Der Meister dominiert den Leader

Der SC Bern hat den Spitzenkampf gegen die ZSC Lions 1:3 verloren. Der Sieg des starken Meisters war verdient, der SCB zwei Drittel lang deutlich unterlegen.

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Adrian Ruch

Die Ausgangslage war verführerisch gewesen: Der SC Bern hatte in Zürich die Möglichkeit, mit einem Sieg den härtesten Konkurrenten im Kampf um den 1.Schlussrang und damit das Heimrecht für alle Playoff-Serien zu distanzieren. Doch die Reaktion der SCB-Coachs nach dem Spitzenkampf gegen die ZSC Lions machte deutlich, dass das Geschehen auf dem Eis nicht ihrem Gusto entsprochen hatte. Mit ernster Miene schloss Assistent Lars Leuenberger die Türe der Garderobe hinter sich und Cheftrainer Guy Boucher.

Es dauerte eine Weile – die ZSC-Exponenten erteilten in der Zwischenzeit ausführlich Auskunft – bis die Kabinentür wieder geöffnet wurde. Und Bouchers Miene hatte sich nicht aufgehellt. «Wir verdienten es nicht, diese Partie zu gewinnen», resümierte der Kanadier nach der 1:3-Niederlage. Dann begann er mit dem Erörtern der Mängelliste.

Frühes Time-out

Peter Zahner hatte sich vor Matchbeginn sehr respektvoll über den Gegner geäussert. Die Berner Mannschaft sei ausgezeichnet organisiert; jeder Spieler wisse, was er zu tun habe, und mache dies meistens auch. Daneben liegt der CEO der Lions mit seiner Einschätzung grundsätzlich nicht. Doch gestern agierte der SCB alles andere als kompakt, alles andere als diszipliniert.

Boucher sah sich schon in der 13.Minute gezwungen, sein Time-out zu beziehen – und das, obwohl sein Team 1:0 führte. Die Auszeit verfehlte ihre Wirkung nicht: Den Bernern, die zuvor arg unter Druck gestanden hatten, gelang es in der Folge, das Geschehen wenigstens halbwegs ausgeglichen zu gestalten. Trotzdem: Die ZSC Lions waren im ersten Abschnitt deutlich besser, was das Schussverhältnis von 11:3 dokumentierte. Dass der Leader phasenweise bös unten durch musste, hing auch mit den Strafen zusammen. «Mit den dummen Strafen», wie Boucher verärgert anmerkte. Er musste den Namen nicht nennen, der Hauptsünder war auch so klar: Thomas Rüfenacht wurde zuerst wegen Reklamierens auf die Strafbank geschickt, und dann verhinderte er ein Powerplay seines Teams, indem er zurückschlug.

Dass der SCB trotz klarer Unterlegenheit mit dem knappen Vorsprung in die erste Pause ging, war vor allem Marco Bührer zu verdanken, der mehrmals mirakulös gerettet hatte. In der 25.Minute konnte dann auch der SCB-Goalie nichts mehr ausrichten: Der Puck fand nach einem Weitschuss Henrik Tallinders den Weg ins Netz, wobei Bührer durch Freund und Feind die Sicht versperrt war. Die Reaktion des SCB fiel heftig aus, doch Rüfenacht, Jesse Joensuu und Ryan Gardner liessen hervorragende Chancen ungenutzt. Die beste Phase der Gäste beendete eine Strafe gegen Simon Moser. Im Powerplay vollendete Robert Nilsson dann einen herrlichen Spielzug, an dem ausser Torhüter Lukas Flüeler alle auf dem Eis stehenden ZSC-Akteure beteiligt waren, mit dem verdienten Führungstreffer für die Zürcher.

Aufbäumen im Schlussdrittel

Im letzten Drittel lehnten sich die Berner gegen die Niederlage auf, kreierten etliche Chancen, vermochten aber Flüeler nicht mehr zu bezwingen. Wie seine Teamkollegen auf den unglücklich erhaltenen Gegentreffer in der Startminute reagiert hätten, stimme ihn für die Zukunft sehr positiv, meinte der ZSC-Keeper.

Für den SCB hat das 1:3 keine gravierenden Konsequenzen; es war vielmehr eine Niederlage gegen die Genügsamkeit. Der ZSC war gestern schneller, zweikampfstärker, kompakter – oder in einem Wort: besser. Bezüglich Einstellung, Arbeitsmoral und Disziplin habe sein Team nicht überzeugt, sagte Boucher, der den ZSC mehrmals als «Favorit» bezeichnete. «Aber wir haben jeden Tag die Möglichkeit, uns zu verbessern.» Gestern dürfte allen klar geworden sein, dass dies der einzige Weg ist, den starken Meister zu entthronen.

Berner Zeitung

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