guten Vorzeichen. Danach droht die Zäsur. Genoni geht, die Ansprüche bleiben. Der Torhüter dürfte nur mit einer ausländischen Spitzenkraft zu ersetzen sein. Vergeben die Berner eine Ausländerlizenz an einen Goalie, bedarf es einer Qualitätssteigerung bei den Schweizern – zumal im Strategiepapier festgehalten ist, die tragenden Rollen soweit möglich mit Schweizer Spielern zu besetzen.

Als Marc Lüthi vor kurzem die Preistreiberei der Konkurrenz geisselte, wirkte diese Aktion wie ein Prophylaktikum gegen Transferenttäuschungen. Der Geschäftsführer weiss: Der SCB stösst mit seinem Finanzierungsmodell an Grenzen. Doch Spieler und Agenten haben in der Hochphase des Wettbietens gerade wenig Gehör für nicht monetäre Anreize. Und mit einem Anstieg des Lohnvolumens würden Verluste riskiert.

Einmal Verlust zu schreiben, das wäre der Anfang vom Ende, pflegt Lüthi zu sagen. Womit er recht hat. Aber es macht die Aufgabe für Alex Chatelain nicht einfacher. Die ultimative Herausforderung steht dem Sportchef erst noch bevor: 2020 laufen die Verträge von zwölf (!) Stürmern aus.

Der unschönen Massierung dürfte Chatelain mit frühzeitigen Verlängerungen entgegenwirken wollen. Die Spieler würden so gar nie in die Preisschleuder geraten. Nur: Zu tieferen Bezügen hat noch kaum einer vorzeitig verlängert.

reto.kirchhofer@tamedia.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch