Angebot abgelehnt

20 Stunden nach dem Sieg gegen Leader Bern bereiten die Langnauer auch dem Tabellenzweiten ZSC Lions grosse Schwierigkeiten. Sie liegen bis zur 49. Minute in Führung, verlieren aber 1:2.

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Im Hallenstadion wird die Werbetrommel gerührt. Art on Ice steht Anfang Februar auf dem Programm, der Vorverkauf für die Eislaufgala hat längst begonnen. Mit Kunst auf glatter Unterlage hatte das Kräftemessen zwischen den ZSC Lions und den SCL Tigers in der Zürcher Arena indes wenig gemein.

Der eine oder andere Akteur des Heimteams mag mit dem Etikett des Puckkünstlers versehen sein, die Zürcher Darbietung allerdings war an Fantasielosigkeit lange kaum zu überbieten. Die Langnauer ihrerseits waren gar nicht erst mit dem Ziel angereist, für Spektakel zu sorgen. «Chräble, bisse, chlemme» – in etwa so hätte man das Tigers-Motto zusammenfassen können.

Kurz: Die Tigers wehrten sich leidenschaftlich und mit gehöriger Kampfkraft. Aber sie liessen eine grosse Chance aus, beim Tabellenzweiten für eine Überraschung zu sorgen. Als enorm bitter stufte Roland Gerber die 1:2-Niederlage ein. «Wenn dir der Gegner quasi Punkte anbietet, ist es nicht sonderlich klug, das Angebot abzulehnen», resümierte der Stürmer.

Déjà-vu der unliebsamen Art

Nun, viel fehlte nicht, und für die Tigers wäre das erste Wochen­ende im Jahr 2017 perfekt ver­laufen. Nach dem starken Auftritt beim samstäglichen 4:1-Erfolg gegen Leader Bern lagen sie auch beim ersten SCB-Verfolger lange in Führung. Bis zur 49. Minute und dem Ausgleich Christian Martis hatten die ZSC Lions zwar sechzig Schüsse abgeben, die meisten Pucks allerdings waren am Tor vorbeigeflogen.

Das 2:1 durch Fabrice Herzog fiel erst 144 Sekunden vor Schluss, zum dritten Mal in dieser Saison kassierte Langnau gegen die Lions den Siegtreffer nach der 58. Mi­nute. Coach Heinz Ehlers sprach von einer weitgehend zufriedenstellenden Leistung. «Wir waren ziemlich gut organisiert. Aber ­Zürich hat verdient gewonnen.»

Natürlich lag der Däne richtig, zumal die Hausherren mit zwei Lattenschüssen Pech bekundet hatten. Allerdings tat sich der klare Favorit, welcher es sich leisten konnte, Luca Cunti zu schonen, mit den äusserst aufsässigen Emmentalern schwer. Nach 40 Minuten waren von den Heimfans Pfiffe zu vernehmen.

«In der Schlussphase hat in er eigenen Zone die Konsequenz gefehlt», bemängelte Ehlers. So hätte beispielsweise Eero Elo vor dem 1:1 die Scheibe problemlos aus dem Drittel spedieren können, wählte aber die komplizierte Variante und stand somit am Ursprung der Wende.

Geringe Abstände

86 Tore haben die SCL Tigers bis anhin erzielt, was in der NLA-Qualifikation Tiefstwert bedeutet. In Zürich kreierten die Gäste wenig Chancen, bei der Handvoll guter Möglichkeiten handelte es sich jedoch um Hochkaräter.

Nils Berger scheiterte in der 38. Mi­nute frei stehend vor Goalie Ni­klas Schlegel, im Schlussabschnitt mangelte es je zweimal Alexei Dostoinov und Elo an Kaltblütigkeit. Den einzigen Treffer buchte Debütant Maxime Macenauer – der kanadische Zuzug reüssierte bereits nach 5 Minuten in Überzahl.

Heinz Ehlers hielt fest, dass seine Equipe zuletzt oft im Schlussdrittel abgebaut habe. Weshalb sich die Frage aufdrängt, ob der Kräfteverschleiss im Langnauer Spiel zu hoch ist. «Schwierig zu beurteilen», meinte der Coach, auf die in der Regel grössere indivi­duelle Klasse der Konkurrenz hinweisend. «Vielleicht verbraucht der Gegner schlicht und einfach weniger Kraft.»

Trotz nur drei Siegen aus den letzten zehn Spielen dürfte den Dänen zuversichtlich stimmen, dass die Emmentaler kaum einmal chancenlos blieben. «Wir sind ein mühsamer Gegner, das höre ich oft von gegnerischen Spielern», sagte Roland Gerber. Für Spannung ist jedenfalls gesorgt: Langnau liegt lediglich vier Punkte hinter Rang 8, aber auch bloss deren drei vor Schlusslicht Gottéron.

Noch stehen dreizehn Qualifikationsrunden aus; die Tigers werden noch dreimal gegen Kloten spielen, sich zweimal mit Gottéron messen und Ende Monat Ambri-Piotta empfangen. Und bereits morgen gastiert die Ehlers-Equipe beim Tabellenneunten Servette.

«Wir brauchen nicht um den heissen Brei herumzu­reden: Unser Ziel ist es, dass wir spätestens am 25. Februar im Teletext grün eingefärbt sind», meinte Gerber. Womit wir bei eingangs erwähnter Werbetrommel wären: Viele Plakate im Hallenstadion weisen auf den Act von 16. Januar hin – die Punkrockband Green Day.

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