SCB: Das reicht nicht im Januar

Der SC Bern verliert auch das zweite Spiel der Doppelrunde. Gegen ein stabiles Biel kassiert das Team von Kari Jalonen vier Treffer innerhalb von fünf Minuten. Etliche Spieler sind nicht in Form. Ein normales Tief oder Grund zur Sorge?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

So schnell lässt sich ein Finne nicht aus der Ruhe bringen. In der Niederlage zeigt sich, wer ­gute Nerven hat, und zum ersten Mal, seit er Coach beim SC Bern ist, braucht Kari Jalonen Gelassenheit. Nach überragenden Resultaten in den ersten beiden Dritteln der Qualifikation stolpert er mit seinem Team durch den Januar. Fünf Spiele, drei ­Niederlagen, nur gegen Langnau reichte es zu zwei Siegen.

Jalonen lässt sich nichts anmerken: «Was im November gut genug ist, reicht im Dezember nicht. Und was im Dezember gut genug ist, reicht im Januar nicht.»Nicht die Tabelle macht Sorgen. Punkte hat das Team genug, um sicher sein zu können, dass es zum Heimvorteil im Playoff reicht. Das Mentale ist die heikle Sache, weil es lange her ist, dass man in Bern ein Problem hatte.

Anfang Dezember gab es vier Niederlagen in Serie, aber das waren Begegnungen, die man schon fast gewonnen hatte und nachlässig aus der Hand gab. Jetzt ist die Situation anders. Verteidiger Beat Gerber sagt es weniger philosophisch als sein Trainer, dafür konkreter: «Wir erarbeiten uns bei fünf gegen fünf zu wenig Chancen. Und wenn wir sie haben, sind wir zu wenig kaltblütig.»

Analyse ist einfach

Die Partie gegen Biel war ein Abbild von Gerbers Aussagen. Die ersten beiden Treffer fielen zwar bei numerischem Gleichstand, aber dem 2:0, nach einem schönen Doppelpass zwischen Tristan Scherwey und Mason Raymond, ging ein Fehlerreigen der Seeländer voraus. Es fehlte nicht an Torschüssen, kurioserweise schossen die Berner im Mitteldrittel, das sie 1:4 verloren, häufiger auf das Gehäuse als der Gegner. Aber es fehlte an echter Gefahr.

Marc Kämpf und Raymond hatten zur Spielmitte zwei gute Gelegenheiten, die Biel-Goalie Jonas Hiller zunichtemachte, und Gaëtan Haas kurz vor Schluss noch einmal eine. Aber es gab Partien in dieser Saison, da hatte der SCB in einem einzigen Drittel mehr gute Aktionen. Man kann sich die Analyse einfach machen.

Es fehlen Moser und Rüfenacht, und der eine oder andere Leistungsträger war in dieser ­Saison schon deutlich besser in Form: Genoni, Blum, Untersander, Gerber, Krueger, Bodenmann, Pyörälä: Sie alle haben lichte Momente, aber auch wenig stilsichere Phasen. In der Summe ist das beträchtlich. Arcobello, Ebbett und Haas waren am ­Samstag gut, aber den hohen ­Ansprüchen genügten eigentlich nur Scherwey und Raymond. Das reicht nicht zum Sieg, oder wie es Jalonen sagt: «Die Spiele werden ab jetzt immer enger.»

Törmänen wie ein Bieler

Diese Sorgen hat der EHC Biel zurzeit nicht. Die Seeländer sind so stark und konstant wie nie seit ihrem Wiederaufsteig vor zehn Jahren. Sie können Rückstände aufholen und sind erstaunlich abgeklärt, wenn sie einmal in Führung liegen.

Die einzige Furcht, die im Seeland umgeht: dass der Höhenflug abrupt zu Ende gehen könnte. Wie tief diese Angst verwurzelt ist, zeigt die Aussage von Sportchef Martin Steinegger nach dem Spiel: «Wir brauchen noch drei Punkte, um die Playoff-Teilnahme zu sichern.»

Ein anderer stand in den Katakomben und sah einfach nur ­zufrieden aus. Antti Törmänen hatte soeben sein erstes Duell als Trainer gegen einen Ex-Club gewonnen. Natürlich mochte er nicht von Revanche oder Genugtuung sprechen, aber eine «besondere Zufriedenheit» liess er immerhin gelten. Wer will es ihm verdenken?

Auch er hat das bielerische ­Understatement schon verinnerlich. Die Partien gegen Zug und Bern würden zeigen, wo seine Mannschaft stehe, hatte er gesagt. Nun, nachdem er vier Punkte gewonnen hatte, wollte er doch nicht bestätigen, dass sein Team nun den Halbfinal zum Ziel erklären müsste.

Matchtelegramm:
Biel - Bern 4:3 (0:1, 4:1, 0:1) 6521 Zuschauer (ausverkauft). - SR Novak (SVK)/Wehrli, Castelli/Obwegeser. - Tore: 3. Arcobello (Ebbett) 0:1. 22. Scherwey (Raymond) 0:2. 24. Fuchs (Forster/Ausschlüsse Maurer; Hischier) 1:2. 26. Rajala (Pouliot/Ausschluss Kämpf) 2:2. 27. Forster 3:2. 29. Pouliot (Rajala, Pedretti) 4:2. 42. Raymond (Untersander/Ausschluss Joggi) 4:3. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Biel, 3mal 2 Minuten gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: Pouliot; Ebbett.

Biel: Hiller; Jecker, Forster; Kreis, Fey; Maurer, Dufner; Steiner; Pedretti, Pouliot, Rajala; Micflikier, Fuchs, Earl; Schmutz, Sutter, Wetzel; Diem, Neuenschwander, Fabian Lüthi; Joggi.

Bern: Genoni; Untersander, Blum; Andersson, Gerber; Kamerzin, Krueger; Burren; Bodenmann, Arcobello, Ebbett; Raymond, Haas, Scherwey; Kämpf, Pyörälä, Meyer; Berger, Heim, Hischier; Randegger.

Bemerkungen: Biel ohne Tschantré (verletzt) und Lofquist (überzähliger Ausländer), Bern ohne Moser, Rüfenacht (beide verletzt) und Noreau (überzähliger Ausländer). Pfostenschuss Haas (10.). Timeout Bern (58:58). Bern ab 58:10 ohne Torhüter. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.01.2018, 20:41 Uhr

Artikel zum Thema

Eine Ehrung und drei glückliche Kanadier

Vor dem Match gegen die ZSC Lions steht Martin Plüss nochmals im Fokus. Eine Ehre der anderen Art wird den drei Kanadiern Andrew Ebbett, Maxim Noreau und Mason Raymond zuteil. Mehr...

Ein Momentum, das doch keines ist

Der SCB steigert sich zwar im Verlauf der ­Partie, verliert gegen den ZSC aber mit 2:4. Die Berner bleiben aber souveräner Leader – mit 13 Punkten Vorsprung. Mehr...

Eric Blum: «Bei uns gibt es keine Neider»

Der 31 Jahre alte Verteidiger führt den SC Bern zurzeit als Captain an. Vor dem Heimspiel heute gegen die ZSC Lions spricht Eric Blum über seine Rolle, die grosse Stärke des SCB und Olympia. Mehr...

Paid Post

Vor Erkältungen schützen

Jedes Jahr in der kalten Jahreszeit steigt die Gefahr, an einem grippalen Infekt oder Erkältung zu erkranken. Ob und wie stark ein Infekt ausbricht, hängt massgeblich von der Fitness unseres Immunsystems ab.

Kommentare

Blogs

Bern & so Freier Kopf

Foodblog Wenn Pappa kocht

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Unklare Zukunft: Wartende Migranten spiegeln sich im Meer im Hafen von Malaga, Spanien. (13. Januar 2018)
(Bild: Jon Nazca) Mehr...