SCL Tigers: Brust raus

Ausgerechnet Aaron Gagnon: Der viel kritisierte Kanadier schiesst gegen Gottéron das entscheidende Tor. Die SCL Tigers bezwingen die Freiburger 3:2.

Glücklich zum Sieg: Die Langnauer

Glücklich zum Sieg: Die Langnauer Bild: Keystone

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Brust raus, zeigen, wer der Chef im Haus ist – dies fordert Tigers-Trainer Heinz Ehlers von seinem Personal in den Heimspielen. Brust raus – dies galt auch beim Gast aus Freiburg. Wobei damit nicht die Körpersprache gemeint war.

Goalie Barry Brust, mit starken Darbietungen mitverantwortlich für den überraschend guten Saisonstart, musste dem wieder genesenen Tschechen Roman Cervenka weichen und war überzähliger Ausländer.

Ein Zeichen dafür, dass der Leader den Letzten unterschätzte? Natürlich verneinte Coach Mark French energisch. Wie auch immer: Die Langnauer setzten sich 3:2 durch, ausgerechnet der oft kritisierte Kanadier Aaron Gagnon buchte den Siegtreffer. Mit neun Punkten aus zehn Partien ist die Ausbeute nicht berauschend, die Tigers jedoch hievten sich an Kloten, Ambri, Genf und Lausanne (zwei Spiele weniger) vorbei auf Platz 9.

«Wir haben phasenweise sehr gut gespielt», resümierte Ehlers. Verteidiger Miro Zryd meinte derweil, die Mannschaft sei wieder auf Kurs. Darauf angesprochen, sagte der Coach gewohnt galant: «Wir stecken noch immer in der Scheisse.»

Das schwache Mitteldrittel

Die eingangs erwähnte Vorgabe des Trainers setzten die Langnauer in der mit 6000 Zuschauern ausverkauften Ilfishalle im ersten Abschnitt gut um. Der einstige Freiburger Benjamin Neukom, welcher angekündigt hatte, er werde den einen oder anderen Gottéron-Profi «umhauen», liess den markigen Worten Taten folgen. Zwar fiel der Stürmer nicht mit kernigen Checks auf, dafür mit dem Führungstor (13.).

Im Mitteldrittel schalteten die Gäste zwei Gänge höher – und einmal mehr wurde offensichtlich, wie fragil das Tigers-Konstrukt nach wie vor ist. Innert 49 Sekunden war die Partie gedreht, dazwischen hatte Cervenka alleine vor Ivars Punnenovs gesündigt.

Wenngleich das Verdikt dem Gezeigten entsprach, war es aus Tigers-Sicht bitter: Der Ausgleich war ein Eigentor Lukas Haas’, beim zweiten Treffer hätten die Unparteiischen auf Torhüterbehinderung entscheiden können.

«Im Mitteldrittel spielten wir sehr schlecht», sagte Ehlers. Es war ein miserabler Abschnitt aus Emmentaler Optik, sieht man von den letzten fünf Minuten ab. Quasi aus dem Nichts schoss Eero Elo das 2:2 (35.), er leitete eine Sturm-und-Drang-Phase des Heimteams ein. Philippe Seydoux traf die Latte, Gagnon vergab wie Elo aus günstiger Position. Und kurz vor der Pause drosch Alexei Dostoinov die Scheibe an den Pfosten. So weit, so frustrierend.

Die neue Linie

Alles in allem aber galt es am gestrigen Abend das Positive hervorzustreichen, vorab die Defensive. Zwar mangelt es nach wie vor an Stabilität, in den letzten drei Partien aber kassierten die Langnauer nur sechs Treffer.

Ehlers lobte die Solidarität in der Schlussphase, vor allem nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Patron Ville Koistinen, der sich leicht am Knie verletzte und wohl ein paar Tage lang wird pausieren müssen.

«Jeder ging für jeden. Wir verwalteten den Vorsprung geschickt, obwohl zu spüren war, dass beim einen oder anderen das Selbstvertrauen fehlt.» Im Angriff wiederum hatte der Däne einen Wechsel vorgenommen; anstelle Anton Gustafssons führte Gagnon die erste Formation mit den Flügeln Antti Erkinjuntti und Elo an.

Die Massnahme sollte ihre Wirkung nicht verfehlen: Der Kanadier erspielte sich diverse erstklassige Möglichkeiten, erwies sich jedoch lange als Meister der Ineffizienz. Mit dem «Game-Winner» zum 3:2 krönte er seine Leistung. «Gagnon hat zum zweiten Mal ein Spiel für uns entschieden, er wird besser», sagte Ehlers.

An der neuen Linie will er vorerst festhalten. Apropos Ausländer: Die angestrebte Rückkehr Chris DiDomenicos verzögert sich weiter – der Angreifer kriegt von der Organisation der Ottawa Senators nach wie vor keine Freigabe. In der Nacht auf Freitag startete er mit dem Farmteam, den Belleville Senators, in die AHL-Saison.

Die Devise «Brust raus» gilt auch heute in Lausanne; es handelt sich um die einzige Mannschaft, gegen welche Heinz Ehlers als Langnauer Coach noch nicht gewonnen hat. «Brust rein» könnte es bei Gottéron gegen Meister Bern heissen, wobei Ersatz Ludovic Waeber in seinem zweiten Einsatz in der höchsten Spielklasse eine gute Leistung zeigte.

Telegramm:

SCL Tigers - Fribourg-Gottéron 3:2 (1:0, 1:2, 1:0) 6000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Hebeisen/Prugger, Bürgi/Duarte. - Tore: 13. Neukom (Lardi) 1:0. 29. (28:16) Bykow (Schmutz) 1:1. 30. (29:05) Rathgeb (Vauclair) 1:2. 35. Elo (Huguenin, Lardi) 2:2. 47. Gagnon (Erkinjuntti) 3:2. - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen SCL Tigers, 3mal 2 Minuten gegen Fribourg-Gottéron. - PostFinance-Topskorer: Erkinjuntti; Slater.

SCL Tigers: Punnenovs; Zryd, Koistinen; Müller, Erni; Lardi, Huguenin; Blaser, Seydoux; Elo, Gagnon, Erkinjuntti; Kuonen, Gustafsson, Neukom; Dostoinow, Albrecht, Nüssli; Gerber, Peter, Haas.

Fribourg-Gottéron: Waeber; Holos, Chavaillaz; Schilt, Rathgeb; Stalder, Kienzle; Glauser; Rossi, Slater, Birner; Neuenschwander, Rivera, Vauclair; Sprunger, Cervenka, Meunier; Mottet, Bykow, Schmutz; Marchon.

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Stettler, Pascal Berger, Nils Berger und Randegger, Fribourg-Gottéron ohne Abplanalp (alle verletzt), Fritsche (gesperrt) und Brust (überzähliger Ausländer). Koistinen verletzt ausgeschieden (30.). - Pfostenschüsse: Dostoinow (39.); Seydoux (36./Latte). - Timeout Fribourg-Gottéron (59.). (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.10.2017, 08:33 Uhr

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