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Der jüngste Spross in der Goalieparade

Zum Auftakt des Deutschland-Cups heute gegen Gastgeber Deutschland feiert Leonardo Genoni seinen Einstand als Nationaltorhüter. Der 21-jährige Zürcher erlebte in den vergangenen Monaten einen erstaunlichen Aufstieg.

Nationalcoach Ralph Krueger blickt gewohnt zuversichtlich in die Zukunft. Der 4:2-Sieg im ersten Testspiel der Saison gegen eine Auswahl in der Schweiz tätige Kanadier hat ihn in seiner Überzeugung bestätigt: «Die Basis ist breiter geworden.» Der 49-jährige Deutschkanadier plant erstmals überhaupt, für die beiden Termine im November und Dezember zwei völlig verschiedene Teams zu selektionieren. «Das», sagt er, «ist zumindest der Plan.»

In seiner Zuversicht schwingt wie immer ein beträchtliches Stück Zweckoptimismus mit. Denn längst nicht jeder, der vorübergehend zum Nationalspieler aufsteigt, wird es auch dauerhaft bleiben. Der harte Kern des Teams hat in den letzten Jahren kaum je mehr als 15 Spieler umfasst.

Am ehesten trifft Kruegers Einschätzung noch auf der Goalieposition zu, wo der Coach momentan acht valable Kandidaten hat. Die Leistungsdichte im Tor ist derart hoch, dass David Aebischer zumindest bis auf weiteres ausser Rang und Traktanden gefallen ist. Noch vor zwei Jahren galt der erste Schweizer NHL-Spieler als Eishockeypionier.

Jüngere Konkurrenten haben den 30-jährigen Freiburger aus dem Rampenlicht verdrängt. Neuster Protagonist der Torhüterparade ist Leonardo Genoni, das erst 21-jährige Talent des HC?Davos. Noch vor zwei Jahren spielte Genoni vor ein paar Duzend Zuschauern für die GCK Lions. Dann holte ihn Arno Del Curto als Ersatz für Jonas Hiller, der in die NHL gewechselt hatte, nach Davos. Genoni wurde dort auf Anhieb bester Neuling und eine feste Grösse in der Liga. «Uns gefällt, was er leistet. Er hat eine grosse Zukunft vor sich», sagt Krueger.

Mit stoischer Ruhe

Genoni selber nimmt Aufmerksamkeit und Lob weit gelassener. Mit derselben stoischen Ruhe, mit der er im Tor die Scheiben der Gegner stoppt, lässt er die Komplimente von sich abprallen. «Es ist alles recht gut gelaufen. Ich lerne aber immer noch dazu.»

Er spielt herunter, dass er beim HCD?mittlerweile seinen langjährigen Weggefährten und Konkurrenten Reto Berra übertrumpft hat und zu Del Curtos Nummer 1 geworden ist. «Reto und ich haben uns immer abgewechselt. Das wird auch künftig so bleiben», sagt er.

Tatsache ist: Del Curto setzt auf Genoni. Schon im vergangenen Playoff spielte nur noch er. Und in dieser Saison ist der Zürcher beim HCD die klare Nummer 1. Vor wenigen Tagen hat er seinen Vertrag im Bündnerland für zwei Jahre verlängert. Zumindest bis auf weiteres sieht er seine Zukunft in Davos. Reto Berra wird den Klub wahrscheinlich Ende Saison verlassen.

Das Lob an Marcel Kull

Die Konstanz ist für einen Torhüter seines Alters ungewöhnlich und spricht nicht nur für ihn, sondern auch für die Arbeit von Torhütertrainer Marcel Kull, der beim HCD?bereits Jonas Hiller vom Talent zum sicheren Torhüter geformt hat.

«Es ist erstaunlich, was Kull aus den Torhütern herausholt», sagt Krueger. Und Genoni lobt die Analysen, mit denen der Goalietrainer die Spiele auswertet.

Heute macht Leonardo Genoni den nächsten Schritt auf dem Weg nach oben: Im ersten Spiel des Deutschland-Cups in Mannheim gegen Gastgeber Deutschland kommt er zu seiner Länderspielpremiere. Grund zur Aufregung aber war das für ihn zumindest gestern noch nicht. «Das Spiel ist erst morgen», sagte er nach dem Training. «Da bleibt noch genügend Zeit, nervös zu werden.»

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