Achtung, Turbulenzen – schnallen Sie sich an!

Der Final Lugano gegen die ZSC Lions verspricht nicht unbedingt das bessere Eishockey als die Bern-Serie, aber mehr Emotionen.

ZSC-Goalie Lukas Flüeler spricht über seinen Save – und eine spezielle Begegnung im Final. Video: Simon Graf und Fabian Sanginés.
Simon Graf@SimonGraf1

Luganos Motto fürs Playoff lautet: «HCL Airline – Allacciate le cinture.» Schnallen Sie sich an! Doch während ein Fluggast seine Destination (meist) schon vorher weiss, begann für die Luganesi mit dem Playoff eine Reise ins Ungewisse. Hätten die ZSC Lions ihr letztes Qualifikationsspiel gegen Biel gewonnen, sie wären auf Rang 5 gelandet und im Viertelfinal auf die Tessiner getroffen. Was damals angesichts von deren Verletzungen (Chiesa, Brunner, Bürgler) als kein so schlechter Gegner beurteilt worden wäre. Nun duellieren sich die Lieblingsrivalen im Final. Zum dritten Mal nach 2000 und 01.

Wer wie die ZSC Lions in Viertel- und Halbfinal den Zweiten 4:1 und den Ersten 4:2 besiegt hat, sollte im Final auch mit dem Vierten klarkommen. Doch der entscheidende Unterschied gegenüber den ersten beiden Serien ist: Es werden viel mehr Emotionen im Spiel sein. ­Zumal die Sehnsucht nach dem Titel am Monte Brè nach zwölf Jahren noch grösser sein dürfte als in Zürich. Die ZSC Lions müssen sich auf Turbulenzen einstellen, auf wie neben dem Eis.

Froh, wenn der Bus heil bleibt

Coach Hans Kossman glaubt, darauf ­vorbereitet zu sein. Schliesslich war er von Oktober 2015 bis Januar 2017 Ambri-Coach, erlebte in dieser Zeit acht Tessiner Derbys. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass noch mehr Emotionen im Spiel sein werden als bei ­Lugano gegen ­Ambri. Ich erlebte Genf gegen Fribourg, Bern gegen Langnau, Zürich gegen Kloten, aber das ist kein Vergleich zum Tessiner Derby. Da bist du schon froh, wenn du nach dem Spiel rausfahren kannst, ohne dass dein Bus beschädigt wird.»

Kossmann zweifelt keine Sekunde, dass Luganos Maxim Lapierre alles tun wird, um die Zuschauer anzustacheln. Dass die Bianconeri sein Team einschüchtern können, befürchtet er aber nicht. «Biel hatte nicht viele grosse, ­physische Stürmer, um dagegenzuhalten. Wir haben viele, die ihren Mann stehen können.»

Neben dem Eis ganz anders

Der imposanteste ZSC-Crack ist Verteidiger Kevin Klein. Er war in der Serie gegen Bern der Sheriff auf dem Eis – ­keiner wagte es, sich mit ihm anzulegen. Als er in Spiel 6 gesperrt fehlte, traten die Berner in der Offensivzone plötzlich mutiger auf. Es ist davon auszugehen, dass sich Klein und Lapierre heute zum Auftakt ein paarmal begegnen. Durch Geschwätz sei er nicht aus der Ruhe zu bringen, sagt der 33-Jährige. In der NHL habe er schon viele Konfrontationen mit Lapierre gehabt. «Ich rede nicht so viel wie er, aber ich mag den physischen ­Aspekt dieser Kämpfe.» Oft seien Spieler, die einen giftigen Stil pflegen, neben dem Eis ganz anders. «Schauen Sie sich Chris Baltisberger an. Er ist ein extrem netter Typ. Mögen ihn die anderen Teams? Nein, überhaupt nicht.»


Video: ZSC-Spieler über Lapierre

Vorfreude auf den Provokateur? Das sagen die Lions-Akteure. Video: Simon Graf


Klein spielt in diesem Playoff so gut, dass sich mancher wünschen würde, er verlängere seine Karriere. Ein kleines Türchen lässt er offen: «Der Entscheid, dass ich zurücktrete, ist gefällt. Aber man weiss nie. Ich gehe den Final jedenfalls mit der Einstellung an, dass es die letzte Serie meiner Eishockeykarriere ist. Und ich werde jeden Moment geniessen.» Was bei ihm nicht heisst, dass er entspannt auf dem Eis herumkurvt, sondern, dass er sich in jeden Zweikampf stürzt, als wäre es sein letzter.

Luganos gefährliches Powerplay

Entscheidend wird für die Zürcher sein, die emotionale Balance zu finden. ­Aggressiv zu sein, aber gleichzeitig cool zu bleiben. Denn das Lugano-Powerplay war im Playoff bisher exzellent – 14 Überzahltore haben die Tessiner schon ­erzielt, doppelt so viele wie die Lions. Kossman dürfte heute zugunsten der ­defensiven Stabilität Pelletier Shore ­vorziehen, für Genieblitze soll Pestoni als 13. Stürmer sorgen.

Im Januar sagte Kossmann: «Vielleicht schreiben wir ja noch eine schöne Geschichte.» Was ist es jetzt? Er schmunzelt. «Eine wunderschöne ­Geschichte. Aber die Reise ist noch nicht vorbei.»

Also: Schnallen Sie sich an!

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