Der Aufsteiger beim Aufsteiger

Mit 15 zog er aus, um in Langnau den Traum von der Profikarriere zu realisieren. Sechs Jahre später gehört Yannick Lennart Albrecht bei den SCL Tigers zu den Leistungs­trägern. Vor dem Duell mit den ZSC Lions totalisiert er elf Saisontreffer.

Strahlemann: Yannick-Lennart Albrecht läuft es seit Saisonbeginn ausgezeichnet – der Sürmer gehört bei den Tigers zu den Eckpfeilern.

Strahlemann: Yannick-Lennart Albrecht läuft es seit Saisonbeginn ausgezeichnet – der Sürmer gehört bei den Tigers zu den Eckpfeilern.

(Bild: Keystone)

An und für sich schlug die Nachricht keine Wellen. Anfang November kommunizierten die SCL Tigers, dass Yannick-Lennart Albrecht bis 2018 an den Verein hatte gebunden werden können. Auf den zweiten Blick war der Inhalt der Meldung doch etwas erstaunlich.

Beim 21-Jährigen handelt es sich um den ersten Schweizer Spieler in der Langnauer Equipe, dessen Ende Saison auslaufender Kontrakt verlängert wurde – einzig der Kanadier Chris DiDomenico erhielt den Vertrauensbeweis noch früher.

Sportchef Jörg Reber lobt Albrechts Einstellung und dessen grosses Kämpferherz, die Weiterbeschäftigung hatte für ihn höchste Priorität. Der Spieler seinerseits schätzt das Zeichen der Anerkennung noch heute. «Ich fühle mich geschmeichelt. Der neue Vertrag gab mir so richtig Schub.»

Wie wahr: Albrecht ist der Aufsteiger beim Aufsteiger, in der NLA gehört er zu den Entdeckungen. 11 Tore und 9 Assists hat er bereits gebucht, er ist Langnaus stärkster Schweizer Mittelstürmer. Sowohl im Über- als auch im Unterzahlspiel wird er eingesetzt, was ihn natürlich freut. «Ich bin sehr zufrieden. Es läuft viel besser, als ich erwartet habe.»

Startprobleme als Vollprofi

Albrecht hat in der NLA also bereits ein paar wenige Spuren hinterlassen. Gottéron wollte ihn engagieren, «in Freiburg hätte ich mehr verdient, aber in Langnau kann ich eine wichtigere ­Rolle spielen». Aufs Produkt der eigenen Nachwuchsabteilung sind die Tigers-Verantwortlichen freilich stolz. Wobei Al­brecht nur ein «halbes» Eigengewächs ist. Aufgewachsen ist er in Visp, wenige Meter neben der Eishalle.

«Ich bin oft mit den Schlittschuhen an den Füssen über die Strasse gelaufen.» Al­brecht aber wollte weg, sind im Wallis doch keine Nachwuchsteams auf höchster Stufe vertreten. «Wer den Anschluss nicht verpassen will, muss handeln», sagt der Rechtsschütze. Die Hischer-Brüder Luca und Nico (Bern) sowie Vincent Praplan (Kloten) taten es ihm gleich.

15 war Albrecht, als er das Elternhaus verliess. «Ich hatte nur Eishockey im Kopf, wäre überall hingegangen.» Zunächst litt er unter fürchterlichem Heimweh, aber nach und nach wurde das Emmental zu seiner zweiten Heimat. Seit sechs Jahren wohnt er bei einer Gastfamilie, im Februar bezieht er seine erste Wohnung. Die eigenen vier Wände passen zur neuen Situation.

Im Sommer bestand er die Maturitätsprüfungen, seither ist er Vollprofi. «Damit hatte ich zunächst extrem viel Mühe», erzählt die Offensivkraft, «vorher war alles strukturiert und verplant. Auf einmal hatte ich viel Zeit, wusste nicht, was ich damit anfangen sollte,und studierte zu viel am Hockey herum.» Doch längst hat er sich damit arrangiert, «mehr Erholungsphasen sind leistungsfördernd, wie man sieht». Dennoch überlegt er sich, demnächst ein Fernstudium zu beginnen.

Rauerer Umgangston

Derzeit aber dreht sich alles um den Sport. Die zwei Siege vom vergangenen Wochenende gegen Gottéron seien gut fürs Gemüt gewesen, wie es Albrecht formuliert. Er betont die nach wie vor gute Stimmung im Team, gesteht jedoch, dass der Umgangston rauer geworden sei, Trainer Benoît Laporte die Zügel angezogen habe.

Der eine oder andere mag Mühe damit bekunden, Albrecht hält die härtere Gangart für richtig; Anfang Saison habe es manchmal etwas «Larifari» gegeben, meint der Oberwalliser. Al­brecht hofft auf eine Rangverbesserung der Tigers (derzeit 11) in der Qualifikation. «Aber wir müssen realistisch sein, andere Teams haben mehr Qualität.» Er denkt dabei an die ZSC Lions, welche heute (19.45 Uhr) in der ­Ilfishalle gastieren. «Gegen die Lions wurden uns die Grenzen aufgezeigt. Wollen wir was holen, muss alles stimmen.»

Die nunmehr dritte Saison ­bestreitet Yannick-Lennart Al­brecht in der ersten Langnauer Equipe. Er ist kompletter, de­fensiv stärker geworden. In der teaminternen Hierarchie hat er sich nach oben gearbeitet, «ich sage auch mal etwas, wenns nicht rund läuft». Albrecht traut sich zu, ein Leader zu werden, «das ist mein Anspruch».

Hört man sich in der Szene um, ist der Stürmer, welcher zum eigenen Erstaunen nie für eine Junioren-WM aufgeboten wurde, gar nicht mehr so weit von einer Berücksichtigung fürs Nationalteam entfernt. Eine entsprechende Meldung würde gewiss ein paar Wellen schlagen.

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