Schmutz – und ein dreckiger Sieg

Eishockey

Die SCL Tigers ziehen gegen Rapperswil den Kopf aus der Schlinge und tätigen einen Transfer.

Samuel Erni und Pascal Berger bejubeln den Siegtreffer.

Samuel Erni und Pascal Berger bejubeln den Siegtreffer.

(Bild: Keystone)

Philipp Rindlisbacher

War es ein Testspiel? Wären nicht derart viele Leute in der Ilfishalle gewesen, die Frage hätte mit Ja beantwortet werden müssen. Zwei Teams hatten ihre Kreise gedreht, ohne sich in die Quere zu kommen. Körperkontakt gab es, wenn er sich nicht vermeiden liess. Emotionen blieben Mangelware. Dass es sich bei der ersten Strafe der Partie im Schlussdrittel um einen Fehlentscheid handelte, passte zum Gebotenen. Kurz: Was Langnauer und Rapperswiler boten, war ziemlich dürftig.

Zumindest 58 Minuten lang.

Weil die Lakers eben die Lakers sind und sich gerne selbst ein Bein stellen, fällt die Schelte für die Tigers an dieser Stelle weniger heftig aus. Drei ihrer vier kleinen Strafen kassierten die St. Galler in den letzten dreieinhalb Minuten, was es dem Heimteam ermöglichte, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Eero Elo, der lange mit seiner Unsichtbarkeit aufgefallen war, traf in doppelter Überzahl zum 1:1. Und in der Verlängerung liessen die Gäste Samuel Erni gewähren, der den Emmentalern nach schönem Solo den Zusatzpunkt sicherte.

DiDomenicos Chancen

Und so sprach Tigers-Stürmer Roland Gerber vom Charakter, den das Team gezeigt habe, weil es bis zum Schluss alles versucht hatte. Captain Pascal Berger lobte das permanente Anrennen, welches letztlich zum Erfolg führte. Und Trainer Heinz Ehlers erwähnte die Wichtigkeit der zwei Zähler, dank welchen Langnau auch nach exakt zwei Fünfteln der Qualifikation auf Rang 5 liegt. In der Analyse blieb sich Ehlers treu: Er pflegt nach guten Leistungen den Mahnfinger zu heben, nach schwachen Darbietungen neigt er zur Schönfärberei. In sämtlichen Abschnitten sei sein Team besser gewesen, meinte der Däne. Gewiss hatte er Recht, gegen den abgeschlagenen Aufsteiger, für den die Playoffs bereits Ende November kein Thema mehr sein können, mochte dies allerdings nicht viel heissen.

Angefangen hatte alles ganz ordentlich. Das Heimteam war zumeist in Scheibenbesitz in den ersten sechs, sieben Minuten, an und für sich hätte Chris DiDomenico in dieser Phase drei Tore schiessen können. In der Folge gab es unter der Rubrik «vergebene Chancen» allerhand zu notieren; mal brach einem Langnauer in günstiger Position die Stockschaufel, mal stand der Pfosten im Weg, oft mangelte es an Entschlossenheit. So lagen die Gäste nach 58 Minuten noch immer 1:0 in Führung, weil Andri Spiller früh aus dem Nichts getroffen hatte (10.). Ein wenig glücklich sei die Wende letztlich gewesen, resümierte Erni, «es war ein erknorzter, dreckiger Sieg». Diverse Akteure betonten, dass es der Mannschaft schwer falle, das Spiel zu gestalten. Die Rapperswiler hatten sich primär in der eigenen Zone eingeigelt.

Erni bleibt ein Tiger

Wie 5436 Zuschauer sass SCB-Sportchef Alex Châtelain im Stadion. Sein Kommen hatte nichts mit der Vorbereitung aufs heutige Derby zu tun, vielmehr beobachtete er einige Spieler. Zumindest auf Tigers-Seite gibt es kaum etwas zu holen, die meisten Verträge laufen weiter. In Langnau bleiben wird Siegesschütze Erni, am Verteidiger hatte ein Ligakonkurrent Interesse bekundet. Das Seeland Richtung Emmental verlassen wird auf kommende Saison hin dem Vernehmen nach Julian Schmutz. Der 24-jährige Oberaargauer debütierte einst beim SCB in der NLA, seit 2016 stürmt er in Biel. Bestätigt wird der Transfer vorderhand nicht, Tigers-Sportchef Marco Bayer meinte lediglich, die Offerte sei platziert.

Berner Zeitung

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