Sykora will in Bern Spass und Erfolg haben

Petr Sykora, der erfolgreichste Spieler, den der SC Bern jemals verpflichtet hat, macht im ersten Training einen vifen Eindruck. Der Tscheche verrät, dass er seine Karriere mit dem Gastspiel wohl beenden wird.

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Der Mann ist 36-jährig und Familienvater; er hat als Eishockeyprofi in seiner Heimat Tschechien, in Russland, Weissrussland, Kanada sowie den USA gespielt und gegen 1500 Partien bestritten; er hat sich mehrmals verletzt, viele grosse Erfolge gefeiert, aber auch bittere Niederlagen erlebt. Und doch legt Petr Sykora eine fast kindliche Spielfreude an den Tag, als er das erste Training mit dem SCB absolviert. Es ist eine kurze Einheit, an der nur ein Teil der Mannschaft teilnimmt.

Als der neue SCB-Ausländer, dessen Frau mit dem knapp sechsjährigen Sohn in Brünn geblieben ist, den Helm abnimmt, kommt ein Gesicht zum Vorschein, dem die vielen «Schlachten» auf dem Eis nicht anzusehen sind. Als er vom Reporter der klubeigenen Internetseite nach seiner Motivation gefragt wird, lautet das erste Wort seiner Ausführungen «gewinnen». Er weiss, dass dem SCB der Meistertitel quasi in letzter Sekunde entglitten ist, und erwartet deshalb erfolgshungrige Mitspieler. Im Gespräch erweist sich der Tscheche als Profi mit Schalk. Er äussert sich zu jedem Thema, aber ohne sich aufs Glatteis zu wagen – und streut ab und zu eine amüsante Antwort ein.

Warum haben Sie sich für den SC Bern entschieden?
Es war eine sinnvolle Lösung, weil die NHL-Saison nur kurz ist und ich meiner Familie keinen weiteren Umzug zumuten wollte. Das Angebot kam zum richtigen Zeitpunkt; weil ich vom SCB nur Gutes gehört hatte, unterschrieb ich den Vertrag.

Haben Sie Ihren Landsmann Jaroslav Bednar zuvor kontaktiert?
Ich rief ihn erst nach meiner Zusage zweimal an, um mich zu informieren. Ich kenne ihn zwar, aber nicht allzu gut; wir hatten nie im selben Team gespielt.

Weshalb spielten Sie während des Lockouts nicht?
Weil ich das Risiko, mich zu verletzen, nicht eingehen wollte, denn ich hatte keinen Vertrag. Ich hoffte, die NHL-Saison würde früher beginnen.

Wie haben Sie sich fit gehalten?
Ich stand in den letzten drei, vier Monaten täglich auf dem Eis. Doch wenn du keine Matchs bestreitest, spielt es keine Rolle, wie viel du trainierst. Wettkampfpraxis lässt sich durch nichts ersetzen. Daher wird es sicher zwei, drei Spiele dauern, bis ich meine Form gefunden habe. Ich werde alles daransetzen, rasch in Fahrt zu kommen, denn vor den Playoffs stehen nur noch sieben Partien auf dem Programm.

Der SCB hat fünf starke Ausländer im Kader; einer wird jeweils überzählig sein. Empfinden Sie den internen Konkurrenzkampf als Herausforderung?
Ich bin hierher gekommen, um das Eishockey zu geniessen, Spass und Erfolg zu haben. Das Wichtigste ist, dass das Team gewinnt. Und auch wenn es das ohne mich tut, werde ich glücklich sein. Ich werde die Entscheidung der Coachs respektieren und jeden Morgen mit einem Lächeln im Gesicht in die Halle kommen.

Was wissen Sie über die NLA?
Ich habe viele gute Dinge gehört. Ich weiss, dass in der Schweiz viele Kanadier engagiert sind, dass schneller und weniger quer gespielt wird als in den anderen europäischen Ligen. Ich mag gradliniges Eishockey.

Das Palmarès von Petr Sykora ist beeindruckend: Er holte in der NHL 2000 sowie 2009 den Titel und bestritt in vier weiteren Saisons den Playoff-Final. Er wurde mit Tschechien dreimal Weltmeister und gewann dazu noch eine Bronzemedaille. Auch individuell wusste er zu glänzen. Für das U-20-Nationalteam buchte er in 30 Partien 100 Skorerpunkte, und in der NHL schoss er 357 Tore und gab 438 Assists.

Welchen Erfolg stufen Sie am höchsten ein?
Der grösste Erfolg war, dass es eigentlich in jeder Saison um etwas ging. Ich wurde dreimal Weltmeister, stand sechsmal im Playoff-Final – es war immer interessant. Ich habe viele Kollegen, die 16, 17 Jahre in der NHL spielten und nie um dem Stanley-Cup kämpfen konnten. Ich schätze mich glücklich, fast immer Teil erfolgreicher Mannschaften gewesen zu sein. Hoffentlich ist das auch in dieser Saison der Fall.

Was zeichnete diese Teams aus?
Entscheidend ist der Geist in der Garderobe, die Einstellung jedes Einzelnen. Wenn nur zwei, drei Spieler nicht voll mitziehen, kann eine Mannschaft nicht erfolgreich sein. Die Basis einer erfolgreichen Mannschaft ist stets ein guter Goalie, und ich habe gehört, der SCB habe einen grossartigen Goalie.

Welches war der emotionalste Moment, den Sie im Eishockey bisher erlebt haben?
Das war vor zwei Wochen, als mein Sohn seinen ersten Hattrick erzielte.

Nicht als Sie in der fünften Verlängerung der Playoff-Partie zwischen Anaheim und Dallas den Siegtreffer erzielten?
Damals war ich so unglaublich müde, dass ich erst am späten Morgen nach dem Aufwachen realisierte, was passiert war.

Als Sie mit New Jersey den Stanley-Cup gewannen, verletzten Sie sich in der letzten Partie. Trainer Larry Robinson und Mitspieler Patrik Elias trugen damals bei der Pokalübergabe Ihre Dresse.
Auch das war ein sehr spezieller Moment. Ich sah mir den Rest des Matchs im Spital an. Ich lag zwar im Bett, war aber genauso glücklich, wie ich es auf dem Eis gewesen wäre.

Jeder NHL-Champion hat das Recht, den riesigen Pokal dorthin mitzunehmen, wo er will. Was stellten Sie mit ihm an?
Ich durfte ihn zweimal für 48 Stunden mit nach Tschechien nehmen. Ich ermöglichte es vielen Leuten, den Pokal zu berühren oder sich mit ihm fotografieren zu lassen. Ich besuchte mit ihm auch diverse Juniorenteams. Wenn man den Stanley-Cup hat, geht es doch darum, damit möglichst viele Menschen glücklich zu machen.

Welches war der schlimmste Moment in Ihrer Karriere?
Ich erlebte viele Hochs, aber auch etliche Tiefschläge. Doch das Schlimmste für einen Eishockeyprofi ist, wenn er sich schwer verletzt und nicht spielen kann.

Wer war der Beste, mit dem Sie gespielt haben?
Ich habe schon mit vielen grossartigen Eishockeyanern gespielt. Sie wissen sicher, dass ich in Pittsburgh zum Team mit Sidney Crosby und Jewgeni Malkin gehörte und in New Jersey mit Patrik Elias und Jason Arnott Jahre lang eine starke Linie bildete. Ich möchte allen Respekt zollen und daher keinen herausheben. Doch etwas kann ich noch sagen: Ich hatte das Glück, eine Saison lang mit Adam Oates zu spielen – und ich habe keinen gesehen, der bessere Pässe schlug als er.

Und gegen welchen Goalie war es am schwierigsten, ein Tor zu erzielen?
(denkt kurz nach) Das war der Junior heute Morgen im Training; ich schaffte es einfach nicht, ihn zu bezwingen (lacht).

Nach der Saison wollen Sie nach Florida ziehen. Sie bleiben also definitiv nicht länger beim SCB?
Sehen wir mal, wie ich spiele. Wenn es wirklich gut läuft, überlege ich mir vielleicht weiterzumachen. Höchstwahrscheinlich verbringe ich aber die letzten drei Monate meiner Karriere in Bern.

Wirklich?
Es ist schwierig, darüber zu reden. Ich denke jeden Abend darüber nach, ob ich zurücktreten soll. Fragen Sie mich nach dem letzten Match wieder. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.01.2013, 07:42 Uhr

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