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«Das Team ist gut zusammengestellt»

ZSC-Sportchef Salis plant nach dem Playoff-Out kaum Veränderungen im Kader, dafür in derVorbereitung.

«Wenn das Selbstvertrauen fehlt, werden auch die Beine schwerer»: Traurige ZSC-Gesichter nach dem deutlichen 1:4 im Playoff-Viertelfinal gegen Kloten.
«Wenn das Selbstvertrauen fehlt, werden auch die Beine schwerer»: Traurige ZSC-Gesichter nach dem deutlichen 1:4 im Playoff-Viertelfinal gegen Kloten.
Nicola Pitaro

Edgar Salis, haben Sie das Playoff-Out schon verdaut? Ich bin auf dem Weg dazu, sagen wir es so: Ich glaube, zwei Tage später ist es schlimmer als am Tag danach. Wenn die anderen Mannschaften wieder am Spielen sind und die Matchberichte in den Zeitungen stehen, ist es sicher anders. Dann realisierst du es.Wie erklären Sie sich das schnelle Saisonende? So blöd das jetzt klingt: Wir haben eigentlich ein gutes Playoff gespielt. Aber das sage ich nur, weil die Qualifikation davor so schlecht war. Ein guter, aber erfolgloser Viertelfinal kann natürlich nicht unser Anspruch sein. Im Playoff haben uns in bestimmten Momenten die Automatismen, der Glaube, das Vertrauen in uns selbst gefehlt.Spielerisch und läuferisch sehen Sie im Vergleich zu den Flyers keine Unterschiede? Doch, natürlich. Kloten hat die ganze Saison auf einem anderen Niveau gespielt als wir. Kloten war schneller und hat schneller gespielt – in der Qualifikation. Im Playoff hatte ich dieses Gefühl aber nicht mehr; am Dienstag war Kloten anfangs schneller, danach wir. Ich glaube nicht, dass wir die langsamere Mannschaft sind. Als wir im Herbst unter Gustafsson 8 von 10 Spielen gewonnen haben, waren wir da auch zu langsam? Aber wenn das Selbstvertrauen fehlt, werden die Beine einfach schwerer.Warum fehlte das Selbstvertrauen? Meiner Meinung nach haben wir im August den Fokus zu sehr auf die European Trophy gelegt. Wir haben diese Spiele zu wichtig genommen und das Training vernachlässigt, zu wenig Automatismen eingeübt. Da haben wir Fehler gemacht – Trainer Colin Muller, Bob Leslie und auch ich. Diese Grundlage hat gefehlt, und das hat uns immer wieder eingeholt. Auch in anderen Ländern haben Teilnehmer der European Trophy Probleme in der Meisterschaft bekommen.Und weder Colin Muller noch Nachfolger Bengt-Ake Gustafsson waren im Stande, dies zu korrigieren? Es ist sicher nicht so, dass Colin Muller oder Bengt-Ake Gustafsson schlechte Trainer sind. Aber es ist vieles zusammengekommen, und dann ist es extrem schwierig, das während einer Saison zu korrigieren.Welche Rolle spielt dabei Ihre Personalpolitik? Sie haben im Sommer das Gewicht vom Sturm in die Verteidigung verschoben – mit dem Resultat, dass die zuvor torgefährlichste Mannschaft der Liga kaum mehr Tore schoss. Das ist so. Natürlich haben wir vor der Saison etwa ausgerechnet, wie viele Tore wir mit Transfers holen und wie viele wir verlieren. Fakt ist: Wir haben zu viele Tore erhalten und zu wenig geschossen, deshalb landeten wir auf Platz 7.Sie haben mit Ihren Transfers die Personalkosten um eine Million Franken gesenkt. Haben Sie am falschen Ort gespart? Im Nachhinein ja. Wenn ich mich ein Jahr zurückversetze, würde ich es wohl wieder gleich machen, aber heute muss ich sagen: Mit der Verpflichtung von Nolan und Gustafsson waren die Einsparungen gegenüber der letzten Saison natürlich geringer.Von den Neuen hat sich kaum einer durchgesetzt. Die Verteidiger Murphy und Westcott kämpften ebenso um ihre Form wie Ambühl. Ziegler und Paterlini waren kaum mehr als Ergänzungsspieler. Das Problem bei Westcott und Murphy war, dass sie praktisch nie zur gleichen Zeit in Form waren. An der European Trophy war Westcott sackstark, da dachte ich: Jetzt hast du einen dicken Fisch an Land gezogen. Im Playoff war er auch gut. Ziegler war ein wertvoller Spieler für uns, und Paterlini hatte viel Pech mit Verletzungen. Die Transfers von Ziegler und Paterlini werden mir um die Ohren gehauen, aber Ambühl wird gerne vergessen. Er hat die zweitbeste NLA-Saison seiner Karriere gehabt – nicht spielerisch, aber statistisch.Auch bei den Trainern hatten Sie diese Saison keine glückliche Hand – Muller wurde im Oktober entlassen, unter Gustafsson stagnierte das Team zuletzt. War es ein Fehler, mit Muller einen Trainer zu installieren, der schon aus dem Klub kam? Es hat nicht geklappt, also war es einer. Aber wenn ich ein Jahr zurückgehen könnte: Ich würde wieder das Gleiche machen. Mullers Trainings waren gut, er hatte eine gute Mischung zwischen Chef und umgänglichem Typ. Und unter Gustafsson hat sich das Team unbestritten gefangen.Auch Gustafsson hinterliess aber nicht den Eindruck, als vermochte er die Leidenschaft zu entfachen. Er dürfte kaum der richtige Mann für einen Neuanfang sein. Darüber kann ich jetzt noch nichts sagen. Wir sind dabei, das Anforderungsprofil für den Trainer zusammenzustellen, der den ZSC nächste Saison führt.Dass zuletzt der 42-jährige Ari Sulander im Tor stand, deutet nicht gerade auf einen Neuanfang hin. Wenn ich überall so wenig Probleme hätte wie im Tor, wäre ich zufrieden. Lukas Flüeler hat einen Riesenschritt gemacht und sich zu einem Top-NLA-Goalie entwickelt. Ich sehe die Konkurrenz keineswegs als Problem und hoffe sogar, dass Sulander Flüeler im nächsten Jahr die Rolle als Nummer 1 streitig macht. Das ist einer der Gründe, dass wir ihm einen neuen Vertrag gegeben haben.Bisher steht mit Verteidiger Robin Breitbach erst ein Zuzug fest. Sie müssen überzeugt sein, dass der ZSC besser ist als der 7. Rang, den er diese Qualifikation erreichte. Wir sind klar besser als Rang 7, aber das ist meine persönliche Ansicht. Ich weiss, dass viele Leute anderer Meinung sind, und damit muss ich leben. Ich bin hundertprozentig überzeugt davon, dass diese Mannschaft das Potenzial für einen Rang in den Top 4 hat. Aber wir sind dieses Jahr den Beweis schuldig geblieben.Was tun Sie dafür, dass die nächste Saison besser wird? Es wird noch Zuzüge geben. Es ist kein Geheimnis, dass Severin Blindenbacher unser Wunschspieler ist, und wenn uns dieser Transfer gelingt, wäre es auch denkbar, dass wir einen ausländischen Verteidiger durch einen Stürmer ersetzen. Aber man kann auch strukturell etwas ändern.Was heisst das? Es wird Änderungen im Sommertraining geben. Der Grossteil der Spieler hatte zuletzt einen persönlichen Trainer, darüber hinaus konnten sie sich dem geführten Training der GCK Lions anschliessen. Neu wird es so sein, dass das Sommertraining am 2. Mai anfängt – und die Spieler müssen da sein. Zudem werden unsere neun Testspiele alle in der Schweiz stattfinden unter dem Motto «Zurück zu den Wurzeln».Was wollen Sie damit bewirken? Strukturiert war der Tagesablauf schon immer, nur wird er jetzt stärker im Team erlebt. Es geht dabei in erster Linie um einen neuen Impuls. Das heisst nicht, dass unsere Spieler zuvor nicht fit oder schlecht trainiert waren – die objektiven Leistungswerte stimmten. Und es ist auch nicht als Strafe zu sehen, auch wenn das der eine oder andere Spieler vielleicht so sehen mag.Wie beurteilen Sie Ihre persönliche Bilanz nach zwei Jahren als Sportchef? Wir hatten in dieser Zeit vier Zielvorgaben, Top vier für Qualifikation und Playoff – und ich habe keine erreicht. Klar, könnte ich sagen: Ich habe dafür dies und das und jenes erreicht. Aber das käme blöd daher, am Schluss zählen nur die Fakten. Es ist schwierig, das momentan einzuschätzen. Ich finde, das Team ist gut zusammengestellt. Ich kenne viele Leute, die meiner Meinung sind. Viele andere sind es nicht.Wie gehen Sie mit Kritik an Ihrer Arbeit um? Wenn ich behaupten würde, es mache mir nichts aus, würde ich lügen. Wenn ich bitterböse Mails erhalte, dann geht das nicht wie ein kalter Schluck Wasser runter. Aber es ist ein Bestandteil des Jobs. Und ich finde es weiterhin einen tollen Job.

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