Zum Hauptinhalt springen

Berner Duo in Edmonton

Der Eishockey-Weg ist längst nicht mehr aussergewöhnlich, aber doch speziell: Elf Schweizerinnen spielen und studieren im Ausland, darunter die beiden Bernerinnen Sandra Heim und Dominique Scheurer.

Geld verdienen: Dominique Scheurer bedient Sandra Heim.
Geld verdienen: Dominique Scheurer bedient Sandra Heim.
Beat Mathys

Sandra Heim, die Torhüterin aus Wilderswil, und Dominique Scheurer aus Moosseedorf, die ehemalige Verteidigerin, die heute an vorderster Front mitstürmt, leben ihren Traum. Beide sind 22-jährig, beide hat das Eis­hockey nach Edmonton gebracht, beide haben mit dem Team der MacEwan University Griffins den Titel eines Universitätsmeisters der Provinz Alberta geholt. Die Entscheidung für ein Engagement in Kanada stand bei beiden auch im Zusammenhang mit einem Aufgebot für die Olympischen Spiele im kommenden Februar in Pyeongchang. Sandra Heim gibt sich offen: «Ich hoffte auf eine bessere Chance im Nationalteam.» Scheurer sieht es ähnlich, doch die Reise nach Südkorea wird ohne das Duo statt­finden.

Eishockey ist nur das eine Standbein der beiden Bernerinnen in Edmonton, die Triebfeder, die die Suche nach einer geeigneten Ausbildungsstätte ausgelöst hat. Sandra Heim hat ihre Ausbildung zur Kauffrau EFZ in der Schweiz abgeschlossen und perfektioniert ihr Wissen in einem dreijährigen Diplomkurs in «Accounting and Strategic Measurement». Ihr Diplom, das sie im Frühjahr 2019 machen wird, «gilt auch in der Schweiz und soll mithelfen, einen guten Job zu finden». Danach werde sie wohl in die Schweiz zurückkehren, «auch wenn ich noch ein weiteres Jahr in Edmonton spielen könnte». Dominique Scheurer hingegen hat nach ihrem Abschluss in «Correctional Services» (Justizvollzug) in zwei Jahren nur eines im Kopf: den Sprung in die Canadian Women’s Hockey League, eine von zwei Profiligen in Übersee, zu schaffen. Sie könnte die erste Schweizerin werden, die in der 2007 gegründeten Liga spielen wird. Klappts nicht, «möchte ich als Polizistin oder Gerichtsvollzieherin arbeiten».

Keine Zeit für Partys

Ein Zuckerschlecken ist das Kanada-Abenteuer für beide nicht – sowohl sportlich wie auch intellektuell. Für Freizeit bleibe wenig Zeit, für Partys, die oft mit Universitäten in Übersee verbunden werden, gar keine, sagen beide übereinstimmend. Viermal die Woche, von Montag bis Donnerstag, wird auf dem Eis trainiert, daneben stehen tägliche Off-Ice-Lektionen an, und die Freitage und Samstage sind für Spiele reserviert. «Der einzige freie Tag ist der Sonntag», erzählt Scheurer, und Heim fügt lächelnd bei: «Dann steht der Wohnungsputz an.» Auch das gehört dazu: das Putzen der eigenen Wohnung ausserhalb des Campus, die sie mit Kommilitoninnen teilen. Die tägliche Freizeit, sagt Scheurer, werde ins Lernen investiert, denn schliesslich soll – bei allem Vergnügen rund ums Hockey – das Studium nicht zu kurz kommen.

Sommerjobs daheim

Damit das Ganze auch monetär einigermassen verkraftbar bleibt – beide verfügen zwar über ein Hockeystipendium, müssen einen grossen Teil der Studien- und vor allem der Lebenskosten jedoch selber berappen –, nützten sie die vier Sommermonate in der Schweiz zum Geldverdienen: Heim arbeitete in der Landi in Interlaken, Scheurer servierte in der Badi Weyermannshaus. «Das verdiente Geld reicht zu einem grossen Teil aus, doch ohne Zustupf der Familie geht es nicht», erklärt Scheurer. Trotzdem sind sie der Ansicht: «Der Aufwand lohnt sich. Wir sehen uns täglich in unserem Entscheid, zwischenzeitlich nach Kanada auszuwandern, bestärkt.» Mittlerweile hat für beide der Edmonton-Alltag wieder begonnen – mit Trainings und der Vorbereitung und Testspielen im Hinblick auf die im Oktober beginnende Meisterschaft. Das Ziel für die neue Saison ist klar: Verteidigung des Meistertitels.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch