Bauer, ledig, sucht

Nach langer Verletzungspause und einem Abstecher nach La Chaux-de-Fonds in die NLB ist Lukas Haas zurück in Langnau. Der 28-jährige Emmentaler, seit Jahren Stammspieler bei den SCL Tigers, ist derzeit mehr Lückenbüsser als Leistungsträger.

Düstere Lage: Nach langer Verletzungspause kämpft Lukas Haas um einen Stammplatz im Langnauer Team.

Düstere Lage: Nach langer Verletzungspause kämpft Lukas Haas um einen Stammplatz im Langnauer Team.

(Bild: Andreas Blatter)

Es ist Montag, kurz vor halb neun Uhr. In der Ilfishalle wird das Eis gereinigt, von den SCL Tigers ist einzig Lukas Haas zu sehen. Es ist ein gewohntes Bild, läuft der Stürmer doch fast immer als Erster ein. Er geniesst die Ruhe vor den Übungseinheiten, benötigt etwas Zeit für sich, absolviert sein eigenes Aufwärmprogramm.

Zuletzt jedoch war Haas unregelmässig im Training anzutreffen. Mitte Oktober hatte er sich an den Adduktoren und am Schambein verletzt. Von einer zwei-, vielleicht dreiwöchigen Pause ging der Profi aus – es sollten dreieinhalb Monate werden.

Vor Monatsfrist erst kehrte er aufs Eis zurück, doch weil es den Emmentalern Ende Januar und Anfang Februar wie geschmiert lief, war kein Platz für ihn frei. Weshalb Haas nach La Chaux-de-Fonds verliehen wurde, in die NLB.

Derzeit nicht erste Wahl

Von einer Degradierung aber mag der langjährige Stammspieler nicht sprechen – im Gegenteil. «Ich brauchte Spielpraxis. Im Training kann dir noch so vieles gelingen, ohne Ernstkämpfe kommst du keinen Schritt weiter.»

Im Jura traf er auf seine einstigen Trainer Alex Reinhard und Christian Weber sowie auf ehemalige Langnauer Teamkollegen wie Kévin Hecquefeuille, Remo Giovannini und Simon Sterchi. Das Spiel in der NLB sei weniger von Taktik geprägt, es werde «druflos gsecklet» und sehr offensiv agiert, meint der Routinier.

«Im Training kann dir noch so vieles gelingen, ohne Ernstkämpfe kommst du keinen Schritt weiter.»Lukas Haas

Die Parteien hatten vereinbart, dass Haas vor Beginn der B-Playoffs ins Emmental zurückkehren würde. Bei den Tigers jedoch ist er derzeit Lückenbüsser statt Leistungsträger. Zuletzt ist er mal überzählig, mal 13. Stürmer gewesen. Ob er am Samstag zum Auftakt der Platzierungsrunde in Ambri eingesetzt wird, ist ungewiss.

Er wolle dem Coach die Entscheidung schwermachen, sagt Haas, der primär offensive Qualitäten besitzt, während Heinz Ehlers’ System auf die Defensive ausgerichtet ist. Der Trainer kommuniziere mit ihm wenig, behandle aber alle gleich, sagt Haas. Sein Vertrag läuft bis 2018.

Eigener Hof und Trainerposten

Haas, dessen Onkel Bruno zum Meisterteam von 1976 gehörte, ist Emmentaler durch und durch. In Langnau ging er zur Schule, in der Ilfishalle kurvte er erstmals übers Eis. Als Bub habe er die Spiele der ersten Mannschaft begeistert verfolgt. «Nun skandieren die Fans meinen Namen – das ist ein unglaubliches Gefühl.» Viele seiner Kollegen stehen in der Fankurve, Haas tauscht sich oft mit Zuschauern aus. «Volksnähe wird in Langnau geschätzt.»

Während beim Stürmer «Haas» auf dem Trikot geschrieben steht und er den Tiger auf der Brust trägt, sind Schafe seine Leidenschaft. Er züchtet sie, beherbergt einige auf dem Hof eines Freundes in der Idylle Sumiswalds, nimmt an Shows und Ausstellungen teil. Haas schätzt Tier und Natur – er ist der einzige gelernte Landwirt unter den NLA-Spielern. Auch während der Saison zieht es ihn zuweilen in den Stall. «Die Bauernarbeit ist der perfekte Ausgleich», sagt der Flügel.

«Die Bauernarbeit ist der perfekte Ausgleich.»Lukas Haas

Dass er dereinst einen eigenen Hof führen wird, schliesst er nicht aus, wobei sich Haas auch eine Trainerlaufbahn vorstellen kann. Seit geraumer Zeit unterstützt er einmal wöchentlich Langnaus Juniorentrainer, besucht Trainings der Bambinis, Piccolos und Moskitos.

In zwei Wochen aber wird Lukas Haas, der mit seiner Freundin in Grünen lebt, erst 28, er hat einige Saisons als Profi vor sich. Vor fünf Jahren wurde das Tigers-Eigengewächs von Sean Simpson beobachtet, zu mehr als einem Pikettaufgebot vom Nationaltrainer reichte es jedoch nicht. Nach wie vor träumt Haas vom Länderspieldebüt, «im Moment bin ich davon aber weit weg». Anders als früher studiere er auf dem Eis zu viel, stehe sich selbst im Weg, meint der 291-fache NLA-Spieler.

Vorerst sucht Haas seinen Platz in der Equipe. Physisch sei er so stark wie nie zuvor, im Oberkörperbereich habe er seine Defizite wettgemacht. Manche Zusatzschicht absolviert er, zumeist vor den Einheiten. Wobei der Eindruck täuscht: Haas ist bei den Tigers nicht immer der Erste, sein Ritual will es so. Zu Beginn jeder Drittelpause bleibt er einige Minuten lang auf der Spielerbank sitzen, sortiert seine Gedanken, analysiert das Geschehene. Und sucht erst dann die Garderobe auf. Als Letzter.

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