Auf Abschiedstournee

Die SCL Tigers können mit einem Sieg gegen Ambri-Piotta den Ligaerhalt klarstellen. Für Yannick-Lennart Albrecht und Miro Zryd ist es das zweitletzte Heimspiel im Tigers-Dress.

Miro Zryd (links) und Yannick-Lennart Albrecht verlassen das Emmental Richtung Zug.

Miro Zryd (links) und Yannick-Lennart Albrecht verlassen das Emmental Richtung Zug.

(Bild: Christian Pfander)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Eben hat Beat Feuz im Zielraum abgeschwungen. Worauf die Gäste im Bistro der Ilfishalle – unter ihnen diverse Spieler der SCL ­Tigers – anerkennend nicken, vor dem TV-Gerät teilweise gar verhalten jubeln. Der Schangnauer geniesst im Emmental einen ähnlich hohen Stellenwert wie die SCL Tigers. Aber zwischen Skifahrer und Eishockeyclub gibt es einen grossen Unterschied. Mit eingangs erwähnter Abfahrt sicherte sich Feuz die kleine ­Kristallkugel, er darf nun feiern. Das können seine Lieblinge, die SCL Tigers, noch nicht.

Es ist der Tag nach der 3:4-Niederlage in Kloten. Und einem Langnauer Spieler tut der Blick zurück besonders weh: Miro Zryd. Mit einem Fehlpass leitete er den entscheidenden Gegentreffer zuerst ein und lenkte die Scheibe dann noch unglücklich ins eigene Tor. «Solche Sachen ­ärgern einen unglaublich», sagt der Verteidiger.

Die Luftveränderung

Zryd befindet sich auf Abschiedstournee, gemeinsam mit Yannick-Lennart Albrecht. Der Oberländer und der Walliser werden die SCL Tigers nach dieser Saison Richtung Zug verlassen. Im Herbst verkündeten sie ihren Abgang kurz nacheinander, und unabhängig voneinander – wie beide betonen. Das Echo im ­Tigers-Umfeld blieb nicht aus, handelt es sich bei ihnen doch um junge Spieler mit Potenzial, die in Langnau ausgebildet wurden.

Es sei ihm schwergefallen, mitzuteilen, dass er sich gegen die SCL ­Tigers entschieden habe, hält Zryd fest. Doch habe er das ­Gefühl, beim EVZ eine gute Möglichkeit zu erhalten, einen Schritt weiterzukommen. Bei Albrecht indes reifte der Gedanke an einen Wechsel erst, als die ersten Angebote eintrudelten. Er brauche nach neun Jahren in Langnau eine Luftveränderung, sagt der Center. «Weil ich das Gefühl ­habe, dass ich noch mehr aus mir herausholen kann.» Er hätte auch zum SCB gehen können, doch schlug er die Offerte des Liga­krösus aus. Albrecht spricht von einem Bauchentscheid; wobei die Aussicht, in Zug mehr Eiszeit zu erhalten, ebenso eine wichtige Rolle spielte.

Zryd und Albrecht verbindet einiges. Sie sind 23-jährig, spielen seit den Elite-Junioren zusammen, studieren an der gleichen Fernuniversität Wirtschaftswissenschaften. «Schon nur wegen des Lernens sind wir regelmässig in Kontakt, haben uns also auch abseits des Eis­hockeys etwas zu erzählen», sagt Albrecht lächelnd. Was zur Frage führt, ob sie in Zug zusammen wohnen werden. Das Dementi kommt sofort, Zryd zieht mit ­seiner Freundin in die Zentralschweiz.

Die Stagnation

Die Karriere von Miro Zryd war schon vorüber, ehe sie richtig begonnen hatte. Nach seiner Zeit im Nachwuchs zog er mangels Angeboten zurück nach Adelboden, wollte ein Studium beginnen. Dann aber bot ihm der neue Tigers-Sportchef Jörg Reber an, mit dem damaligen NLB-Team die Saisonvorbereitung zu bestreiten. Zryd nutzte die Chance.

Albrecht wechselte mit 14 Jahren von Visp ins Emmental, weil er hier bessere Möglichkeiten sah, sich weiterzuentwickeln. Auch er nutzte die Chance. Beide Spieler bezeichnen Langnau als Glücksfall, weil sie in der NLB viel Spielpraxis sammeln konnten und auch nach der Promotion 2015 regelmässig zum Einsatz ­kamen. Er habe hier gelernt, was es brauche, um ein Profi zu sein, sagt Zryd. «Bei einem Club wie Langnau geht es nur mit harter Arbeit. Diese Einstellung können wir sicher mitnehmen.»

Es liegt jedoch nicht falsch, ­­­wer behauptet, Albrecht und Zryd hätten in den letzten Monaten stagniert. Ersterer ist in der ­Offensive nicht mehr so wirkungsvoll, auch weil er unter Heinz Ehlers vorab in der vierten Linie eingesetzt wird. «Ich bin nicht extrem happy, wie es mir ­zuletzt lief», hält er fest. «Vielleicht will man es besonders gut machen, um sich im Guten zu verabschieden. Und das kann manchmal nach hinten rausgehen.» Derweil erwähnt Zryd die fehlende Konstanz. Der technisch versierte Verteidiger kann glänzen, doch unterlaufen ihm immer wieder grobe Fehler. «Ich zähle mich noch nicht zu einem Topspieler, versuche das aber zu werden», sagt Zryd. «Und da ist die Konstanz ein wichtiger Faktor.»

Heute bietet sich den beiden in ihrem zweitletzten Heimspiel im Tigers-Dress die Gelegenheit, ­zumindest ein bisschen zu feiern. Mit einem Sieg in der regulären Spielzeit gegen Ambri-Piotta stünde der Ligaerhalt bereits fest. Beat Feuz wird gewiss die Daumen drücken.

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