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Der Berner in Svindals Diensten

Nicht alle Schweizer drücken Beat Feuz im Kampf um den Abfahrtsweltcup die Daumen. Der Oberländer Reto Nydegger betreut Aksel Svindal.

Erfolgreiches Quartett: Aksel Svindal, Kjetil Jansrud, Reto Nydegger und Aleksander Aamodt Kilde (v.l.).
Erfolgreiches Quartett: Aksel Svindal, Kjetil Jansrud, Reto Nydegger und Aleksander Aamodt Kilde (v.l.).
Markus Grunder

Ein paar wenige nennen ihn etwas abschätzend «den Torstangenträger». Für andere ist er der Trainer, der Siege, Medaillen und Kristallkugeln garantiert. Seit drei Jahren betreut Reto Nydegger die Speedfahrer Aksel Svindal und Kjetil Jansrud, Abfahrtsolympiasieger der eine, Super-G-Disziplinensieger der andere. Hinter vorgehaltener Hand sagen Skiexperten, Nydeggers Einfluss auf die Vorzeigeathleten halte sich in Grenzen.

Dem entgegnen Szenekenner, der Berner Oberländer sei als unermüdlicher Antreiber ein bedeutendes Teil im norwe­gischen Erfolgspuzzle. Svindal seinerseits meinte vor den Lauberhornrennen, die Arbeit mit Nydegger funktioniere bestens. «Reto liefert viele Inputs und ist immer da, wenn ich ihn brauche. Ich glaube nicht, dass er sich im Winter einen freien Tag gönnt.»

Diskutieren statt befehlen

Svindal höchstpersönlich hatte sich dafür eingesetzt, dass Nydegger in Norwegen vom Europacup- ins Weltcupteam befördert wurde – als Speedchef. Die Wahl sorgte für Erstaunen, handelte es sich beim 43-Jährigen aus Iseltwald doch um einen auf höchster Stufe unerfahrenen Coach, der einst bei Swiss-Ski etwas frustriert davongelaufen war. Nun sei er womöglich der einzige Schweizer, der im Kampf um die kleine Kristallkugel in der Königsdisziplin zwischen Svindal und Beat Feuz nicht dem Emmentaler die Daumen drücken werde, sagt Nydegger.

Vor dem Finalrennen in Are ist Feuz’ Polster mit 60 Punkten komfortabel (siehe Kasten). Modellathlet gegen Instinktfahrer – so bezeichnet Nydegger das Duell, das so hochstehend sei wie keines in der jüngeren Vergangenheit.

Als permanente Herausforderung umschreibt der Berner die Arbeit mit seinem prominentesten Schützling. Svindal, auch Weltmeister und Gesamtweltcupsieger, benötige keinen Coach mehr, der ihm technische Ratschläge erteile. «Er braucht jemanden, mit dem er sich austauschen kann, der auf seine Ideen eingeht. Auf diesem Niveau ist Befehlen nicht mehr angebracht.»

Nydegger schreibt die Trainingspläne, bucht Pisten und Unterkünfte. Die Hierarchie im Team ist flach, Coach und Athlet sind weitgehend gleichberechtigt. Svindal wie Jansrud, aber auch Aleksander Aamodt Kilde, der dritte Siegfahrer im Bunde, seien frei von ­Allüren. «Aber sie haben konkrete Vorstellungen und Ansprüche. Es kommt vor, dass wir ein Training verschieben müssen, weil ihnen die Strecke nicht passt.»

Keine bremsenden Mitläufer

Wie es diesem kleinen Verband mit den notorischen Geldproblemen immer wieder gelingt, Spitzenfahrer zu produzieren, ist ­beeindruckend. Häufig wird Nyd­egger nach dem Erfolgsrezept gefragt, er lacht dann nur und weist irgendwann auf die kleinen Trainingsgruppen und die sich daraus ergebende Flexibilität in der Gestaltung der Einheiten hin. Diese sind auf die Schnellsten ausgerichtet, Mitläufer, welche die Besten bremsen, gibt es keine.

Im Vergleich mit der Schweiz hebt der Coach die «andere Kultur» hervor. «Der Norweger ist extrem leistungsorientiert. Realisiert er mit 15 oder 16, dass er es nicht an die Spitze schaffen wird, hört er auf und beginnt ein Studium. Er weiss, dass er nicht mehr gefördert würde. In der Schweiz gibt es eher Möglichkeiten, in irgendeinem Kader zu bleiben.»

In Norwegen bewegen sich die Athleten erst ab Stufe Europacup innerhalb der Verbandsstrukturen; die wenigen, welche es so weit bringen, haben einen beschwerlichen Weg durchlaufen, sind entsprechend abgehärtet. Die starke Schweizer Slalomequipe um Aufsteiger Ramon Zenhäusern sei jedoch Beleg dafür, dass beide Systeme funktionieren würden, meint Nydegger.

Allenthalben spürt Nydegger Harmonie, seinen Vertrag dürfte er verlängern. Bei Swiss-Ski war es nach dem Winter 2012/2013, als das Wort Skikrise zum stehenden Begriff geworden war, anders gewesen. Nydegger verliess die Schweiz primär deswegen, weil er eine Luftveränderung wollte. Wie zahlreiche Berufskollegen empfand er es jedoch als Affront, waren die Positionen Alpinchef, Chefcoach und Speedchef durch Österreicher besetzt worden. Diese sollten ähnlich schnell wieder weg sein, wie sie gekommen waren. Das Interesse an Nydegger hingegen ist in der Heimat grösser geworden. Die Zweifler werden leiser.

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