Aufstieg für die Tigers in Griffnähe

4:3 nach Verlängerung am Samstag, 4:3 nach Verlängerung am Montag – die SCL Tigers schlagen Rapperswil über Ostern zweimal. Ein Sieg fehlt den Langnauern dafür, in die höchste Spielklasse zurückzukehren.

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Philipp Rindlisbacher

Mehr Dramatik geht nicht. 2:0 führen die SCL Tigers am Ostersamstag im zweiten Spiel der Ligaqualifikation gegen die Rapperswil-Jona Lakers nach dem ersten Drittel. 3:2 steht es nach 40 Minuten. Es folgen ein Pfostenschuss, eine über dreiminütige doppelte Überzahl, eine Handvoll ausgelassener hochkarätiger Chancen. Und dann, weniger als 9 Sekunden vor Schluss, buchen die St.Galler den Ausgleich. Der Langnauer Kévin Hecquefeuille sinkt geschockt zu Boden, Teamkollege Lukas Haas steht fassungslos da.

In der Garderobe bleibt es danach einige Minuten lang still. In der Verlängerung werden 6050 Zuschauer in der Ilfishalle Zeuge des grossen Auftritts von Chris DiDomenico. Der Topskorer wird gefoult, erhält einen Penalty zugesprochen. Er läuft an, schiesst, trifft, jubelt – und springt die Bande hoch, um sein Glück mit den euphorisierten Heimfans zu teilen.

Ostermontag, 45 Stunden später. «Das ist ungesund», sagt Martin Stettler, schmunzelt und gibt danach einen lauten Schrei von sich. Es ist am frühen Abend, als der Langnauer Captain von seinen arg strapazierten Nerven spricht. Eine halbe Stunde zuvor führen die SCL Tigers in Rapperswil-Jona 3:1, die Lakers haben den Glauben an sich offenbar verloren, kurven desillusioniert auf dem Eis herum. In der 56.Minute fällt das Anschlusstor im Powerplay, quasi aus dem Nichts. Und 21 Sekunden vor Schluss – beim Heimteam ist das Gehäuse verwaist, dafür stehen zwei Feldspieler mehr im Einsatz – folgt das 3:3.

«Das fühlt sich an, als hätte dir jemand seine Fäuste ins Gesicht gedroschen», wird Claudio Moggi später sagen. Hadern? Konzentration verlieren? Nachlassen? Nein! Keine 4 Minuten dauert es in der Verlängerung, bis Anton Gustafsson den Siegtreffer bucht. Der Auswärtscoup ist gleichbedeutend mit der 3:0-Führung in der Best-of-7-Serie um den letzten NLA-Platz.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Langnauer in Rapperswil extreme Emotionen durchleben. 2011 realisierten sie in der Rosenstadt die erstmalige Playoff-Qualifikation, vor zwei Jahren verloren sie bei den Lakers das siebte Spiel der zweiten Playout-Runde, stiegen später ab. Am Montag ist die Arena in Emmentaler Händen. Über 1500 Tigers-Fans sind angereist, der eine oder andere Supporter trägt eine Treichel unter dem Arm.

Die Lakers-Anhänger ihrerseits sind nach Spielschluss frustriert, prügeln aufeinander ein. Alles scheint für B-Meister Langnau zu laufen. Zum verrückten Osterwochenende passt, dass Anton Gustafsson im dritten Spiel den Siegtreffer schiesst. Der Trainersohn war zuletzt krank – und soll schon vor einigen Wochen einen (nur für die NLA gültigen) Vertrag in Rapperswil unterschrieben haben.

Am Donnerstag können die Tigers zubeissen. In der ausverkauften Ilfishalle folgt das vierte Duell in dieser Ligaqualifikation – es versteht sich von selbst, wollen die Langnauer vor eigenem Anhang aufsteigen. «Wir waren auch im dritten Spiel das bessere Team», resümiert Yves Müller selbstbewusst. Der Verteidiger, welcher mit gebrochenem Nasenbein und lädiertem Ellbogen spielt, schiesst am Montag zwei Tore. In den ersten beiden Partien hat er gleich dreimal den Pfosten getroffen.

Claudio Moggi erwähnt die Gedanken an den Samstag, welche bei der Verarbeitung des Ausgleichstreffers geholfen hätten. «Wer so etwas zweimal wegsteckt, ist mental gefestigt.» Es herrsche eine fantastische Stimmung, «jeder rennt, als ginge es um sein Leben. Und es ist egal, welcher Name hinten auf dem Trikot steht – wichtig ist, was vorne draufsteht: der Tiger.»

Berner Zeitung

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