«Wir gehen sehr gesund in die NLA»

Der Langnauer Verwaltungsratspräsident spricht im Interview über die neu entwickelte Siegermentalität der SCL Tigers, die Bedeutung des Aufstieges für die Region und billige Ausländer.

«Es geht auch um das Selbstwertgefühl, ‹mir sy wider öpper›», sagt Peter Jakob.

«Es geht auch um das Selbstwertgefühl, ‹mir sy wider öpper›», sagt Peter Jakob.

(Bild: Walter Pfäffli)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Wie viel haben Sie in der Aufstiegsnacht auf Freitag geschlafen?Peter Jakob: Wegen Terminen war ich heute bereits um 7 Uhr im Geschäft. Letzte Nacht (Anm. der Red.: Das Interview wurde am Freitag geführt) war ich um 0.30 Uhr zu Hause. Ich wusste, dass heute ein strenger Tag sein würde, deshalb wählte ich den vernünftigen Weg.

Vier Spiele haben dafür gereicht, Rapperswil-Jona in die NLB zu schicken. Sind Sie überrascht? Ja, das hätte ich nicht erwartet. Irgendwie hatten wir alle den Eindruck, dass Olten mehr entgegenhielt. Nach der 3:0-Führung in der Ligaqualifikation habe ich allerdings prognostiziert, dass wir wahrscheinlich nicht im vierten Spiel aufsteigen werden. Aber ich habe daran geglaubt, dass wir es schaffen.

Als die SCL Tigers vor zwei Jahren abgestiegen sind, haben Sie sich für die Rückkehr in die NLA einen Dreijahresplan gesetzt. Haben Sie damals wirklich daran geglaubt, bereits nach zwei Jahren zurückzukehren? Nein, das wäre vermessen gewesen. Direkt nach dem Abstieg hatten wir ja keine Mannschaft mehr, alle Verträge waren nichtig. Und in unserer Organisation war niemand mehr über die NLB informiert. Kurz gesagt: Wir kamen in eine Liga, die wir nicht kannten. Mehr, als ein Ziel zu formulieren und uns anzustrengen, konnten wir gar nicht tun.

Was war ausschlaggebend für den raschen Wiederaufstieg? Gegenüber der ersten NLB-Saison waren wir im abgelaufenen Winter viel stabiler, es gab nie eine Krise. Am Ende der Qualifikation hatten wir 23 Punkte Vorsprung auf das zweitplatzierte Martigny – die haben wir nicht gestohlen. Wir konnten problemlos mit vier Linien spielen, in den Playoffs hatten wir oft andere «Stars». Und am Ende hatten wir praktisch keine Probleme mit Verletzungen, das hat uns sicher sehr viel geholfen.

Hinzu kommt die Siegermentalität, ein grosses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten... ...als wir abstiegen, waren wir wirklich geknickt. Ähnlich ist es nun vielleicht bei den Lakers. Wir hingegen haben in der Ligaqualifikation trotz zweimaligem Ausgleich kurz vor Spielende immer reagieren können. Das zeigt, dass die Chemie im Team stimmt. Wir hatten nie Ärger – das war in anderen Jahren auch schon anders.

Also haben den SCL Tigers die zwei Jahre in der NLB gutgetan? Nehmen wir ein aktuelles Beispiel aus der Wirtschaft: Wenn ich mich bei Freunden umhöre oder schaue, was wir (Peter Jakob ist Inhaber der Drahtseilfirma Jakob AG in Trubschachen) seit der Aufhebung des Euromindestkurses verändert haben, sieht man, dass es manchmal einen Ruck von aussen braucht. Wahrscheinlich haben Sie damit recht, denn die SCL Tigers sind nun viel stabiler. Wir wollten früher immer Geld sparen, indem der Geschäftsführer im Nebenamt auch Sportchef war. Das war ein Fehler. Nun haben wir mit Jörg Reber in diesem Amt eine tolle Persönlichkeit, die überall akzeptiert wird und viel Erfahrung im Eishockey-Business hat.

Der Klub geniesst in der Region einen grossen Stellenwert. Welche Bedeutung hat der Aufstieg der SCL Tigers für das Emmental? Eine extrem hohe, gerade marketingtechnisch. Ausserhalb der Region, in den nationalen Medien, haben wir praktisch nicht mehr stattgefunden. Das Emmental und das Entlebuch haben sich durch das Eishockey nun zurückgemeldet.

Also erhält die Region durch die SCL Tigers wieder ein gewisses Gewicht? Es geht auch um das Selbstwertgefühl, «mir sy wider öpper». Hockey bewegt hier, ich bin fest überzeugt, dass unser Aufstieg Motivation in Firmen und Familien der Region bringt, weil sich mehrere Generationen mit dem Verein identifizieren.

Die SCL Tigers werden die Saison mit 500'000 Franken Gewinn abschliessen... ...es ist wahrscheinlich ein bisschen weniger. Aber natürlich wunderbar für uns, wir gehen sehr gesund in die NLA. Das Geld, das wir nun durch TV und Eintrittspreise zusätzlich erhalten werden, können wir vollumfänglich in die erste Mannschaft investieren.

Was bedeutet das? Wir wissen, dass unsere Sponsoren und Fans erwarten, dass wir eine attraktive Mannschaft stellen. Sind wir nur Kanonenfutter, schneiden wir uns ins eigene Bein. Wir müssen irgendwie mithalten können, sonst sind wir nicht mehr attraktiv.

Aber offenbar wollen Sie für Ausländer nicht mehr so viel Geld ausgeben, weshalb? Ich werde mich – wie seit drei Jahren – weiterhin dafür einsetzen, dass wir mit ganz wenigen Ausnahmen in Langnau keine Ausländer mehr wollen, die schon in der Schweiz gespielt haben. Wir können diese schlichtweg nicht finanzieren. In den letzten Jahren in der NLA haben uns die vier Ausländer ein Drittel der Lohnsumme gekostet, aber generell waren wir mit zwei von ihnen nicht zufrieden. Wenn man in einer Firma mit 50 Prozent des teuren Bereichs nicht zufrieden ist, muss man allerdings etwas verändern. Deshalb ist für mich Chris DiDomenico ein gutes Beispiel.

Weil Sie ihn als No-Name aus der italienischen Liga geholt haben? Er hatte keinen Namen, aber bei uns hat er eingeschlagen. Ich stelle mir vor, dass es in Nordamerika so viele Spieler gibt, die in die NHL wollen, es aber nicht schaffen. Man könnte diese mit den Vorzügen der Schweiz nach Langnau locken, ihnen einen Einjahresvertrag offerieren. Schlägt ein solcher Spieler ein, kann man ihn an einen grösseren Klub weitergeben. Kommt es nicht gut raus, haben wir wenigstens nicht mehrere hunderttausend Franken verloren.

Diese Idee klingt interessant, aber es ist ein gewaltiges Risiko. Natürlich.

Ab nächster Saison werden die SCL Tigers wieder mehr Spiele verlieren als gewinnen. Ist das Klubumfeld nach zwei erfolgreichen Jahren auf dieses Szenario vorbereitet? Ich glaube, dass wir heute unsere Klientel gut einschätzen können. Als wir abgestiegen sind, wussten wir nicht, wie Sponsoren und Fans reagieren würden. Aber beide blieben uns treu. Wichtig ist, dass wir ehrlich und transparent sind. Ich habe diversen Leuten in diesen Tagen gesagt, dass wieder andere Zeiten auf uns zukommen werden.

Welche Rolle spielt eigentlich Bengt-Ake Gustafsson in Ihren Überlegungen? Wir haben vor einigen Monaten gesagt, dass wir erst nach der Saison Gespräche führen, und diese stehen bald an.

Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Gustafssons Zeit im Emmental abgelaufen ist. Wir wissen nicht, was er will, deshalb werden wir nun bald zusammensitzen. Aber er ist ein Kandidat.

Berner Zeitung

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