Da staunt sogar der Trainer

Stark verbesserte SCL Tigers siegen im Derby gegen Biel 3:2 nach Penaltyschiessen. Gleich drei Langnauer treffen in der Kurzentscheidung. Weil ihnen Heinz Ehlers verboten hat, zu dribbeln.

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Philipp Rindlisbacher

Montagabend und Eishockey ist wie Dienstag ohne Krimi, wie Sonntag ohne Liegenbleiben – es passt irgendwie nicht. Weil am Samstag in der Ilfishalle wegen des Oktoberfests aber geschunkelt statt gecheckt wurde, mussten sich Langnauer und Bieler 48 Stunden lang gedulden. Die Tigers-Belegschaft hatte eine Einladung für die feuchtfröhliche Party gekriegt, die Spieler jedoch verzichteten freiwillig auf Bier und Brezel. Der Lohn für die Vernunft: zwei Punkte. Ein Lob vom Trainer. Und etwas Luft im hinteren Tabellendrittel.

3:2 nach Penaltyschiessen siegten die Emmentaler, der Erfolg gegen den Zweiten der National League war aufgrund der Spielanteile an und für sich logisch, und doch wunderte sich am Ende manch einer mit Tigers-Herz – der Trainer inklusive. Da tun sich die Langnauer in dieser Saison so ungemein schwer mit dem Toreschiessen, vergeben Grosschancen noch und noch. Und dann? Läuft Yannick Blaser im Penaltyschiessen an und trifft. Tut es ihm Claudio Cadonau gleich.

Und selbst Pechvogel Robbie Earl knallt die Scheibe rein. Bereits nach sechs von zehn vorgesehenen Schützen ist die Kurzentscheidung vorbei. «Nachdem wir zuletzt etwa 18 von 20 Penaltys verschossen haben, musste ich etwas ändern», meinte Trainer Heinz Ehlers. So durften mit Blaser und Cadonau zwei Defensivkräfte ihr Glück versuchen. Wie Earl verzichteten sie aufs Dribbling. Der Coach wollte es so. «Aber dass es so gut funktionierte, konnte ich nicht erwarten.»

DiDomenicos Verwandlung

Dieses Ende, es war nicht abzusehen gewesen. Zu ereignisarm war das Startdrittel verlaufen, zu lau die Stimmung im Mittelabschnitt gewesen. Das Hin und Her in den letzten zehn Minuten aber hatte es in sich. Und sowieso: An die Tigers war kein Vorwurf zu richten. Wie vor Wochenfrist beim 1:0-Sieg in Freiburg agierten sie solider als auch schon in dieser Qualifikation, sie verteidigten konsequent, markierten in sämtlichen Zonen Präsenz.

Sie spielten diszipliniert und schienen vorbereitet zu sein auf die Bieler Stärke, die schnell vorgetragenen Konter. Was fehlte, waren die Geistesblitze, Gefahr ging lange fast ausschliesslich von der Formation um Pascal Berger, Chris DiDomenico und Harri Pesonen aus. DiDomenico wirkte wie verwandelt; nach einigen rätselhaften Darbietungen strotzte er vor Selbstvertrauen, agierte mannschaftsdienlich, war ein steter Gefahrenherd.

Das 1:0 von Captain Berger bereitete er mit einem Energieanfall vor, das 2:1 erzielte er mittels sehenswertem Ablenker gleich selbst. «Er war sehr stark heute», meinte Ehlers, der auch die Leistung von Goalie Ivars Punnenovs hervorhob.

Ein Trio soll bleiben

Und so verlängerte sich für den Grossteil der Zuschauer die Festivitäten in der Ilfishalle. 5564 waren gekommen, darunter der Schweizer Nationalcoach Patrick Fischer sowie Schwedens Assistenztrainer Markus Akerblom. Nächste Woche ruht die Meisterschaft aufgrund von diversen internationalen Turnieren.

Heinz Ehlers, der im Doppelmandat auch die Auswahl Dänemarks betreut, reist nach Oslo, wird die Dänen aber nur in ein paar wenigen Trainings betreuen – vor den Länderspielen reist er zurück ins Emmental. Die Tigers hätten Priorität, stellt er klar, «ich kann und will das Team im Moment nicht so lange alleine lassen».

Keine Pause gönnt sich gewiss auch Sportchef Marco Bayer: In den nächsten Tagen will er Gespräche mit den Defensivkräften Blaser und Larri Leeger sowie mit Mittelstürmer Nolan Diem führen. Seine Absicht ist es, deren auslaufende Verträge zu verlängern. Zumindest im Fall von Blaser dürfte er Konkurrenz erhalten, dem Vernehmen nach sind zwei Schweizer Vereine ebenfalls am 30-Jährigen interessiert.


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