Zum Hauptinhalt springen

Brüderliche Führungsspieler Plüss

Im ersten Spiel nach der Olympiapause empfängt der SC Bern heute (19.45 Uhr) Gottéron. Der Vergleich zwischen den Zähringerstädten ist jeweils auch ein brüderliches Duell: Martin trifft auf Bruder Benjamin Plüss.

Bern - Freiburg. Die zwei Städte verbindet seit jeher eine Rivalität, wobei aus historischer Perspektive etwa die Schlacht bei Laupen (1339) als Beleg dient. In der Moderne hat sich der Wettstreit indes von der martialischen auf die sportliche Bühne verlagert: SC Bern versus Gottéron. Wer bei den zwei Vereinen nach Gemeinsamkeiten sucht, stösst unweigerlich auf den Namen Plüss. Denn sowohl Martin beim SCB wie auch Benjamin bei Gottéron gehören zu den prägenden Akteuren ihres Teams.

Viele Wege führen zum Ziel

Die Karriere der beiden Brüder ist gewiss alles andere als analog verlaufen. In ihrer Jugend hatten sie mit Begeisterung Tennis, Fussball und Eishockey gespielt. «Es war immer unterhaltsam, weil wir ähnliche Interessen hatten», sagt Martin Plüss. Der 32-Jährige erhielt früh die ersten NLA-Einsätze bei Kloten (1994), blieb den Zürchern zehn Jahre treu und durfte in dieser Zeitspanne zwei Meistertitel feiern. Auch während seiner Zeit in Schweden bei Frölunda war der Nationalspieler zu Meisterehren gekommen (2005), ehe er 2008 zum SCB wechselte.

Der zwei Jahre jüngere Benjamin musste sich den Durchbruch in der höchsten Schweizer Spielklasse hingegen erdulden. Nachdem er bei den Elitejunioren des EHC Kloten in der Saison 1998/99 mit 32 Punkten in 27 Spielen überzeugt und deshalb an der Schwelle zur NLA gestanden hatte, erfolgte jener schwere Autounfall, bei dem sich Benjamin Plüss beide Kniescheiben zertrümmerte. Auf Grund dieser Verletzung konnte er knapp zehn Monate nicht trainieren. Doch Plüss kämpfte sich via Winterthur (1.Liga) und Lausanne (NLB), wo er beim Aufstieg der Waadtländer 2001 eine tragende Rolle einnahm, zurück ins Schaufenster der NLA. 2001 erfolgte der Wechsel zu Langnau, zwei Saisons später nach Freiburg. Und bei Gottéron sollte ihm mit einigen Jahren Verspätung auch der Durchbruch auf höchster Stufe gelingen – dies vornehmlich an der Seite Julien Sprungers.

Wiedersehen im Playoff?

Heute Abend stehen sich die Brüder in der PostFinance-Arena gegenüber – einmal mehr. «Wir haben bereits oft gegeneinander gespielt, deshalb ist es auch kaum mehr speziell», sagt Martin Plüss, der eben erst aus Vancouver zurückgekehrt ist. Plüss spricht im Zusammenhang mit seinen dritten Olympischen Spielen von einem «phänomenalen, unvergesslichen Ereignis. Die Begeisterung in der Bevölkerung für das Eishockey war riesig.» Zwei Spiele trennen den SCB noch vom Playoff-Auftakt – heute gegen Gottéron, am Samstag in Biel. Beide Partien sollen dem Tabellenführer als Vorbereitung für den Saisonhöhepunkt dienen. «Es ist ein letztes Herantasten an die Playoff-Form, und die Spiele dienen auch dazu, nochmals an den Details zu feilen», sagt Martin Plüss.

Zwei Runden vor Schluss der Qualifikation zeichnet sich ab, dass in der traditionsreichen Rivalität zwischen Bern und Freiburg in den Viertelfinals ein neues Kapitel verfasst werden könnte; die Alternativpaarungen dieser Variante sind SCB - Lugano und Servette - Gottéron. «Unser Restprogramm der Qualifikation mit den Spielen gegen Bern und Servette ist sicher ein Vorteil. Es sind zwei gute Tests gegen unsere möglichen Playoff-Gegner», sagt Benjamin Plüss.

Die Brüder stehen in einem regelmässigen, «normalen Kontakt» (Martin Plüss), und wer mit ihnen spricht, erhält den Eindruck, dass sich die beiden sehr ähnlich sind: So auffällig sich der spielstarke Center des SCB und der kampfstarke Flügel Gottérons im Spiel präsentieren, so ruhig, unaufgeregt und ausgeglichen wirken die Brüder abseits des Eises. Privates halten die Familienväter gerne privat. «Ein Reisser auf dem Eis, daneben ruhig und familiär – das trifft auf mich sicher zu», sagt Benjamin Plüss, derweil sein älterer Bruder, auf den Vergleich angesprochen, schmunzelnd sagt: «Beni ist schon etwas ruhiger als ich. Und wir haben auch in einigen Sachen unterschiedliche Ansichten.» Beispielsweise, welches Team in einem allfälligen Viertelfinal-Vergleich als Sieger hervorgehen würde. Vorerst aber gilt der Fokus der beiden Führungsspieler vollumfänglich dem zweitletzten Qualifikationsspiel. Welcher Plüss sich wohl heute Abend als Pluspunkt erweisen wird?

Reto Kirchhofer

>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch