Den eigenen Weg gehen

Die SCL Tigers empfangen am Samstag den EHC Biel (19.45 Uhr). Mit den Langnauern hat Ewgeni Schiriajew in der NLA Fuss gefasst. Der 26-Jährige weiss um seinen grossen Namen. «Spricht man von Schiriajew, spricht man von meinem Vater», sagt er.

Marco Oppliger@BernerZeitung

Natürlich kann sich Ewgeni Schiriajew noch erinnern, ganz besonders an die Fans: Jedes Mal, wenn sein Vater ein Tor geschossen hatte, kam in der Ilfishalle Weihnachtsstimmung auf. Dann beginnt er zur Melodie von «Jingle Bells» zu singen: «Waleri Schiriajew, lölölölölö, Waleri Schiriajew, lölölölölö, hey!»

Ewgeni Schiriajew war ein Teenager, als sein Vater in der Saison 2004/2005 für die SCL Tigers spielte. Seit letztem Herbst trägt er ebenfalls das Langnauer Dress. «Hier leben die Leute für das Eishockey, es ist wie eine grosse Familie. Das ist wichtig», sagt er.

Mit dem Vater auf dem Eis

Sein Vater habe ihn nie dazu gedrängt, Eishockeyspieler zu werden, hält der 26-Jährige fest. «Aber wenn du so aufwächst, hältst du halt rasch einmal einen Stock in den Händen.» Allerdings konnte sich Schiriajew in jungen Jahren nicht festlegen, spielte neben Eishockey auch Fussball. Das störte den Vater nicht – bis ihm der Junior eröffnete, dass er Fussballgoalie werden wolle. «Da sagte er mir: Entweder du spielst auf dem Feld, oder du setzt aufs Eishockey», erzählt er und lacht.

Ewgeni Schiriajew durchlief sämtliche Juniorenstufen beim HC La Chaux-de-Fonds. Als er 2006 in der NLB debütierte, war sein Vater Captain des HCC. «Es gibt nicht viele Spieler, die so etwas erleben. Er spielte mir jeweils die Scheibe zu, ich traf. Das war lustig», sagt er. Doch der Vater war ein strenger Lehrmeister, intervenierte auf der Bank häufig, «was nicht schlecht war. Er wollte nur, dass ich es besser mache.»

1989 war Waleri Schiriajew Weltmeister geworden, zwei Jahre später – die Sowjetunion war am Zerfallen – wechselte der Ukrainer von Sokol Kiew zum EHC Biel. Später spielte der Offensivverteidiger unter anderem auch für den SC Bern (Meister 2004), bis er 2008 seine Karriere nach einer Knieverletzung beenden musste. 52-jährig ist Schiriajew mittlerweile, gegenwärtig trainiert er die 2.-Liga-Equipe von Fleurier – und spielt manchmal sogar selber mit.

«Spricht man von Schiriajew, spricht man von meinem Vater», sagt der Langnauer Center. Es stört ihn nicht, doch betont er die Unterschiede: «Er war Verteidiger, ich bin Stürmer, er war Ausländer, ich bin Schweizer. Und das Eishockey von damals lässt sich nicht mit heute vergleichen.» Natürlich trage er den Namen Schiriajew gerne, «aber ich will meinen Weg gehen, damit die Leute auch von mir sprechen und nicht nur von ihm.»

«Keine gute Zeit» im Tessin

In Langnau bestreitet er nun seine erste volle NLA-Saison. Ein Gastspiel in der höchsten Liga endete 2009 in Lugano unglücklich. John Slettvoll, der ihn engagiert hatte, wurde entlassen – und dessen Nachfolger Kent Johansson machte Schiriajew klar, dass er für ihn keine Verwendung habe. Der Schwede liess den Center als Verteidiger trainieren; in 13 Spielen stand Schiriajew zwar in der Aufstellung, erhielt jedoch keine Sekunde Eiszeit. «Es war eine gute Erfahrung, aber keine gute Zeit für mich», hält er fest.

Lob von Laporte

9 Tore hat Schiriajew in diesem Winter erzielt und 8 Assists beigesteuert. «Ich möchte natürlich immer mehr machen. Doch ich bin zufrieden, weil ich nun sehe, dass ich das Potenzial für die NLA habe», sagt er. Fast alle Linien wirbelte Benoît Laporte im Laufe dieser Saison durcheinander, die Formation mit Sven Lindemann, Lukas Haas und Schiriajew liess er jedoch praktisch immer zusammen. «Wir dachten, dass es die richtige Lösung ist, ihn mit zwei erfahrenen Akteuren spielen zu lassen. Und es funktioniert», sagt der Langnauer Trainer. Laporte hält grosse Stücke auf Schiriajew: «Er ist schnell, intelligent, hat gute Hände und ein gutes Auge.»

Des Mittelstürmers Hauptaugenmerk gilt nun den SCL Tigers. Am Samstag (19.45 Uhr) empfangen die Emmentaler den EHC Biel. «Wir müssen gewinnen, wollen so viele Punkte wie möglich holen, um nicht die Playouts bestreiten zu müssen», sagt Schiriajew. Schliesslich will er sich als NLA-Spieler etablieren und dafür sorgen, dass die Leute nicht nur an seinen Vater denken, wenn sie den Namen Schiriajew hören.

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