Demütiger Däne, kecker Kanadier

3:2 nach Verlängerung auswärts, 4:3 nach Penaltyschiessen daheim: Die SCL Tigers holen gegen Kloten 4 Punkte. Ungeachtet dessen, dass sich Trainer Heinz Ehlers nach hinten orientiert, haben die Langnauer nach wie vor Playoff-Chancen.

  • loading indicator

Es war im September. An einem späten Dienstagabend sass Rob Schremp auf einer verlassenen Holzbank, einige Hundert Meter von der Ilfishalle entfernt. 0:5 hatte ein schwaches Langnau zuvor gegen Lausanne verloren. Es handelte sich um die sechste Niederlage im sechsten Spiel. Und so meinte Schremp, die Baseballmütze tief ins Gesicht gezogen: «Wir befinden uns schon jetzt im Abstiegskampf. Die Saison wird wohl bis Mitte April dauern.»

Nun, Schremp hat den Bettel hingeschmissen, der Amerikaner haute unlängst auf direktem Weg nach Deutschland ab. Die SCL Tigers ihrerseits haben die Kurve gekriegt, und wie: Dank 4 Zählern aus den Partien gegen Kloten (3:2 nach Verlängerung auswärts, 4:3 nach Penaltyschiessen vor Heimpublikum) sprechen wohl nur noch die pessimistischsten Pessimisten unter den pessimistischsten Pessimisten von Abstiegsgefahr.

Nach 45 von 50 Qualifikationsspielen liegen die Emmentaler auf Rang 9; die Differenz zu den Teams auf den Plätzen 11 und 12, welche nach einer 6 Partien umfassenden Zwischenrunde das Playout bestreiten müssen, beläuft sich auf 12 respektive 14 Punkte.

Der Jubilar auf der Strafbank

Und so erstaunte es nicht, war die Tigers-Belegschaft am Sonntagabend bester Laune. Einige Spieler nahmen ihre Kinder mit in die Garderobe, andere drehten auf dem Eis Ehrenrunden. 4 Siege in Folge seien für Langnau nichts Alltägliches, meinte Trainer Heinz Ehlers, ergänzend, für diese Punkteausbeute hätte er vor dem Wochenende mit einem Lächeln im Gesicht unterschrieben.

Von einem verlorenen Punkt mochte der Däne nichts wissen, ungeachtet dessen, dass die Gäste 56 Sekunden vor Schluss ausgeglichen hatten – notabene mit ihrem erst vierten Abschlussversuch im dritten Drittel.

Kloten agierte mit sechstem Feldspieler, zudem sass Sven ­Lindemann auf der Strafbank. Ausgerechnet Lindemann, der als erst neunter Profi die Marke von 1000 NLA-Einsätzen erreichte. Von einem harten Entscheid gegen sich sprach der Bündner, «aber ich hätte mich auch cleverer verhalten müssen».

Hatten die Tigers am Samstag mit etwas Glück in der Fremde reüssiert, agierten sie 20 Stunden später weitgehend dominant. Das 2:0 nach dem Startabschnitt war ein viel zu geringer Ertrag. Im Mittelabschnitt jedoch kam Nervosität auf, «einmal mehr wurde deutlich, dass wir Mühe bekunden, 60 Minuten nach Konzept zu spielen», hielt Ehlers fest.

Im Penaltyschiessen entschieden Zentimeter, oder «Millimeter», wie Chris DiDomenico konstatierte. Trafen die ersten zwei Klotener den Pfosten, schoss Ville Koistinen die Scheibe an die Lattenunterkante – in Zeitlupentempo kullerte sie danach über die Linie.

Des Topskorers Erlösung

DiDomenico seinerseits schoss keinen Penalty, er hatte sich in der Endphase des Spiels kaum eine Verschnaufpause gegönnt. Mit einer Einzelleistung buchte er überdies in der 14. Minute das 2:0. Man mag es kaum glauben: Es handelte sich um seinen ersten Treffer nach 24 torlosen Spielen, seinen ersten Treffer seit Ende Oktober.

Weil er in dieser Zeitspanne 16 Assists beisteuerte, wurde der Kanadier kaum einmal kritisch hinterfragt. «Ich bin Topskorer, also kann meine Form nicht so schlecht gewesen sein», sagte der Stürmer. Das Tor sei aber schon eine Erlösung gewesen, gestand DiDomenico, der sich in der Tabelle nicht nach hinten orientieren mag. «Wir brauchen sicher keinen Rückspiegel.»

Wie wahr: Kurz vor Qualifikationsende liegen die Tigers bloss 6 Punkte hinter dem Strich, das auf Rang 8 positionierte Lugano hat überdies ein Spiel mehr absolviert als die Langnauer. Und doch sagt Heinz Ehlers, der seinem Personal in der Nationalmannschaftspause ein paar freie Tage gewähren will, er schaue nach hinten. «Ich bin demütig genug, um die Lage richtig einzuschätzen.»

Als Ehlers mit den Journalisten sprach, interessierte ihn nicht das Ergebnis von Lugano. Vielmehr fragte er, ob Ambri (11.) und Gottéron (12.) verloren hätten. Beide Klubs blieben punktelos, worauf Ehlers meinte: «Jetzt ist es für uns ein guter Tag.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt