SCB-Verteidiger Hänni: «Mein Ziel ist es, am übernächsten Weekend zu spielen»

Verteidiger Andreas Hänni, der seinen Vertrag beim SC Bern unlängst um zwei Jahre verlängert hat, ist eine facettenreiche Persönlichkeit: Der 31-jährige lebt als einziger NLA-Profi vegan, führt in Lugano eine Bar und besitzt eine Kuhherde.

Reto Kirchhofer@rek_81

Ende Oktober haben Sie im Spiel gegen die ZSC Lions eine Hirnerschütterung erlitten. Sind Sie im Hinblick auf die Weekendspiele gegen Zug und die SCL Tigers wieder einsatzbereit? Andreas Hänni: Das wird noch nicht reichen. Mein Ziel ist es, am übernächsten Wochenende wieder spielen zu können. Es geht mir recht gut, aber bei solchen Verletzungen muss man vorsichtig sein und sich die Zeit nehmen, welche zur Heilung benötigt wird. Es gibt genug Beispiele von Spielern, die nach Hirnerschütterungen zu früh zurückkehrten.

Trotz der Rekonvaleszenz gab es für Sie in dieser Woche auch positive Meldungen: Ihr Vertrag beim SC Bern wurde vorzeitig um zwei Jahre verlängert. Das ist sehr schön. Ich hatte es nicht unbedingt erwartet, weil ich mich auf andere Dinge konzentriert hatte. Ich freue mich sehr, in Bern bleiben zu können – es ist ein wunderbarer Ort für einen Eishockeyspieler. Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut, der Trainer hervorragend.

Was bedeutet Ihnen diese Vertragsverlängerung mit Blick zurück auf den Sommer, als Sie sich zuweilen quasi zwischen Stuhl und Bank befanden? Ich bin froh, habe ich nun eine gewisse Sicherheit. Die Situation im Sommer war ungemütlich: Ich stand nach dem gewonnenen Titel mit dem SCB noch bei Lugano unter Vertrag, war aber betreffend einer Weiterbeschäftigung mit Bern einig. Die Vereine fanden sich nicht. Schliesslich liess mich Lugano gehen, derweil hatte aber der SCB andere Optionen geprüft – das Timing war schlecht. Während des ganzen Sommers suchten wir nach einer Lösung. Im Juli war die Bandbreite betreffend meine Zukunft komplett geöffnet – ob mit oder ohne Eishockey.

Im Herbst 2009 hatten Sie sich in einer ähnlichen Situation befunden, als Sie beim SCB vorerst für zwei Monate mit einem Leihvertrag ausgestattet worden waren. Der damalige Lugano-Trainer Kent Johansson plante nicht mehr mit mir. Ich rechnete damit, meinen Vertrag im Tessin als überzähliger Verteidiger absitzen zu müssen, und hatte auch die Freude und das Feuer für das Eishockey etwas verloren. Dann kam die Anfrage aus Bern, wie aus dem Nichts. Ich telefonierte mit Larry (Huras, die Red.), war ehrlich und sagte ihm, ich wisse nicht, wie viel Eishockey noch in mir stecke, und es sei vielleicht nicht sinnvoll, wenn er mich nach Bern holen wolle. Schliesslich einigten wir uns, es für zwei Monate zu versuchen: Ich ordnete dem Eishockey nochmals alles unter, und tatsächlich kamen Freude, Feuer und Leidenschaft für den Sport zurück – die Saison endete mit dem Gewinn des Meistertitels. Der Kontrast zwischen meinem Saisonstart und dem Saisonende hätte kaum grösser sein können.

Sie haben die Gedanken an eine mögliche Zukunft ohne Eishockey erwähnt. Was wären Ihre beruflichen Optionen gewesen? Zusammen mit ein paar Freunden – darunter befindet sich auch Fussballprofi Manuel Rivera von Bellinzona – führe ich in Lugano die Bar Era Ora. Zudem hätte ich mein Studium der Kommunikationswissenschaften vorangetrieben. Es gab auch Pläne mit einer Werbeagentur. Glücklicherweise musste ich diese Optionen nicht zu Ende denken.

Sind Sie oft im Tessin? Ja, in Lugano besitze ich noch eine kleine Wohnung, dazu kommt die Bar. Ausserdem besitze ich dort noch Kühe, die von einem Nachbarn betreut werden. Im Frühling aber gehen sie jeweils auf eine Alp, wo sie bis im Oktober verweilen. In den Bergen sind die Kühe alleine, wenn ich sie besuche, dauert es jeweils so eine Stunde, bis ich die Tiere gefunden habe.

Woher kommt Ihre Verbundenheit zur Natur und zu Tieren? Als Kind war ich immer draussen, lieber zu viel als zu wenig. Es gab keine Playstation. Mein Medienkonsum ist auch heute gering, ich sitze bloss rund eine Stunde pro Monat vor dem Fernseher. Lieber lese ich ein Buch. Ich würde mich nicht als Naturfreak bezeichnen, aber wahrscheinlich habe ich wegen meiner Kindheit ein enges Verhältnis zur Natur und zu Tieren.

Seit Ihrem 13.Altersjahr leben Sie vegan, verzichten auf den Verzehr sämtlicher tierischer Nahrungsmittel. Ich habe ein natürliches Verhältnis zu Tieren. Beispielsweise zu meinen Hunden: Es sind nicht einfach meine Hunde, sondern meine Freunde. Ich respektiere sie und bin normal beziehungsfähig mit Tieren. Ich finde es bedenklich, wie Tiere in unserer Gesellschaft behandelt werden.

Halten Sie Ihre Hunde in Bern? Nein, sie sind bei meinen Eltern in Erlenbach bei Zürich (die gesamte fünfköpfige Familie Hänni lebt vegan, die Red.). Ich bin jede Woche einige Tage dort.

Sie sind der einzige Veganer in der NLA, 189 Zentimeter gross und 100 Kilogramm schwer. Haben Sie Mühe, Ihr Wettkampfgewicht zu erreichen? Im Gegenteil, ich peile es jeweils von oben statt von unten an (lacht). Als ich mit 18 Jahren in die Liga kam, war meine Ernährungsart sicher exotisch – mittlerweile wissen es alle. Die Ernährung ist asiatisch orientiert, ich mag Reis, Gemüse, Tofu, Sojaprodukte. Viele Proteine, die ich zu mir nehme, basieren auf Soja. In den Reformhäusern gibt es spezielle Produkte aus pflanzlichen Eiweissen. Die Ernährung ist also überhaupt kein Problem.

Wie gefällt es dem naturverbundenen Andreas Hänni in Bern? Eigentlich bin ich ein Stadtmensch. In Bern gefällt es mir unglaublich gut, mit dem Velo die Stadt zu erkunden. In Lugano mag ich es, mit der Vespa zu fahren, in Zürich ist es schön, mit den Hunden spazieren zu gehen. Jeder Ort bietet Besonderheiten, die ich schätze.

Berner Zeitung

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