Bertschy sucht Konstanz und ein Auto

Der ehemalige SCB-Stürmer Christoph Bertschy hat sich in Des Moines, wo das Farmteam von Minnesota Wild daheim ist, gut eingelebt. Wie nahe er der NHL ist, weiss der 21-Jährige nicht, «aber ich kann mich hier zeigen», sagt er.

Christoph Bertschy gibt Vollgas: Der ehemalige SCB-Spieler hat für Iowa Wild in der American Hockey League schon sechs Skorerpunkte gesammelt.

Christoph Bertschy gibt Vollgas: Der ehemalige SCB-Spieler hat für Iowa Wild in der American Hockey League schon sechs Skorerpunkte gesammelt.

(Bild: EQ Images)

Adrian Ruch

Es ist vieles neu für Christoph Bertschy. Da ist zum Beispiel die Umgebung. Der Düdinger, der sich beim SC Bern schon als 17-Jähriger einen Platz in der NLA-Mannschaft erkämpft hat, lebt seit ein paar Wochen in Des Moines, dem Hauptort des Bundesstaates Iowa.

Bertschy hat sich in der 200'000-Einwohner-Stadt gut eingelebt. «Mir fehlen einzig die Berge; hier hat es weit und breit keine», erzählt er. Ungewohnt sind auch die Lebensumstände. Der 21-Jährige bildet mit dem US-Amerikaner Jared Knight eine Wohngemeinschaft.

Die beiden Flügel teilen sich ein Appartement mit Küche, Wohnzimmer sowie je einem Schlaf- und einem Badezimmer. Es klappe ganz gut, oft kochten sie selber, sagt der Schweizer. Was er noch nicht hat, ist ein Auto. Es sei etwas mühsam, stets auf Teamkollegen angewiesen zu sein, gesteht er.

Doch schon bald will er sich einen Wagen anschaffen. Anders ist auch das Eishockey, wird doch in Nordamerika auf schmaleren Eisfeldern gespielt. «Es werden deutlich mehr Checks verteilt als in der NLA, überhaupt gibt es hier viel mehr Körperkontakt. Doch mit der Härte habe ich keine Mühe», meint Bertschy, obwohl er mit 1,77 Metern in der Mannschaft von Iowa Wild der Kleinste ist.

Besuch bei Travis Roche

«Ich bin positiv eingestellt», fasst Christoph Bertschy seinen Gemütszustand zusammen. Der Freiburger hatte sich ausgezeichnet auf das Nordamerika-Abenteuer vorbereitet. Im Sommer arbeitete er hart an der Physis, und dann reiste er früher als nötig nach Minneapolis, um dort mit dem ehemaligen SCB-Verteidiger Travis Roche auf dem Eis zu trainieren.

Hilfreich war auch, dass Guy Boucher in Bern «ein sehr amerikanisches System spielen lässt», wie es der Düdinger formuliert. Bertschy machte im Camp der Minnesota Wild denn auch eine gute Figur und wurde sogar im Testspiel gegen die Edmonton Oilers eingesetzt.

Das sei bisher sein persönliches Highlight gewesen, sagt der Stürmer, «und auch im Trainingslager war es eindrücklich, gemeinsam mit all den Stars auf dem Eis zu stehen». Der Bündner Nino Niederreiter, der sich bei Minnesota durchgesetzt hat, stand Bertschy in dieser Zeit mit Rat und Tat zur Seite.

Letztlich musste Bertschy doch den Weg nach Des Moines antreten, um sich in der American Hockey League zu bewähren. Obwohl ihm von den Wild-Verantwortlichen von Anfang an gesagt worden war, er würde zuerst im Farmteam spielen müssen, war er im ersten Moment etwas enttäuscht. «Es war mein Traum gewesen, gleich in der NHL beginnen zu können, aber das wäre wohl zu schön gewesen.»

Viel Eiszeit bei Iowa

Der schnelle, trickreiche Flügel ist indes realistisch genug, zu wissen, dass er noch einiges zu lernen hat, bis er in der weltbesten Eishockeyliga eine tragende Rolle wird übernehmen können. In Nordamerika bleibt für das Annehmen und Weiterpassen des Pucks weniger Zeit als in der Schweiz.

«Du musst immer vorausdenken», berichtet er. Zudem hat er bei Niederreiter, Zach Parise und Konsorten beobachtet, mit welcher Selbstverständlichkeit erfolgreiche NHL-Profis «die vielen Details immer richtig machen. Diese Konstanz muss ich mir noch aneignen.»

Der Start in der AHL ist Bertschy geglückt. Nach 11 Partien führt er mit 2 Toren und 4 Assists die interne Skorerliste an; zudem ist er bei Iowa Wild einer der wenigen, die eine ausgeglichene Plus-Minus-Bilanz aufweisen.

Er dürfe bis jetzt mit sich zufrieden sein, meint er. Bertschy kommt bei Iowa jeweils in der ersten oder zweiten Sturmlinie zum Einsatz und bekommt schon viel Eiszeit. «Ich kann mich hier zeigen», sagt er, «und ich tue alles, um mich in den Matchs gut zu präsentieren.»

Trotz geglücktem Einstand hat er keine Ahnung, wie weit er noch von der NHL entfernt ist, ob er bei einer Verletzungsmisere im Sturm Minnesotas in der NHL schon eine Chance bekäme. «Das kann ich nun wirklich nicht abschätzen.»

Es wäre natürlich schön, würde die erste längere Fahrt im neuen Auto von Des Moines nach Saint Paul führen. In der Vorstadt von Minneapolis, gut dreieinhalb Fahrstunden von Christoph Bertschys jetzigem Wohnort entfernt, spielt das NHL-Team Minnesota Wild.

Berner Zeitung

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