Ein kleiner Dämpfer – und kein bisschen mehr

Die Langnauer unterliegen Davos 1:4 und können trotzdem zufrieden sein.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Es gibt ein schönes Bonmot im Bernbiet: «Dr Hätti u dr Wetti si Brüeder gsi.» Es steht für die Möglichkeitsform, also den Konjunktiv. Und dieser hatte am Samstagabend in der ausverkauften Ilfishalle geradezu Hochkonjunktur. «Hätten sie im ersten Drittel ein Tor geschossen, Davos wäre untergegangen», war da und dort auf der Tribüne zu hören. Oder: «Hätte DiDo nicht den Pfosten getroffen, wir hätten das Spiel noch gewendet.»

Doch wie es der Konjunktiv verrät: Die SCL Tigers unterlagen Davos 1:4, obwohl sie mehr als doppelt so viele Abschlüsse wie der Gegner verzeichneten. Doch sie vergaben eine Vielzahl von Möglichkeiten und scheiterten reihenweise an HCD-Keeper Anders Lindbäck. Der Schwede hatte noch am Vorabend gegen Zug acht Treffer kassiert – und wurde von Arno Del Curto dennoch nicht ausgewechselt. In Langnau parierte Lindbäck dann im grossen Stil und kaschierte damit die ziemlich wackelige Organisation in der Defensive des Rekordmeisters.

Ehlers’ starke Offensive

Heinz Ehlers versuchte anschliessend zu lächeln, doch sein Blick verriet nichts Gutes. Und so zeigte sich der Tigers-Coach denn auch schonungslos in der Analyse. «Ich ärgere mich sehr. In der Defensive waren wir undiszipliniert, wir gewannen zu wenige Zweikämpfe, unser Puckmanagement war schlecht, und wir machten aus unseren Möglichkeiten viel zu wenig.» Natürlich hatte Ehlers mit seiner Kritik recht. Doch der Däne schlug dann rasch einen anderen Ton an – vielleicht, weil er erkannte, dass seine Kritik doch etwas hart gewesen war.

Denn letztlich ist diese 1:4-Niederlage für die Langnauer ein Dämpfer – aber kein bisschen mehr. 10 von 16 Spielen konnten sie gewinnen, womit sie den ersten Meisterschaftsunterbruch der Saison auf Rang 3 antreten – hinter den Kantonsrivalen Biel und Bern. Letztmals eine solch dominante Rolle im Schweizer Eishockey hatten die drei Berner Vereine in den 1970er-Jahren gespielt, als sie den Meistertitel während vier Jahren unter sich ausmachten. Durfte der SCB ganz oben und Biel zumindest in der oberen Tabellenhälfte erwartet werden, ist der Höhenflug der SCL Tigers zweifellos eine grosse Überraschung.

Weil sie sich auf diese Saison hin nicht signifikant verstärkt hatten. Einzige Ausnahme: Harri Pesonen. Der Finne hat auf Anhieb die Herzen des Publikums erobert, zählt mit 8 Toren und 10 Assists zu den produktivsten Ausländern auf Schweizer Eis. Unter seinem ehemaligen Chef ist Pesonen aufgeblüht. Apropos Ehlers: Dem Langnauer Coach haftet bekanntlich der Ruf an, ultradefensives Eishockey praktizieren zu lassen. Doch nun überzeugen die Langnauer auch in der Offensive: 48 Tore haben sie bereits geschossen, deren 12 im Powerplay – es handelt sich je um den drittbesten Wert der Liga.

«Wir können zufrieden sein. Hätte mir jemand vor dem Saisonstart diesen Tabellenplatz angeboten, ich hätte ihn sofort genommen», sagte Benjamin Neukom. «Er ist auf eine tolle Leistung des ganzen Teams zurückzuführen.» Schliesslich zeigte sich auch Ehlers versöhnlich: «Die Jungs haben lange einen fantastischen Job gemacht, ich hoffe, sie kehren mit derselben Einstellung zurück.»

Personaldecke bleibt dünn

Derweil Ehlers diese Woche beim Vierländerturnier in Polen erstmals als Headcoach der dänischen Nationalmannschaft im Einsatz stehen wird, erhalten die Spieler bis Donnerstag frei. Wegen diverser Ausfälle spielten die SCL Tigers zuletzt fast nur mit drei Angriffslinien, was Kraft kostete.

Fraglich ist, ob sich die Situation innert einer Woche entschärfen wird. Denn Nils Berger fällt erneut mit einer Handverletzung aus, und Alexei Dostoinow leidet immer noch an den Folgen einer Hirnerschütterung. Verstärken werden sich die Langnauer kaum können. Juraj Simek, an dem sie interessiert gewesen waren, hat sich verletzt – und der Transfermarkt ist ausgetrocknet.

Berner Zeitung

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