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Das Playoff soll kein Glücksspiel werden

Sandro Zaugg startet heute mit Wiki-Münsingen in Dübendorf in den Playoff-Viertelfinal der MSL. Als Torhüter nimmt er eine besonders verantwortungsvolle Position ein, die ihm von klein auf gefallen hat.

Nicht zum Spielen gedacht: Sandro Zaugg im Keller seiner Behörde. Die Automaten sind Prototypen jener Geräte, die legal betrieben werden dürfen. Foto: Adrian Moser
Nicht zum Spielen gedacht: Sandro Zaugg im Keller seiner Behörde. Die Automaten sind Prototypen jener Geräte, die legal betrieben werden dürfen. Foto: Adrian Moser

Mit Wetten auf die MSL sei er in seiner Arbeit noch nie konfrontiert worden, sagt Sandro Zaugg. «In der Schweiz ist mir kein Anbieter bekannt, bei dem man auf Wiki-Spiele setzen kann», sagt der 26-Jährige. «Im Ausland hingegen dürfte es welche geben.» Der Torhüter des EHC Wiki-Münsingen arbeitet bei der von den Kantonen getragenen Lotterie- und Wettkommission (Comlot), die einerseits Bewilligungen für legale Angebote auch im Bereich Glücksspiele erteilt, andererseits aber den illegalen Markt bekämpft.

Zu dieser Stelle kam Zaugg, als er in der Handelsschule einen Praktikumsplatz suchte, nachdem im Frühling 2015 klar war, dass es als Eishockeyprofi für ihn nicht weitergehen würde. Der Swiss-League-Club Ajoie hatte ihm nach zwei Jahren keinen Vertrag mehr angeboten. «Das Thema hat mich interessiert, ich bewarb mich und wurde angenommen», sagt Zaugg. Und ist bis heute bei der Behörde geblieben.

Als Eishockey-Goalie ist er bestrebt, dass das Spiel auf dem glatten Eis nicht zur Glückssache wird, was die Anzahl Gegentore betrifft. Schon als Kind wollte er ins Tor. «Die grossen Ausrüstungen haben mir gefallen», sagt Zaugg. «Ich musste dann kurz als Feldspieler agieren, weil auch ein Goalie das Schlittschuhlaufen erlernen muss. Nach einem Jahr aber ging ich definitiv ins Tor.»

Der Langnauer durchlief den Nachwuchs bei seinem Heimatverein, schaffte den Sprung in die Swiss League und denkt noch heute, dass er sich eigentlich auf dieser Stufe hätte behaupten sollen. «Es braucht jedoch immer einen Coach, der auf einen setzt, und mir fehlte damals die mentale Robustheit», nennt Zaugg die Gründe, warum er heute nicht mehr Profi ist.

Immerhin durfte er im letzten Frühling bei Langenthal den Swiss-League-Titel als Torhüter Nummer 2 feiern, freilich ohne gespielt zu haben. Er stiess nach dem Saisonende von Wiki zu den Oberaargauern, weil sich dort Marco Mathis verletzt hatte. Anschliessend führte er mit dem SCL auch Gespräche über ein weiteres Engagement, allerdings ohne dann unter Vertrag genommen zu werden.

Am Duftöl schnuppern

Torhüter sind anders, hört man immer wieder. «Auch in der Mannschaft höre ich immer wieder, dass wir Goalies spinnen», sagt Zaugg. Er wirkt jedoch wie ein ganz normaler junger Mann und sagt auch von sich, dass er nicht spezieller sei als die Feldspieler.

Ein besonderes Ritual pflegt er. «Ich führe ein Fläschchen mit Duftöl mit mir und schnuppere daran», beschreibt er es. «Der Duft weckt in mir positive Emotionen. Aber zu oft schnuppern darf man nicht, sonst bekommt man Kopfweh.» Solche Rituale sind bei den Aaretalern weit verbreitet. Viele klatschen sich vor einem Spiel in einer speziellen Art ab oder grüssen sich immer auf die gleiche Weise.

Im Playoff sind Goalies einem besonderen mentalen Druck ausgesetzt. Ein Fehler zu viel von ihnen, und es kann das entscheidende Gegentor sein, das zum Ausscheiden führen kann. Zaugg ist bestrebt, die wichtigsten Partien der Saison normal vorzubereiten. «Letztlich ist es auch nicht mehr als ein Hockeyspiel», sagt er deutlich.

Er arbeitet zu 70 Prozent, an Spieltagen hat er nachmittags frei und legt sich noch etwas hin, bevor die Matchvorbereitung startet. Im Playoff wird jedoch auch donnerstags gespielt, wenn er für seine Weiterbildung in Betriebswirtschaft bis 16 Uhr in der Schule sitzt. «Da muss ich noch abklären, ob ich allenfalls früher gehen kann. Ich denke aber, dass ich auch für ein Spiel bereit sein werde, wenn das nicht möglich sein sollte.»

Zaugg ist offenbar einer, der sich an veränderte Verhältnisse anpassen kann. Ein Glücksspiel soll das heute in Dübendorf beginnende Playoff für Wiki-Münsingen jedenfalls nicht werden.

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