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Der finnische Musterschüler beim SCB

Samuel Tilkanen arbeitet beim SC Bern als zweiter Assistenz- und Videocoach im Hintergrund – und das ist dem 28-jährigen Finnen durchaus recht. Er hat sich vorgenommen, möglichst viel von Kari Jalonen zu lernen.

Der Laptop als wichtigstes Arbeits­instrument: SCB-Videocoach Samuel Tilkanen analysiert am Bildschirm viele Spiele.
Der Laptop als wichtigstes Arbeits­instrument: SCB-Videocoach Samuel Tilkanen analysiert am Bildschirm viele Spiele.
Christian Pfander

Samuel Tilkanen war als Kind kein Streber. Seine Mutter habe ihm kürzlich erzählt, er habe als Bub lieber NHL-Highlights geschaut als Bücher gelesen, berichtet der 28-Jährige. Und doch meint er es positiv, wenn er sagt, für ihn sei in Bern fast jeder Tag wie ein Schultag. Das hat einerseits mit dem Fach Eishockey und andererseits mit Lehrer Kari Jalonen zu tun. «Kari ist eine Art Mentor für mich – ich will alles von ihm lernen.» Tilkanen ist im Trainergespann des SC Bern der dritte Mann, der Mann im Hintergrund. Er ist nach Ville Peltonen Jalonens zweiter Assistent; sein Hoheitsgebiet sind die Videoanalysen.

Eishockey war schon immer die grosse Passion des kleinen Finnen. Doch weil er einerseits aufgrund einer genetisch be­dingten Schwäche mit Rückenverletzungen zu kämpfen hatte und anderseits spürte, dass er nicht ganz gut genug werden würde, schlug er schon früh die Trainerlaufbahn ein. «Ich wollte Teil des Spiels sein, das ich so liebe. Und das kann man nicht nur als Spieler, sondern auch als Physiotherapeut, Journalist oder eben als Coach.» So absolvierte er am finnischen Sportinstitut in Vierumäki ein Studium, das er mit dem Diplom als Eishockeycoach abschloss – gerüchteweise mit Bestnoten.

Nur nichts verraten

Er selber würde das nie so sagen, ist der verheiratete Finne doch ein ausgesprochen bescheidener, ruhiger Zeitgenosse. «Ziemlich gut» sei es gelaufen, hält er fest. «Wenn du mit Begeisterung dabei bist, lernst du schnell.» Tilkanen war bestimmt viel mehr als «ziemlich gut». Sonst hätte ihn Jalonen, damals noch Nationaltrainer, kaum in den Staff des Nationalteams aufgenommen, obwohl der Jüngling zuvor vor­wiegend als Assistenzcoach von Turkus U-20-Junioren Erfahrung gesammelt hatte. Und Jalonen war mit dessen Arbeit offensichtlich äusserst zufrieden, jedenfalls wollte er auch in Bern auf die Dienste Tilkanens zählen.

Der Videocoach, der die Software Steva nutzt, lässt sich ungern in die Karten blicken. Er sagt nur, er schaue sich sehr viele Eishockeymatchs an, wende aber die meiste Zeit dafür auf, die Leistung der eigenen Mannschaft zu analysieren. Für die Profis ist es wohl nicht immer einfach, wenn ihnen ihr Fehlverhalten in Zeit­lupe vor Augen geführt wird. Doch Tilkanen berichtet von grosser Lernbegierigkeit. «Unsere Spieler gehen mit viel Leidenschaft ans Werk, das siehst du in ihren Augen. Sie wollen jeden Tag besser werden, das erleichtert uns Coachs die Arbeit.»

Kein Frust, keine Eile

Samuel Tilkanen sagt, er lebe in Bern seinen Traum. Er setze sich jeweils schon ein paar Minuten vor Spielbeginn auf seinen Tri­bünenplatz. «Wenn ich all die singenden Fans sehe, bekomme ich Hühnerhaut.» Während der Partie muss er dann hoch konzentriert sein, die Szenen am Computer laufend sortieren, damit er in den Pausen Inputs geben kann. Am Folgetag taucht er dann schon um 7 Uhr wieder im Stadion auf. «Doch Kari ist immer schon da», sagt er schmunzelnd. Seinen Chef bezeichnet er als «Perfektionisten. Er will, dass jeder Stein umgedreht wird. Neben der Erfahrung macht die Arbeitseinstellung einen grossen Teil seines Erfolgs aus.»

Und Tilkanen, im Eishockey ein Musterschüler, beobachtet haargenau, was Jalonen in welcher Situation sagt und tut. Er wolle sich weiterentwickeln, ein besserer Coach werden. Ende Saison wird Ville Peltonen als Cheftrainer zum Lausanne HC wechseln. Tilkanen versichert glaubhaft, er sei nicht enttäuscht, könne er nicht dessen Rolle übernehmen. «Ich bin jung und kann noch viel lernen. Ich habe keine Eile.» Seine Einstellung ist in der heutigen Zeit eher eine untypische. Hat er denn nicht das Ziel, dereinst als Cheftrainer zu amten. «Doch, eines Tages will ich an der Bande stehen. Aber erst, wenn ich für diese Aufgabe wirklich bereit bin.»

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