Schläpfers Ära beim EHC Biel endet

Nach neun Niederlagen in den letzten zehn Spielen hat der EHC Biel Kevin Schläpfer entlassen. Damit endet eine langjährige Zusammenarbeit, die von vielen Höhen, zuletzt aber auch von einigen Tiefen geprägt war.

  • loading indicator
Marco Oppliger@BernerZeitung

Es war im Februar 2015, als Kevin Schläpfer eine bemerkenswerte Aussage machte. Eben hatte er den EHC Biel in die Playoffs geführt, zum dritten Mal innert vier Jahren. Der Trainer also stand auf dem bisherigen Höhepunkt seines Schaffens und wurde deshalb ins «Sportpanorama» ein­geladen. Schläpfer wirkte jovial wie immer, er brachte das Publikum mehrfach zum Lachen, und dann sprach er von seiner Vision: In fünf bis sechs Jahren wolle er mit dem EHCB Meister werden «und dann die Geschichte in Biel beenden».

Im Seeland herrschte eine Eishockeyeuphorie, der Klub stand kurz vor dem Einzug in die Tissot-Arena, Schläpfer schien der ideale Mann, um den Klub weiterzuentwickeln. Nun, eineinhalb Jahre später, muss der 46-Jährige gehen. Seine Vision hat sich nicht erfüllt, im Gegenteil: Der EHC Biel hat seither keinen Schritt vorwärts, aber mindestens einen rückwärts gemacht.

In der letzten Saison kam der Klub nach starkem Auftakt überhaupt nicht mehr auf Touren. Letztlich entgingen die Bieler der Ligaqualifikation nur, weil NLB-Meister Ajoie nicht auf­steigen wollte. In diesem Herbst nun präsentierte sich dasselbe Bild: Biel gewann sieben der ersten elf Partien, stellte die beste Offensive. Doch seit einem Monat wirkt die Mannschaft wie blockiert.

Neun der letzten zehn Partien hat sie verloren, am Samstag musste sie sich beim 1:5 gegen die ZSC Lions gar vorführen lassen. «Das Risiko, dass wir nochmals eine ähnliche Saison einziehen, war zu gross», sagt Verwaltungsratspräsident Andreas Blank.

«Ein Teil des EHC Biel»

Im Nachhinein betrachtet muss sich die Bieler Führungsriege in der aktuellen Misere selbst in die Pflicht nehmen. Zur Erinnerung: Im letzten Herbst hatte der Eishockeyverband um die Dienste Schläpfers gebuhlt, doch der Klub verweigerte ihm die Frei­gabe. Er beräumte aus diesem Grund extra eine Medienkonferenz ein, welche dann mit einem tränenreichen Auftritt des Coaches für Aufsehen sorgte.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seither zog der EHC Biel in 71 Partien 44-mal den Kürzeren. «Im Nachhinein kann man sich fragen, ob unser Entscheid richtig war, auch wenn wir damals davon überzeugt waren», hält Blank fest. Noch Anfang Saison habe er das Gefühl gehabt, «dass diese Geschichte überwunden ist».

Und dann verdeutlicht der VR-Präsident mit seiner Aussage, weshalb sich die Führungsriege so schwer damit tat, sich von Schläpfer zu trennen. «Er ist nicht irgendein Trainer, er ist ein Teil des EHC Biel geworden.»

Biel muss noch lange zahlen

Schläpfer hatte während vier Saisons für Biel in der NLB gespielt, später stellte er als Sportchef jene Equipe zusammen, die 2008 den Aufstieg realisierte. In der Folge rettete er die Bieler zweimal in der Ligaqualifikation als Nothelfer, machte sich dann 2010 zum Headcoach. «Wir haben so viel zusammen erlebt, für mich persönlich ist das ein trauriger Tag», sagt Manager Daniel Villard.

Schläpfer habe die Kündigung gefasst entgegengenommen, «und trotzdem waren bei ihm wie bei uns Emotionen im Spiel». Schläpfer selbst wollte sich am Montag nicht gross zum Abgang ­äussern. Gegenüber dem «Bieler Tagblatt» hielt er fest, dass er nun die «Zeche für die Geschichte mit der Nationalmannschaft zahle».

«Die Fussstapfen, die er hinterlässt, sind sehr gross», sagt Blank. Und nicht nur das: Schläpfer hat noch einen Vertrag bis 2018, er steht also weiterhin auf der Lohnliste, zumal es im Vertrag keine Klauseln gibt.

Leuenberger? Eher nicht

Vorerst wird der EHC Biel nun von Nachwuchs-Cheftrainer Mike NcNamara und dem bisherigen Assistenten Dino Stecher betreut. Blank beteuert, dass die Trainersuche bei null beginne, bisher mit keinen Kandidaten verhandelt wurde. Trotzdem dürfte Sportchef Martin Stein­egger bereits das eine oder andere Dossier erhalten haben. So war am Freitag während des Derbys gegen die SCL Tigers beispielsweise Serge Pelletier in der Tissot-Arena.

Und auch Lars Leuenberger ist am Trainerjob in Biel interessiert, zumal er in Moosseedorf wohnt, der Arbeitsweg kurz ist. Allerdings war der SCB-Meistercoach weder in Freiburg noch in Langnau infrage gekommen, als die beiden Teams vor einigen Wochen ihre Trainer wechselten. Und dem Vernehmen nach dürften seine Chancen auf ein En­gagement in Biel ebenfalls eher klein sein.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt