Auf in den Kampf

Die heutige Partie in Bern (19.45 Uhr) ist für Gottéron wegweisend. Dass die Equipe um einen Playoff-Platz zittern muss, hatten weder Spieler noch Umfeld erwartet.

Trainer Gerd Zenhäusern hat Gottéron defensiv stabiler gemacht. Reicht das für das letzte Playoff-Ticket?

Trainer Gerd Zenhäusern hat Gottéron defensiv stabiler gemacht. Reicht das für das letzte Playoff-Ticket?

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Für einen Freiburger ist diese Werbung pure Provokation: «Cup gewonnen, Geschichte geschrieben, Gratulation SC Bern», flimmert über die kleinen Bildschirme in den lokalen Transportbetrieben. Der jüngste Triumph der Berner wirkt nach – auch im Stammland des Erzrivalen.

Heute (Postfinance-Arena, 19.45 Uhr) treffen sich die Kontrahenten nach der zweiwöchigen Nationalmannschaftspause zum Vergleich. Es ist gewiss kein Duell auf Augenhöhe: 36 Zähler trennen den Leader von den neuntplatzierten Freiburgern. «Der SCB verfügt über grosse und starke Spieler, jeder hat seine Rolle, die Mischung ist gut», sagt Gerd Zenhäusern, «es wird ein physisches Spiel, wir müssen von Beginn weg bereit sein.»

Die heutige Partie bildet den Auftakt zum Qualifikationsschlussspurt; sechs Partien verbleiben. Während es für den Leader darum geht, sich für die Playoffs in Form zu bringen, wird Gottéron in jeder Partie an seine Grenzen gehen müssen, um es ins Meisterrennen zu schaffen. Drei Punkte liegt die Equipe Zenhäuserns hinter dem achtplatzierten Biel. Für die Zuschauer sei diese Ausgangslage «schön spannend», sagt der Coach und lächelt süffisant, «für die Direktbeteiligten ist sie weniger schön».

Ohne Selbstvertrauen

Dabei war Gottéron mit grossen Vorschusslorbeeren in die Saison gestartet, das Team galt wie in den letzten Jahren als Anwärter auf den Qualifikationssieg. Doch der Start missriet völlig, nach acht Niederlagen in elf Partien musste Hans Kossmann seinen Posten räumen. Auf den harten Kanadier folgte Zenhäusern, der bis dato Assistenzcoach von Kevin Schläpfer beim EHC Biel gewesen war. Der freundliche, eher ruhige Oberwalliser sagt, er habe Ende Oktober eine Mannschaft ohne Selbstvertrauen vorgefunden. «Das ist normal. Wenn du oft verlierst, kannst du kein Selbstvertrauen haben.»

Ein grosses Problem sind die defensiven Unzulänglichkeiten; Gottéron kassierte bereits 154 Gegentore –so viele wie keine andere NLA-Mannschaft. Seit Weihnachten wirkt die Equipe aber gefestigter und spielt vorab in der Defensive solider. «Der Coach ist mitten in der Saison zu uns gekommen. Am Anfang war es nicht leicht, in sein System zu finden. Doch in der Weihnachtspause haben wir stark daran gearbeitet, das half uns, um gut ins neue Jahr zu starten», sagt Benjamin Conz. Der Torhüter steht exemplarisch für das erstarkte Gottéron, das vor der Nationalmannschaftspause 12 Punkte aus 5 Partien gewann.

Zu Saisonbeginn war Conz nicht die Nummer 1, er kassierte haltbare Tore, wirkte verunsichert. Im neuen Jahr weist der Jurassier eine Quote von 93 Prozent gehaltenen Schüssen auf. «Seit Jahresbeginn versuche ich im Training noch etwas mehr zu geben und wie in einer Spielsituation zu handeln», erklärt der Keeper. Man habe in der Defensive Anpassungen vorgenommen, die es dem Torhüter ermöglichten, die Schüsse besser zu sehen, erklärt Zenhäusern.

Ein weiterer Punkt für den Aufschwung sei, dass diverse verletzte Spieler in die Mannschaft zurückgekehrt seien. Nur mit Vollbestand habe Gottéron die Möglichkeit, gegen jede Mannschaft zu gewinnen, sagt Zenhäusern.

Mentalitätswechsel

Zenhäusern ist sich ziemlich sicher, wer sich den 8.Platz sichern wird: «Die Equipe, die am wenigsten Tore erhält, hat eine grosse Chance, in den Playoffs dabei zu sein.» Solche Sätze demonstrieren den Wandel Gottérons; nach Jahren an der Spitze steckt es mitten im Strichkampf, in welchem nicht spielerischer Glanz, sondern in erster Linie Kampf gefragt ist. «Alle sind angespannt. Jedes Wochenende ist wichtig. Läuft es schlecht, bist du am Montag raus aus dem Playoff-Rennen», sagt Zenhäusern.

Für einige Spieler sei dies eine völlig neue Situation, doch die Mentalität lasse sich nicht von einem auf den anderen Tag ändern. «Das ist ein laufender Prozess. Erst einmal musst du verarbeiten, dass du bis zum Schluss kämpfen musst, um überhaupt in den Playoffs dabei zu sein.»

Es werde jetzt nur noch «Playoff-Begegnungen» geben, in denen 100 Prozent Einsatz gefordert sei, sagt Torhüter Conz, «das wird am Ende für uns sprechen – hoffentlich». Schliesslich sollen die News auf den Bildschirmen in den Freiburger Transportbetrieben bald wieder von lokalen Heldentaten handeln.

Berner Zeitung

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