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Der SC Bern bewegt sich auf dünnem Eis

Es war ein Spiel wie eine Achterbahn – der Meister entsteigt ihr mit zwei Punkten. Calle Andersson trifft in der Verlängerung zum 4:3.

Reto Kirchhofer
Wer zuletzt jubelt … Calle Andersson (Mitte) lässt sich nach seinem Siegtor in der Verlängerung feiern.
Wer zuletzt jubelt … Calle Andersson (Mitte) lässt sich nach seinem Siegtor in der Verlängerung feiern.
Keystone

Es sah nach einer Nullnummer aus. Gegen Ende schienen drei Punkte der wahrscheinliche Ertrag. Und als die Überzeit vorbei war, blieben dem SC Bern zwei Zähler. Immerhin zwei? Nur zwei? Zur Beurteilung von Ergebnis und Leistung passt vielleicht der Begriff «Wischiwaschi» am besten. Fakt ist: Bern besiegte Lausanne 4:3 nach Verlängerung und rückte wieder über den Strich.

Beat Gerber erlebte das Auf und Ab gegen die Waadtländer in ausgeprägtester Form. Vor der Begegnung wurde er für seine 933.Partie im SCB-Dress geehrt. Womit der Haudegen aus Heimenschwand David Jobin überholt hat und zum Rekordhalter aufgestiegen ist.

Im Spiel ärgerte er sich über die Unzulänglichkeiten in der Abwehr. Freute sich über die Wende. Musste im Schlussdrittel mit blutendem Gesicht vom Eis, nachdem ihn ein Puck getroffen hatte. Und durfte am Ende als Sieger die Gratulationen der Lausanner entgegennehmen.

Gerber führt in Bern auch die Statistik der Meistertitel an. Sechs hat er geholt, deren zwei unter Trainer Kari Jalonen. Der Finne ist im und um den Club nicht mehr unumstritten. Er und die Mannschaft bewegen sich auf dünnem Eis. Am Freitag hätte die rutschige Unterlage noch brüchiger werden können. Calle Andersson erwies sich in der Verlängerung als Eismeister: Dem aufgerückten Verteidiger gelang nach 34 Sekunden der Siegtreffer.

Fauxpas ohne Lerneffekt

Das Muster war kein Zufall. Die Berner Angreifer tun sich zurzeit schwer damit, Chancen zu kreieren. Weshalb regelmässig ein Verteidiger als vierter Mann mit in den Angriff geht. Auf diese Weise kam das Heimteam im Startdrittel vornehmlich durch Eric Blum zu ein paar Möglichkeiten.

Allerdings bot die Taktik dem Gegner Platz für Konter. Das erste Tor der Gäste entsprang aber einem Ablenker durch Josh Jooris. Danach verpasste Ronalds Kenins – Berns Verteidiger Justin Krueger war aufgerückt und ausgerutscht – bei einem Gegenzug den zweiten Treffer.

Das nächste Geschenk nahmen die Lausanner an: Yannick Herren profitierte von einem Fehlpass Mika Henauers. Der Youngster durfte fortan nicht mehr mittun. Die Berner waren nun von der Rolle, kamen in Überzahl mit Glück um einen weiteren Gegentreffer herum.

Andrew Ebbett legte den Puck ohne Blick in den Rückspiegel nach hinten, dort war aber kein Mitspieler, sondern ein Lausanner. Unlängst hatte der SCB nach einem ähnlichen Fauxpas ein Tor kassiert – was offenbar als Lektion nicht genügt hat. Die Erkenntnis bleibt dieselbe: Im Klima von Verunsicherung darf nicht mit blindem Verständnis gerechnet werden.

Jedenfalls drohte dem Team in dieser Phase auch von den Rängen Ungemach: Einige Zuschauer taten ihren Unmut mit Pfiffen kund.

Rüfenachts Beteiligung

Aber: Der SCB fand einen Weg aus dieser misslichen Lage. Simon Moser verkürzte vor der zweiten Pause, Jan Mursak glich früh im Schlussdrittel aus. Der Slowene erhielt wenige Meter vor Torhüter Tobias Stephan freies Geleit.

Die Wende vollendete Thomas Rüfenacht in der 52.Minute mit seinem Abstauber zum 3:2. Ebendieser Rüfenacht stand kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit mit einer Nachlässigkeit am Ursprung des 3:3 durch Cory Emmerton. Dank Andersson waren es am Ende zwei Punkte. Immerhin zwei? Nur zwei?

Ausser Frage steht, dass sich die Berner nach wie vor zu viele Aussetzer leisten. Die Spieler bemühen zwar seit Wochen die Losung, wonach jede Partie wie eine Playoff-Partie angegangen werden müsse.

Diese (selbst auferlegte) Dringlichkeit ist aber selten zu spüren. Bleibt die Inkonstanz die einzige Konstante, könnte es für Bern in dieser Saison bei vermeintlichen statt richtigen Playoff-Spielen bleiben.

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