Biel schlägt Langnau und bleibt Leader

Der EHC Biel bleibt die Nummer 1 im Kanton – und die Nummer 1 im Land. Nach Startschwierigkeiten siegen die Seeländer in Langnau 5:3. Urgestein Mathieu Tschantré schiesst zwei Tore.

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Nennen wir den einen Helden einen Künstler. Dem es gelang, den Zuschauer zu entzücken. Mit dem Rücken zum Bieler Tor stand Harri Pesonen kurz vor Ende des Mitteldrittels, und dann kam sein magischer Moment, dann kamen seine zwei Sekunden: Der Tigers-Stürmer zog die Scheibe zwischen den Beinen hindurch und traf, Marke Tor des Monats, vielleicht Tor des Jahres, sicher ein Geniestreich.

Sollte es etwas geben, das dem Artisten vorzuwerfen war in der Manege Ilfishalle, dann dies, dass er die geforderte Zugabe nicht gewährte. Sein Anschlusstreffer zum 2:4 läutete nicht die Wende ein, Langnau unterlag 3:5. Ein bisschen verrückt habe es sich schon angefühlt, sein Tor, meinte Pesonen. «Ich weiss gar nicht, weshalb ich diesen Trick überhaupt gewagt habe.»

Per Ablenker ins Glück

Nennen wir den anderen Helden einen Arbeiter. Der zunächst nur deshalb nicht unerkannt blieb, weil der Buchstabe C auf seinem Trikot zu sehen war, der auf den Captain hinwies. Als 13. Stürmer wurde Mathieu Tschantré nominiert, auf den ersten Blick ein Lückenfüller also, einer aber, der am Dienstagabend die Entscheidung herbeiführte.

Tschantré traf zum 2:1 für die Seeländer (24.), er schoss das 3:1 (36.), und es machte den Anschein, als hätte er dabei «Copy und Paste» gedrückt. Zweimal lenkte er in Überzahl eine Scheibe entscheidend ab, zweimal zeigte er danach kaum Emotionen. Dabei hätte dieses Urgestein von einem Bieler, das letzte Überbleibsel der Aufstiegsmannschaft von 2008, doch Grund dazu gehabt, ausgelassen zu jubeln.

Einerseits, weil Tore nun mal ein gutes Bewerbungsschreiben sind für einen neuen Vertrag, für den sich der 34-Jährige aufdrängen will. Andererseits, weil er es den Kritikern zeigte, die sich etwas angehäuft haben in letzter Zeit.

Er sei nie der Typ gewesen, der sich über Tore definiere, meinte Tschantré. «Viel mehr freue ich mich darüber, was bei uns gerade abgeht. Der Blick auf die Tabelle tut schon unglaublich gut.» Nicht vor Mitte Saison wird er mit den Verantwortlichen über seine Zukunft sprechen.

Im Stil eines Spitzenteams

Es dürfte rund um Biel einigen so gehen wie Tschantré, der vor 18 Jahren in der NLB für die Seeländer debütiert hatte und nun gerade dort einspringt, wo es ihn eben braucht. Der EHC Biel bleibt auch nach sechs Runden Leader, stolze 15 Punkte hat er vorzuweisen, und es war beeindruckend, wie er sich in Langnau präsentierte. Ruhig, abgeklärt, vor allem aber voller Selbstvertrauen.

Die Equipe Antti Törmänens zauderte nicht nach dem Startdrittel, welches das Heimteam dominiert hatte. Mit einer dreiminütigen Sturm-und-Drang-Phase der Tigers war der erste Abschnitt zu Ende gegangen, Chris DiDomenico hatte den Puck aus kurzer Distanz an die Latte gehämmert. Erstaunlich dominant agierten die Emmentaler, erstaunlich passiv die Seeländer.

Doch selbst vom 1:0 Raphael Kuonens (22.) liess sich Biel nicht verunsichern, au contraire, keine drei Minuten später führten die Gäste 3:1. Langnau machte sich das Leben mit vielen Undiszipliniertheiten respektive Unterzahlsituationen selbst schwer. «Biel kontrollierte die Scheibe besser als wir, deshalb gerieten wir unter Druck und machten Fehler», resümierte Pesonen, ergänzend, kein anderer Gegner in dieser Saison sei so stark gewesen wie der vom Dienstag.

Engpass im Angriff

Anzumerken gilt es, dass Langnau eine ordentliche Leistung zeigte, auch im Schlussdrittel nicht aufsteckte, in welchem DiDomenico in Unterzahl auf 3:5 verkürzte. Goalie Damiano Ciaccio aber war nicht der Hexer, der er zuletzt gewesen war, nach der zweiten Pause wurde er durch Ivars Punnenovs ersetzt. Für Aufruhr sorgte kurz vor Schluss Yannick Blaser: Der Verteidiger dürfte wegen seines Checks gegen den Kopf von Damien Brunner für mehrere Partien gesperrt werden – schliesslich gilt er als Wiederholungstäter.

Nicht mehr allzu komfortabel ist die Lage im Angriff. Noch 12 Stürmer sind einsatzfähig, wobei einer jeweils den Platz des überzähligen Ausländers einnimmt. Daher holten die Tigers den an Olten verliehenen Flügel Roland Gerber zurück, den Löwenanteil an dessen Lohn hatten sie bereits zuvor bezahlt.

Der Transfer wurde nötig, weil Nils Berger wegen einer Handblessur vier bis sechs Wochen lang ausfallen wird. Berger, seit 2015 in Langnau, hat aus Verletzungsgründen mehr Partien verpasst als gespielt. Er scheint sich mit der Rolle des tragischen Helden abfinden zu müssen.

Berner Zeitung

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