Vertauschte Rollen

Das Derby ist auch der NLB-Spitzenkampf: Heute Samstag(17.30 Uhr) duellieren sich Leader Langenthal und die SCL Tigers (2.) in der Schoren-Halle. Bei den Oberaargauern steht der Langnauer Olivier Horak an der Bande.

Wo alles begann: Gregor (links) und Olivier Horak erlernten das Eishockey-ABC in Langnau. Heute trifft Olivier Horak mit Leader Langenthal auf seinen Juniorenverein.

Wo alles begann: Gregor (links) und Olivier Horak erlernten das Eishockey-ABC in Langnau. Heute trifft Olivier Horak mit Leader Langenthal auf seinen Juniorenverein. Bild: Marcel Bieri

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Michael Horak ist eine Langnauer Torhüterlegende, während 15 Saisons war er im Emmental engagiert, gewann 1976 den Meistertitel. Gregor Horak absolvierte zwischen 1981 und 1997 für den SC Langnau 339 Partien, schoss 165 Tore und war der erste Schweizer Profi im Traditionsverein. Olivier Horak war Goalie bei Langnaus Elitejunioren, spielte aber selten und wurde als 16-Jähriger mir nichts dir nichts zum Verteidiger umfunktioniert. Er kam zu ein paar NLA-Einsätzen für Olten, doch bald einmal wurde klar, dass es ihm anders als dem Vater und Bruder nicht zur ruhmreichen Karriere reichen wird.

Ironie des Schicksals: Viele Jahre später sind Michael und Gregor Horak in der Schweizer Eishockeyszene keine Faktoren mehr, Olivier hingegen ist gefragter denn je. Seit dieser Saison wirkt er als Coach des SC Langenthal, der NLB-Leader empfängt heute (17.30 Uhr) die punktgleichen SCL Tigers. Der 48-Jährige hatte gewiss nicht damit gerechnet, nach fast halbem Qualifikationspensum die Tabelle anzuführen. «Die Leistungen basieren aber nicht auf Zufall; wir arbeiten seriös, jeder geht für jeden.»

Als Verräter beschimpft

Die Horak-Brüder sitzen im Bistro in der Ilfishalle, schwelgen in Erinnerungen an die Jugendzeit im Emmental. Die Horaks wuchsen in Langnau auf, gingen im Dorf zur Schule. Oft warf der Vater – er nahm noch als 50-Jähriger an einer Rollhockey-WM teil – an Sonntagen mit Tennisbällen Richtung Olivier, der vor dem Garagentor stand und Goaliereflexe üben konnte. Gregor Horak hingegen erzählt von seinen Anfängen beim SCL, davon, neben Spielern wie Michael Horisberger in der Garderobe gesessen zu haben. Als er 1990 zum SCB wechselte, wurde er als Verräter bezeichnet, übel beschimpft und verhöhnt. «Ein Transfer zu Bern wurde damals nicht akzeptiert, da war viel Missgunst im Spiel.» Mit den Bernern feierte er zwei Meistertitel, verkrachte sich danach aber mit den Klubverantwortlichen und kehrte nach Langnau zurück. Oft wurde er als Rebell bezeichnet, der dem Trainer die Meinung direkt ins Gesicht sagte.

Gregor Horak hegte nie die Absicht, ins Trainermetier einzusteigen. Nach seinem Rücktritt spielte er in der 1. und 2.Liga, zog erst 2011 den Schlussstrich. Der mittlerweile 49-Jährige spricht im Zusammenhang mit seiner Zeit im regionalen Eishockey von einer Lebensschule. «Ich bin ruhiger geworden, habe gelernt, Fehler zu akzeptieren.»

Mit dem Virus infiziert

Auch Olivier Horak hatte zunächst keine Coaching-Laufbahn geplant. Er liess sich zum Maschinentechniker und Verkaufsleiter ausbilden, übernahm die 3.Ligaequipe des EHC Napf nur wegen Personalmangel. Horak führte die Equipe bis in die 1.Liga, erwarb sämtliche Diplome, «und ich begann mich mit dem Virus, Trainer zu sein, zu infizieren». Mit Unterseen feierte er den nationalen Amateurtitel, assistierte in Basel Kent Ruhnke. Schritt für Schritt ging es aufwärts; Horak musste sich vieles erkämpfen, eine Lobby hatte er nicht. Dass er sich als Spieler keine Meriten verdient habe, könne sich auf Profistufe als Nachteil erweisen. «Ein Trainer mit kanadischem oder schwedischem Namen erhält in der Schweiz mehr Kredit als ein Herr Meier oder Herr Huber.»

In Langenthal wird der Emmentaler indes geschätzt, «hier wissen die Leute, was ich kann». Horak kann sich vorstellen, dereinst eine NLA-Equipe zu coachen. Dies dürfte im Oberaargau nicht zuletzt aus infrastrukturellen Gründen ein schwieriges Unterfangen werden. Sein Bruder jedenfalls traut ihm einiges zu. «Olivier ist sehr ehrgeizig. Er ist detailbesessen, überlässt nichts dem Zufall.» In der mit 4500 Zuschauern ausverkauften Schorenhalle wollen die Langenthaler heute gegen den formstarken Absteiger die Leaderposition verteidigen. Gregor Horak wird sich die Partie nicht anschauen. Die Frau und die beiden Kinder des Langenthaler Trainers jedoch dürften vor Ort sein; wem sie die Daumen drücken werden, ist jedoch ungewiss. Bevor Olivier Horak beim «kleinen SCL» anheuerte, waren seine Liebsten nämlich Tigers-Fans... (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.11.2013, 10:06 Uhr

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