Kevin Schläpfer hat vorerst ausgeträumt

Kevin Schläpfer wird – zumindest vorerst – nicht Nationaltrainer. Der EHC Biel pocht auf den Vertrag mit seinem Trainer und kritisiert den Verband für dessen Verhalten scharf.

Kevin Schläpfer während der Pressekonferenz am Donnerstagmittag in der Tissot Arena zur Ausstiegsklausel und der Herausforderung Nationalmannschaft. Video: Martin Bürki
Marco Oppliger@BernerZeitung

Und nun sollte er sich erklären. Also beginnt Kevin Schläpfer: «Ich bedanke mich bei der Nationalmannschaft, dass ich ein solches Angebot erhalten habe» Der Baselbieter beendet den Satz nicht, er bricht an der Medienkonferenz in der Bieler Tissot-Arena in Tränen aus und verlässt kurzzeitig das Rednerpodium.

Es sind aufwühlende Stunden, die hinter dem Trainer des EHC Biel liegen. Am Mittwochabend hatte der Bieler Verwaltungsrat in einer Sitzung einstimmig entschieden, Schläpfer definitiv nicht aus seinem bis 2018 laufenden Vertrag herauszulassen. Der Baselbieter war in den letzten Tagen als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Glen Hanlon als Nationaltrainer gehandelt worden.

Der Verband hatte Schläpfer kontaktiert, ohne den EHC Biel darüber in Kenntnis zu setzen. Konkret lagen Schläpfer drei Möglichkeiten vor: die Nationalmannschaft sofort zu übernehmen, sie im Doppelmandat mit Biel zu führen oder nach dieser Saison Nationaltrainer werden.

Lohnerhöhung für Schläpfer

Nach einigen Minuten hat sich Schläpfer gefasst, er setzt sich wieder an den Tisch, zwischen Biels Vizepräsidentin Stéphanie Mérillat und Manager Daniel Villard. «Das Angebot des Verbandes kam für mich unerwartet, es war unglaublich, eine grosse Ehre», hält er fest. Der 45-Jährige macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: «Ich hätte Biel nie und nimmer von einem Tag auf den anderen verlassen. Aber es wäre mein Traum gewesen, die Nationalmannschaft ab 2016 zu übernehmen.»

Diesen Traum hat ihm der Verwaltungsrat vorerst kaputt gemacht. Sandro Wyssbrod, Delegierter des Verwaltungsrates, sagt dazu: «Kevin Schläpfer ist nicht einfach nur ein Trainer, er ist ein Freund und ihm diese Laufbahn nicht zu ermöglichen, ist uns schwergefallen.» Martin Steinegger spricht derweil von einem Angebot, das zur Unzeit gekommen sei. Vieles wurde zuletzt auf Schläpfer zugeschnitten, etwa die Verlängerung mit den Assistenten Marco Streit und Thomas Zamboni. «Und für die Zukunftsplanung ist es wichtig, dass die Spieler wissen, wer nächste Saison Trainer ist», erklärt der Sportchef. Die Klubleitung honoriert Schläpfers Entgegenkommen immerhin mit einer Lohnerhöhung.

Seit 2007 ist Schläpfer für den EHC Biel tätig, zuerst als Sportchef und Novizentrainer, dann als Trainernotnagel und schliesslich seit 2010/2011 als Headcoach. Der Verein unterstützte Schläpfer nicht nur sportlich, sondern auch in persönlich schwierigen Zeiten. «Was der EHC Biel alles für mich getan hat, ist unglaublich. Deshalb ist für mich klar, dass ich weiterhin alles für Biel geben werde.»

Vorgehen besprechen

So sehr die Bieler Verantwortlichen gestern ihren Trainer rühmten, so wenig sparten sie mit Kritik am Vorgehen des Verbandes. «Wir haben von Anfang an mitgeteilt, dass wir Schläpfer nicht abgeben werden, aber der Verband hat keine Ruhe gegeben», sagt Villard. Dass sich Verbandspräsident Marc Furrer in diesen Tagen nicht einmal gemeldet habe, spreche für sich. Und VR-Präsident Andreas Blank meint: «Es wäre undenkbar, dass der Verband beispielsweise beim SCB oder beim HCD auf dieselbe Weise vorgehen würde.» Dies müsse nun besprochen werden.

Immerhin können sich die Bieler nun wieder auf die sportliche Situation konzentrieren – was auch nötig ist: Sechs der letzten sieben Spiele haben sie verloren. Darüber muss sich Kevin Schläpfer indes keine Sorgen machen. «Wir werden auch dann an ihm festhalten, wenn es sportlich weiterhin schlecht laufen sollte», betont Blank. «Es war selbst im Frühjahr 2014 nie ein Thema, ihn zu entlassen, obwohl wir in die Ligaqualifikation mussten.»

Für Schläpfer aber ist das Thema Nationalmannschaft nicht abgehakt. Seit er 17 Jahre alt ist, besucht er jede WM. «Ich hoffe, irgendwann einmal richtig dabei sein zu können.» Und eines hat er aus der ganzen Angelegenheit bereits gelernt: nie mehr einen Vertrag ohne Ausstiegsklausel zu unterzeichnen. Der Klub hatte ihm diese bei der Vertragsverlängerung im Mai geben wollen, doch Schläpfer verzichtete ausdrücklich darauf.

Berner Zeitung

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