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Der Aufstieg des Absteigers

Matthias Bieber ist einer der grossen Gewinner dieser Saison. Er befindet sich auf Meisterreise mit dem SCB, morgen folgt die Feier in Bern.

Ein Jahr nach dem Tiefpunkt die Krönung mit dem SCB: Meister Matthias Bieber.
Ein Jahr nach dem Tiefpunkt die Krönung mit dem SCB: Meister Matthias Bieber.
Keystone

Matthias Bieber ringt um Worte. Unter Tränen versucht er das, was vorgefallen ist, zu erklären. Irgendwie. An jenem 25. April 2018 steht er im Dress des EHC Kloten da. Spiel 7 gegen die Lakers verloren. Kloten steigt ab. Bieber ist ein Absteiger.

Ein Jahr später präsentiert sich alles anders. Flügelstürmer Bieber befindet sich auf der Mannschaftsreise, am 25. April 2019 feierte er in Madrid mit dem Meister SC Bern. Morgen folgt die Feier in Bern. Bieber, der 2013 zur Nationalmannschaft gehörte, die in Stockholm den WM-Final verlor (aber Silber gewann). Bieber, der mit Kloten 2011 den Playoff-Final gegen Davos und 2014 die Serie um den Titel gegen die ZSC Lions verlor. Und dann Bieber, der den Abstieg erklären musste. Kein richtiger Sieger.

Was will jetzt der SC Bern mit ihm, war deshalb die Frage, die er vor einem Jahr hören und lesen musste. Den Titel gewinnen lautet die Antwort. Im Mai wird er 33-jährig, zum ersten Mal kann Matthias Bieber am Ende einer Saison feiern. Nicht nur einen Tag. Dennoch wurde er nicht zum wilden Partygänger, «als 25-Jähriger wäre das vielleicht ein bisschen anders gewesen. Aber jetzt habe ich es vor allem genossen», sagt der Flügelstürmer zu seiner Premiere.

Das Gefühl sei um einiges besser als vor einem Jahr, das sei klar. Im Sport gehe es sehr schnell, «in beide Richtungen». Er habe sich nach dem Abstieg eine Menge Gedanken gemacht, «es hat dann extrem geholfen, dass ich in ein anderes Umfeld gekommen bin». Ein Umfeld, in dem die ganze Vorgeschichte egal war, in dem es einfach darum ging, in der neuen Umgebung seinen Platz zu finden.

Begeistert vom Quartier

Privat klappte das hervorragend. Mit seiner Familie bezog Bieber eine Wohnung im Länggasse-Quartier. «Wunderschön» sei es im beliebtesten Berner Quartier. Und wenn das ein Zürcher sagt, will das etwas heissen. Auf dem Eis hatte Bieber ebenfalls keine Probleme. Der Tatsache, dass er einmal in der ersten, ein anderes Mal in der vierten und wieder ein anderes Mal in der zweiten Linie spielte, nimmt er so den negativen Beigeschmack: «Vielleicht ist genau das meine Stärke, dass ich überall spielen kann.» Im letzten Klotener Winter war er gar für einige Partien Verteidiger.

Bieber hat mit jedem Transfer eine sportliche Verbesserung erreicht. Als er in Zürich keine Perspektiven auf einen NLA-Platz bei den ZSC Lions sah, zog er 2007 – ein Jahr nach dem Zürcher Verteidiger Eric Blum – nach Langnau, wo er Stammspieler wurde. 2010 wechselten er und Blum aus dem Emmental nach Kloten, wo Bieber zum Nationalspieler reifte und die zwei Finalserien erreichte. Dann folgte er Blum – allerdings vier Jahre später – nach Bern.

Und hat am neuen Ort wieder «viel Neues gelernt». Taktische Varianten, aber auch, wie Coach Kari Jalonen das Eishockey lebt. Und nicht zuletzt, dass man nicht nur in einem Final spielen, sondern ihn auch gewinnen kann. Obwohl die Berner schlecht in den Viertelfinal gegen Genf, in den Halbfinal gegen Biel und den Final gegen Zug gestartet waren, kam nie der Gedanke auf, dass es erneut nicht reichen könne. «Wir waren immer am Spielen, hatten nie eine Pause. Da war es einfach, im Tunnel zu bleiben. Es ging Schlag auf Schlag, wir hatten gar keine Zeit, uns Gedanken zu machen, weder in die eine noch in die andere Richtung. Wir blendeten alles aus.»

Und am 20. April 2019 wurde Bieber vor über 17000 Zuschauern in Bern zum Meisterspieler. Nicht einmal ein ganzes Jahr nach dem Abstieg. Das darf man durchaus geniessen.

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