SCL Tigers: Wie flüssiger Beton

Bei der 3:6-Niederlage in Biel verdeutlicht sich: Die Langnauer präsentieren sich in der Offensive kreativer, in der eigenen Zone aber weitaus unsicherer als erwartet. «Wir stellten uns blöd an», sagt Coach Heinz Ehlers. «Das stört mich extrem.»

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Da war er wieder. Der mürrische, der angefressene, der kritische Heinz Ehlers. In den vergangenen Wochen hatte der Däne erstaunlich locker gewirkt, selbst nach der äusserst ärgerlichen Niederlage am Freitag einen weitgehend zufriedenen und wohlwollenden Eindruck hinterlassen. 24 Stunden nach der Auftaktpartie jedoch war Ehlers vor allem eines: wütend. 3:6 hatten die SCL Tigers in Biel verloren.

Das Langnauer Spiel liess sich mit einer Fahrt auf der Achterbahn vergleichen – passend dazu gab es mehr Tiefs als Hochs. Der Trainer meinte, er sei sehr enttäuscht ob des Gezeigten. Er sagte: «Wir sind ziemlich gut darin, einen Weg zu finden, der in die Niederlage führt.» Er kritisierte: «Wir spielten viel zu wenig diszipliniert.» Er hielt fest: «Wir machten ein paar unfassbar dumme Fehler.»

Problemzone verschiebt sich

Zunächst machte es den Anschein, als seien die Langnauer trauma­tisiert vom Duell mit den ZSC Lions, in welchem sie einen 3:0-Vorsprung preisgegeben hatten. 0:2 stand es in Biel nach fünf Minuten, innert weniger als 11 Sekunden waren die Einheimischen zweimal erfolgreich gewesen. Worauf Miro Zryd und Anton Gustafsson das Skore innert vier Minuten ausglichen.

Doch zu Beginn des Schlussdrittels stellten sich die Gäste selbst ein Bein. Dem 3:4 waren laut Ehlers «vier schlimme Fehler» vorausgegangen, das fünfte Gegentor fiel in doppelter Unterzahl nach zwei unnötigen Strafen. Verteidiger Philippe Seydoux hatte sich in der Offensivzone ein Revanchefoul geleistet, seine Mannschaft dadurch entscheidend geschwächt.

Wobei kein falscher Eindruck entstehen sollte. Es war nicht so, dass die Langnauer 60 Minuten kein Bein vors andere gebracht hätten. Im Mittelabschnitt dominierten sie die Seeländer sogar, übers ganze Spiel hinweg wäre ­zumindest ein Punktgewinn verdient gewesen. Offensichtlich aber wurde, dass sich die Pro­blemzone im Vergleich zur Vorbereitung von vorne nach hinten verschoben hat. Sechs Tore in zwei Partien sind zwar keine sonderlich gute, aber eine akzeptable Ausbeute; die Tigers erarbeiteten sich zudem diverse hochkarätige Möglichkeiten, agierten kreativ.

Ehlers aber erwähnte die «erstaunlich vielen Unzulänglichkeiten in der eigenen Zone», welche er sich kaum erklären könne. «Wir verloren, weil wir uns blöd anstellten. Das stört mich ex­trem.» Sein viel gelobtes und oft mit «Betontaktik» umschriebene Defensivsystem funktioniert (noch) nicht. «In unserem Spiel fehlte die Ruhe, die Passsicherheit», resümierte Angreifer Yannick-Lennart Albrecht.

Punnenovs im Vorteil

Kopf nicht hängen lassen, nichts dramatisieren – so lautete Al­brechts Devise. Zu Herzen nehmen sollte sich dies vorab Goalie Damiano Ciaccio. Nach gerade mal 16 Minuten musste der Romand Ivars Punnenovs weichen, den dritten Bieler Treffer hätte er trotz eingeschränkter Sicht verhindern müssen. Ungeachtet der Fangquote von lediglich 67 Prozent erstaunte die Auswechslung. Ehlers meinte jedoch, Ciaccio habe unsicher gewirkt. Auf die Frage, ob Punnenovs dem Nummer-1-Status derzeit ein wenig näher sei, sagte der Coach nüchtern: «Ja.»

Mit dem Status «verletzt» versehen ist Pascal Berger, der sich am Freitag das Schlüsselbein gebrochen hatte. Bereits am Samstagmorgen wurde der Burgdorfer operiert. Wenngleich der Eingriff zufriedenstellend verlief, wird Berger eher von sechs bis acht Wochen statt der zunächst geschätzten vier Wochen Pause ausgehen müssen. Sein Ausfall wiegt schwer, es handelt sich um Ehlers’ Lieblingsspieler, um den Antreiber. Nach einem weiteren Stürmer halten die Langnauer laut Sportchef Jörg Reber – zumindest kurzfristig – jedoch nicht Ausschau. Als Captain wurde Berger in Biel von Emanuel Peter vertreten.

Mit einem Punkt aus zwei Partien finden sich die Emmentaler im hintersten Ranglistendrittel wieder. Als ein Journalist von Ehlers wissen wollte, ob ihm der Blick auf die Tabelle vor den kommenden Aufgaben gegen die ZSC Lions und Zug Sorgen bereite, reagierte der Coach mit Unverständnis. «Wer etwas anderes erwartet hatte, ist kein Realist.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.09.2017, 22:32 Uhr

Biel ist Leader

Nach zwei Runden ist die Tabelle ungefähr so aussagekräftig wie eine heute formulierte Wetterprognose für Weihnachten. Dennoch: Dass der EHC Biel mit zwei Siegen und sechs Punkten (9:3 Tore) gegen Kloten und Langnau in die Qualifikation gestartet und Leader ist, sollte nicht unerwähnt bleiben. Die Ausbeute ist umso bemerkenswerter, weil die Seeländer in beiden Partien keineswegs restlos überzeugten. Stürmer Marc-Antoine Pouliot sprach von einer schönen Momentaufnahme, «aber wir wissen, dass wir uns steigern können und müssen». Gegen die SCL Tigers hatte sich die Equipe von Coach Mike McNamara nach furiosem Start lange Zeit schwergetan. Für die Differenz sorgten die Ausländer, die fünf von sechs Treffern erzielten, an jedem Tor beteiligt waren. Pouliot buchte in der 43. Minute das wegweisende 4:3. «Unsere Stärke ist die Ausgeglichenheit. Wir können mit vier Linien Druck erzeugen», meinte der 12-fache kanadische Nationalspieler. Steigerungspotenzial findet sich beispielsweise bei «Königstransfer» Beat Forster; der Abwehrchef leistete sich et­liche Nachlässigkeiten.

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