Der SC Bern sagt danke

Die Berner schlagen den EHC Biel auswärts 5:2 und gleichen die Halbfinalserie aus. Zwei Szenen sorgen für viel Gesprächsstoff.

Kurioseste Szene des Abends nach einem Fehler von Jonas Hiller: Das Berner 1:0. Video: SRF.
Adrian Ruch

Der Playoff-Match zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern ist seit über 20 Minuten vorbei. Die Tribünen der Tissot-Arena sind leer. Zwei Eismaschinen reinigen die glatte Eisfläche. Und EHCB-Sportchef Martin Steinegger schaut sich die gerundete Stelle des Plexiglases am Rande der Bieler Spielerbank an. Er trauert nach der 2:5-Heimniederlage seines Clubs offensichtlich immer noch dem 0:1 nach. Was ist passiert?

Yanik Burren schlug die Scheibe der Bande entlang halbhoch ins gegnerische Drittel, Hiller hob, neben dem Gehäuse stehend, den Fanghandschuh, weil er gesehen hatte, dass der Puck erwähnte Plexiglasrundung getroffen hatte. Er kümmerte sich auch nicht um den Puck, als kein Pfiff ertönte und die Scheibe hinter dem Tor abprallte und langsam an seinen Schlittschuhen vorbei glitt. Simon Moser bugsierte das kleine Schwarze hinter die Linie. Hiller reklamierte mit hochrotem Kopf.

Mit etwas zeitlicher Distanz beurteilt der routinierte Goalie die Sache nüchterner. «Normalerweise wird abgepfiffen, wenn der Puck die Rundung trifft. Keine Ahnung, warum das diesmal nicht der Fall war. Aber letztlich ist es mein Fehler, weil ich mit Spielen aufgehört habe», gibt er zu. In einem Punkt irrt sich der frühere NHL-Keeper.

Die Partie muss gemäss der Regeln nur unterbrochen werden, wenn der Puck in vollem Umfang das Spielfeld verlassen hat. Aufgrund des Abprallwinkels war das nicht offensichtlich. «Solange ich keinen Pfiff höre, mache ich weiter», sagt Torschütze Moser trocken.

Sciaronis Bandencheck

Auch die Szene, die dem EHC Biel indirekt den ersten Treffer ermöglichte, gab zu reden. Gregory Sciaroni wurde für einen Bandencheck an Janis Moser ausgeschlossen. Zwar befand sich Biels Youngster in Scheibenbesitz und musste daher mit einer Körpercharge rechnen, aber die Schiedsrichter taxierten die Aktion des SCB-Flügels als überhart, rücksichtslos und gefährlich. Die Seeländer nutzten die fünf Minuten Überzahl einerseits zum Anschlusstor durch Damien Brunner, andererseits ermüdeten sie die Mutzen, die das erste Drittel dominiert hatten.

In der Folge war die Souveränität der Hauptstädter wie weggeblasen; die Gastgeber kreierten nun etliche Chancen und waren dem Ausgleich mehrmals nahe. «Die 5-Minuten-Strafe nahm uns den Wind aus den Segeln», berichtet SCB-Captain Moser am Ende. Für Sciaroni rückte Matthias Bieber in die dritte Formation vor, während ihn Marc Kämpf in der vierten Linie ersetzte. Für Kämpf, der sich exakt einen Monat zuvor gegen die SCL Tigers verletzt hatte, war es der erste Einsatz im diesjährigen Playoff.

Zwei Powerplay-Tore

Die zweite Pause kam für den SCB zu rechten Zeit. Jedenfalls wirkten die Besucher zu Beginn des Schlussdrittels wieder spritziger. Durch Moser erhöhten sie auf 3:1. Wie schon das 2:0 durch Thomas Rüfenacht fiel auch dieses Tor in Überzahl, allerdings erneut nicht durch eine klassische Powerplay-Situation. Trotzdem: Nachdem im Viertelfinal gegen Servette das Powerplay miserabel gewesen war, haben die Mutzen gegen Biel mit einem Mann mehr schon sechsmal getroffen. Trotzdem wurde es noch einmal eng, als Toni Rajala in der 49. Minute das 2:3 gelang.

Doch 97 Sekunden vor der Schlusssirene nahm Jan Mursak dem Derby die Spannung. Tristan Scherwey sorgte danach noch für den 5:2-Endstand. Er schob die Scheibe ins verlassene Tor. Es ist schon der zweite Treffer, bei dem Hiller nicht eingreift, der sich diesmal auf der Spielerbank befand. Der SCB hat die Serie ausgeglichen und den Heimvorteil zurückgeholt. «Wir haben nun zweimal einen Vorsprung über die Runden gebracht und viele Tore geschossen – das gibt Selbstvertrauen», sagt Simon Moser, betont aber, es wäre gefährlich, zu denken, die Serie sei nun entschieden.

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