Beim Frauen-Bodycheck schauen die Sponsoren weg

Im Millionen-Zürich findet die Eishockey-WM der Frauen statt. Das OK hat die Erfahrung gemacht, dass es in der Schweiz um die Akzeptanz für den Frauensport nicht zum Besten bestellt ist.

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Pierre de Coubertin, der die Olympischen Spiele wieder belebt hat, hätte seine grosse Freude an den Amateurinnen aus der Schweiz. Wenn die Spielerinnen von Swiss Ice Hockey ab Samstag in Winterthur und Zürich um Tore und Siege kämpfen, dann sehen sie keinen Rappen, dürfen aber wenigstens das Tenü und die Stulpen als Erinnerung behalten. Da haben es die Gegnerinnen aus Kanada, den USA, Russland oder Kasachstan schon besser: Dort fliesst Geld in die Frauen-Teams, abgesegnet von den Verbänden und Behörden. Die Schweizerinnen nehmen bis zu drei Wochen Ferien, damit sie am heimischen Turnier teilnehmen können und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

OK-Chef Fredy Weisser, ein bekannter Werber und VR-Mitglied der ZSC Lions, setzt sich nicht nur für den Event als solchen ein. Ihm geht es mit dem Turnier auch um die Sache der Frau. Der Zürcher will einen Beitrag für den Frauensport in der Schweiz leisten. Deshalb heisst der Slogan der WM auch «Power of Women», er soll den Wert der modernen, selbstbewussten Frau symbolisieren. Es existiert auch ein WM-Song mit dem sinnigen Titel: «This is your Chance!».

Kein Goodwill in der Mode- und Kosmetikbranche

Im Vorfeld hat der erfahrene Werber bei der Sponsorensuche für die WM die Feststellung gemacht, dass man hierzulande «zwar viel über das Bekenntnis für die Frau und für den Frauensport spricht. Geht es aber um Taten, ist nicht viel los.» Mit anderen Worten: Es wird von den Firmen kein Franken für eine Veranstaltung mit Sportlerinnen lockergemacht. Weisser hat auch Unternehmen aus der Mode- und Kosmetikbranche angeschrieben. Mit einer Ausnahme (Estée Lauder) haben alle abgesagt, teilweise mit höhnischem Unterton. Weissers Fazit kurz vor dem Beginn der Frauen-Hockey-WM: «Offenbar sind wir hierzulande in diesem Bereich noch nicht so weit.»

Immerhin wurde das OK doch noch fündig: Ohne das Entgegenkommen der Städte Zürich und Winterthur sowie des EWZ wäre das Budget von 1,5 Millionen Franken nicht zustande gekommen. Und erstaunlich ist es doch, dass das Eis im so an Terminen reich befrachteten Unterhaltungstempel Hallenstadion für die Hockeyanerinnen zur Verfügung gestellt wird. Diese Tatsache allein ist schon ein grosser Erfolg für dieses Turnier.

Weisser erwartet rund 20'000 Personen, welche sich die Spiele im Winterthurer Deutweg und im Event-Saal von Oerlikon zu Gemüte führen. Davon müssen mindestens 7000 das Ticket bezahlen, damit die Kosten im Gleichgewicht bleiben. Die Eintrittspreise sind human (10 Franken in der Vorrunde, 20 Franken ab den Viertelfinals). Die acht Teams logieren in Hotels, nicht in Kasernen oder Jugendherbergen. Dieser Ausgabenpunkt ist beträchtlich, schliesslich kostet die Übernachtung einer Spielerin genau gleich viel wie bei einem Spieler.

Eine andere Faszination

Der OK-Chef weist darauf hin, dass man Frauen-Eishockey nicht mit jenem der Männer vergleichen soll. «Frauen-Eishockey übt eine andere Faszination aus: Es wird nicht so hart gespielt, dafür ist es geprägt von Kreativität, Technik und grossem Spielfluss. Es ist schön, so einem Spiel beizuwohnen.» Und punkto Begeisterung für den Sport stehen die Ladys den Männern in nichts nach.

Die Schweizer Auswahl um Coach René Kammerer träumt von einer Medaille an der Heim-WM. Dann müsste allerdings alles perfekt laufen. Vor allem der Abstand zu den führenden Frauen-Teams aus Nordamerika ist recht gross. In der Vorrunde treffen die Gastgeberinnen auf Kanada, Finnland und Kasachstan. Rang 3 ist nötig, um unter die Top Acht zu stossen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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