Scott Beattie: «Nun beginnt der Krieg»

Vor der am Samstag (19.45 Uhr, Tissot-Arena) beginnenden Playout-Serie zwischen den SCL Tigers und Biel sagt Langnaus neuer Coach Scott Beattie: «Meine Spieler werden um ihr Leben kämpfen.»

Scott Beattie ist zuversichtlich, dass die SCL Tigers in der Playout-Serie gegen den EHC Biel bestehen können.

Scott Beattie ist zuversichtlich, dass die SCL Tigers in der Playout-Serie gegen den EHC Biel bestehen können.

(Bild: Andreas Blatter)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Sie waren nicht erste Wahl in Langnau . . .Scott Beattie: . . .wahrscheinlich nicht.

Wie fühlt sich das an? Das ist doch kein Problem.

Offenbar war die Auswahl an ­fähigen Trainern, die keinen längerfristigen Vertrag als Bedingung für ein Engagement stellten, klein. Weshalb sagten Sie vorbehaltlos zu? Mein Antrieb ist es, auf bestmöglichem Niveau zu arbeiten. Dafür kämpfe ich seit Jahren, dafür studiere ich dieses Spiel so intensiv. Es war eine der einfachsten Entscheidungen in meinem Leben.

Ihr Vertrag in Langnau läuft bis Ende Saison, vor kurzem schlugen Sie eine Offerte vom NLB-Klub Visp aus – fürchten Sie nicht, im Sommer arbeitslos zu sein? (überlegt) Ich ging Risiken ein. Das Angebot von Visp war nicht gut genug – nicht gut genug für meine Familie. Deshalb liess ich die Deadline verstreichen.

Des Geldes wegen? (lacht)

Sie starten mit vergleichsweise wenig Kredit, viele bezeichnen Sie bloss als Nothelfer. Sind Sie frustriert? Ich denke nur an heute. Fertig.

Dass SCB-Coach Lars Leuenberger als Kandidat für die nächste Saison gehandelt wird, interessiert Sie demnach nicht. Was soll mich das kümmern? Jetzt ist Scott Beattie Coach der SCL Tigers.

Sie erhalten eine grosse Chance. Es ist eine riesige Chance und eine riesige Herausforderung. Die Spieler hören nun eine neue Stimme, doch innert so kurzer Zeit kann man nicht alles ver­ändern. Angesprochen habe ich Dinge wie das Verhalten in der neutralen Zone, die defensive Arbeit, natürlich die Einstellung.

Weshalb sind Sie der geeignete Trainer für diese Aufgabe? In der jetzigen Phase ist die Kommunikation entscheidend. Diese ist meine Stärke, ich studierte an der Universität Kommunikation. Ich sammelte Erfahrungen mit ganz jungen, auch mit sehr erfahrenen Profis, das hilft mir viel. Ich bin ehrlich, manchmal wohl sogar zu ehrlich.

Inwiefern? Mit brutaler Ehrlichkeit kann man Leute verletzen. Aber die Spieler schätzen es doch, wenn sie wissen, woran sie sind. Hintenrum­gequatsche ist keine Lösung.

Was für ein Typ Coach sind Sie? Sicher keiner, der dauernd schreit. Es bringt nichts, ein ums andere Mal «tamminomal» zu brüllen. Probleme spreche ich vorwiegend im persönlichen Gespräch an. Sowieso halte ich nichts von extremen Hierarchien. Als Coach stehe ich nicht fünf Stufen über dem Spieler. Aber ich erwarte, dass sich jeder bedingungslos für mich einsetzt.

Als klein gewachsener Spieler hatten Sie mit Vorurteilen zu kämpfen. Prägte Sie dies? Zu meiner Zeit hatte es in Kanada an und für sich keinen Platz für kleine Spieler. Ich bin 170 Zentimeter gross, wurde nie gedraftet – ich musste viel härter kämpfen als andere. Dennoch machte ich eine gute Karriere. Ich erhielt gar ein Angebot der Detroit Red Wings, lehnte aber ab. Für mich wäre sowieso nur ein Platz im AHL-Team übrig geblieben.

Am Montag leiteten Sie erstmals das Tigers-Training. Fanden Sie ein demoralisiertes Team vor? Das würde ich nicht sagen. Aber die Spieler haben realisiert, dass sie sich in einer schwierigen Si­tuation befinden. Nun muss ich Überzeugung und Freude vermitteln. Vor der Playout-Serie gegen Biel ist jedem klar: Nun beginnt der Krieg.

Ist es ein Vorteil für Biel, verfügt Trainer Kevin Schläpfer im Abstiegskampf über viel Routine? Wir starten sicher alle bei null. Ich kenne Kevin, aber nicht allzu gut. Er war erfolgreich in den Playouts, ja, aber für mich sind Playout-Siege keine Erfolge. Beachtlich wäre es, ein Team wie Biel vom zehnten auf den fünften Platz zu bringen.

Warum wird Langnau gewinnen? Warum oder wie? (lacht)

Erklären Sie beides. Warum: Weil wir mehr wollen. Wie: Meine Spieler werden um ihr Leben kämpfen.

Hatten Sie viele Informationen eingeholt, bevor Sie bei den SCL Tigers unterschrieben? Ich sprach mit niemandem. Eine Minute brauchte ich, dann sagte ich zu.

Ohne gründlich zu überlegen? Es gab nichts zu überlegen. ­Langnau ist eine hervorragende Adresse, hier wird Eishockey ­gelebt. Die leidenschaftlichen Fans, das Stadion mit dem vielen Holz – viel romantischer geht es nicht.

Während zweieinhalb Jahren betreuten Sie den NLB-Klub Olten, hatten zunächst Erfolg und erhielten einen Fünfjahresvertrag. Doch dann kam es zur Trennung mit Nebengeräuschen, zu hören war von einem Stadionverbot. Was falsch ist.

Aber was geschah? Wie soll ich das sagen . . . Ein Stadionverbot war es nicht. Es gab ­einige Leute, die nicht wollten, dass ich in der Halle auftauche.

Enttäuschte Sie das? Ich war enttäuscht, als ich in Olten den Job verlor. Aber das gehört zum Business. Am Montag bist du der König, am Dienstag der Trottel. Bis zur ersten Ent­lassung bist du kein guter Coach. Und in Olten konnten wir uns zum Schluss einigen.

Aber als Visp-Trainer gastierten Sie Mitte Januar in Olten, drehten vor dem Stadion um und übergaben das Zepter Ihrem Assistenten. Weshalb denn? Danach wurde wild spekuliert. Fakt ist: An diesem Abend ging es um eine persönliche Angelegenheit, darum weilte ich bei meiner Familie in Egerkingen und nicht im Stadion. Das war schon ein ­halbes Jahr im Voraus so geplant gewesen. Dass es sich beim ­Gegner um Olten handelte, war Zufall.

Was ehrlich gesagt schwierig zu glauben ist. Das ist mir bewusst. Und ich weiss, jeder will eine krasse Story hören. Fakt aber ist, dass ich ein gutes Verhältnis mit den wichtigen Leuten in Olten habe.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt