Aus dem Zweckbündnis wird Liebe

Erfolgstrainer Heinz Ehlers hat seinen Vertrag in Langnau bis Frühling 2021 verlängert. Für die SCL Tigers ist die Fortführung der Zusammenarbeit von wesentlicher Bedeutung.

Der Chef hat gut lachen: Trainer Heinz Ehlers bleibt den SCL Tigers treu.

Der Chef hat gut lachen: Trainer Heinz Ehlers bleibt den SCL Tigers treu.

(Bild: Raphael Moser)

Philipp Rindlisbacher

Heinz Ehlers ist ein Taktikfuchs. Auf allen Ebenen. Am späten Nachmittag einigte er sich am Dienstag mit den Verantwortlichen der SCL Tigers, die Zusammenarbeit wird um zwei Jahre bis Ende der Saison 2020/2021 verlängert. Es war der Wunsch des Trainers, die frohe Kunde noch am selben Abend mit der Öffentlichkeit zu teilen, im Wissen, dass der Aufruhr in den Medien wegen des Zeitdrucks vergleichsweise gering sein würde. Ehlers mag kein Trara um seine Person, im Gegenteil, die Mannschaft soll im Vordergrund stehen.

Die Mannschaft – der Däne hat mehr aus ihr herausgeholt, als die meisten für möglich gehalten hatten. Im Oktober 2016 stand Ehlers erstmals in Langnau an der Bande, seither haben die Emmentaler im Schnitt jedes zweite Spiel gewonnen. Es handelt sich um eine für Tigers-Verhältnisse sensationelle Quote. Mit dem Abstieg hat der einstige Krisenverein schon länger nichts mehr zu tun, nach zwei Fünfteln der Qualifikation gilt Langnau als ernsthafter Playoff-Kandidat. Es überraschte daher, lagen Ehlers keine Angebote anderer Vereine vor, auch wenn Clubs aus Schweden Interesse bekundet haben sollen.

Das Abhängigkeitsverhältnis

Zweimal wurde verhandelt in der letzten Woche, und Langnaus Sportchef Marco Bayer bestätigt, dass beide Parteien gekämpft hätten. Verständlicherweise wollte Ehlers seinen Marktwert ausreizen, die Tigers ihren Prinzipien nicht untreu werden. Bayer mag keine Details verraten, er sei sehr glücklich mit dem Ergebnis, welches Kontinuität garantiere, sagt er nur. Sicher ist: Ehlers erhält eine Lohnerhöhung, über die finanzielle Schmerzgrenze hinaus aber gingen die Clubverantwortlichen nicht.

Natürlich ist der 52-jährige Coach der teuerste Angestellte, er ist allerdings auch der mit Abstand wichtigste Mitarbeiter. Es ist ihm gelungen, eine chronisch verunsicherte Equipe zu stabilisieren und aus ihr einen gleichermassen unangenehmen wie ernst zu nehmenden Konkurrenten zu formen. Akteure wie Alexei Dostoinov, Raphael Kuonen und Anthony Huguenin, welche durch starke Leistungsschwan­kungen auffielen, sind unter seiner Obhut gereift, zudem hat er es verstanden, einen impulsiven Freigeist wie Chris DiDomenico ins Gefüge zu integrieren. Ehlers’ Abgang wäre ein immenser Verlust gewesen, wohl kein anderer National-League-Club ist derart vom Trainer abhängig. Es gibt einen Spieler, welcher zuletzt mit der Vertragsverlängerung zuwartete, weil er seine Zukunft mit jener des Trainers verknüpft. Nun dürfte er sich demnächst zu den SCL Tigers bekennen.

Nach dem Punktgewinn vor Wochenfrist in Biel hatte Ehlers im vormitternächtlichen Vieraugengespräch erstmals angedeutet, in Langnau bleiben zu wollen. «Ich schätze es, lässt man mich in Ruhe arbeiten. Und ich spüre das Vertrauen der Clubführung», meint er. Welch Kontrast zu den ersten Wochen bei den Tigers im Herbst 2016, als der Coach angeeckt war, es trotz vieler Siege Differenzen gab. «Der Start war schwierig, ich hatte falsche Erwartungen. Nun herrscht im Team die richtige Mentalität. Das motiviert mich, hier weiterhin alles zu geben.» Etwas überspitzt formuliert lässt sich sagen: Aus dem Zweckbündnis ist Liebe geworden.

Berner Zeitung

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