SCB verliert das Zähringer-Derby

Der SC Bern ist dem HC Gottéron in dessen Heimstätte 2:3 unterlegen. Die Mängel im Spiel der Gäste offenbarten sich im Mitteldrittel, als eine zweiminütige 5-gegen-3-Situation nicht genutzt werden konnte.

Witali Lachmatow befördert die Scheibe ins Tor, der einmal mehr starke SCB-Goalie Marco Bührer bleibt chancenlos.

Witali Lachmatow befördert die Scheibe ins Tor, der einmal mehr starke SCB-Goalie Marco Bührer bleibt chancenlos.

(Bild: Keystone)

Bei der entscheidenden Szene war reichlich Zufall im Spiel. Witali Lachmatow trug die Scheibe im Zug eines Energieanfalls ins Drittel des SC Bern, spedierte sie Richtung Slot, erhielt sie via David Jobins Schlittschuh zurück und erzielte das 3:2, welches dem HC Gottéron drei Punkte bescheren sollte. Der einmal mehr ausgezeichnet disponierte Torhüter Marco Bührer war absolut chancenlos. In der Folge suchten die Gäste aus der Bundesstadt den Ausgleich, scheiterten jedoch am ebenfalls glänzend aufgelegten Cristobal Huet im Gehäuse der Freiburger. «Wir befinden uns in der Mitte der Meisterschaft und verkörpern überall Durchschnitt. Dabei wäre an diesem Team alles überdurchschnittlich», resümierte SCB-Trainer Larry Huras sichtlich verärgert.

In welcher Hinsicht der SC Bern über Steigerungspotenzial verfügt, hatte sich im Mitteldrittel gezeigt. Zwei Minuten lang erhielt der Meister die Gelegenheit, in doppelter Überzahl anzugreifen. Die Berner taten sich schwer, die Scheibe lief schlecht, das Erfolgserlebnis blieb aus. Den Gastgebern hatte sich im ersten Drittel die gleiche Chance geboten, freilich nur während 15 Sekunden. Nach elf Sekunden und einem magistralen Zuspiel Sandy Jeannins reüssierte Andrei Bykow, 40 Sekunden später glich Michael Ngoy bei einfacher numerischer Überlegenheit aus. Huras schüttelte lediglich den Kopf und erklärte mit leicht sarkastischem Unterton, in der morgendlichen Trainingseinheit seien 5-gegen-3-Situation noch intensiv geübt worden.

Gamache und die Freiburger

Was John Denver durch den Kopf gegangen wäre, hätte er erfahren, dass sein 1971 veröffentlichter Song «Take Me Home, Country Roads» im Jahr 2000 zum Song des Jahrhunderts gewählt werden würde, wird man nie erfahren – der amerikanische Liedermacher stürzte 1997 mit einem von ihm pilotierten Kleinflugzeug ab. Den Kopf geschüttelt hätte er wahrscheinlich, wenn ihm bekannt gewesen wäre, dass eine Cover-Version seines Werks im Jahr 2010 verwendet werden sollte, um 6900 Zuschauer und 43 Spieler auf eine Eishockeypartie einzustimmen. Was der DJ in der Freiburger BCF-Arena mit dem Hit bezwecken wollte, lässt sich zumindest erahnen. Womöglich wollte er Mark Mowers begrüssen, den Amerikaner in Diensten Gottérons, der vor drei Jahren zehn Partien für den SCB bestritten hatte, im September von «Tiger» Brandon Brooks mittels eines Checks gegen den Kopf ausser Gefecht gesetzt wurde und gestern wieder ins Geschehen eingriff. Der Text des Stücks handelt von den Gefühlen, die verspürt, wer nach Hause zurückkehrt. Vielleicht dachte der DJ auch an Simon Gamache, der zu Beginn der Saison sechs Spiele für die Saanestädter absolviert, sich wohl gefühlt und elf Skorerpunkte gesammelt hatte. Mowers jedenfalls liess sich nur bedingt inspirieren; es wirkte, als befände er sich noch nicht in bester Verfassung. Gamache gehört zu jener Sorte Sportler, die nicht inspiriert werden müssen, weil sie immer alles geben. An der Seite Christian Dubés sorgte er für viel Wirbel, nach der Schlusssirene wurde er zum besten Akteur der Berner gewählt – und von den Freiburger Anhängern gefeiert.

Der DJ schien weniger bestrebt, einen Fairnesspreis zu gewinnen. Nachdem der Berner Beat Gerber von einem Schuss Mike Knoepflis getroffen worden und am Boden liegen geblieben war, erklang der an Sylvester Stallone erinnernde Song «Eye of the Tiger». Der Emmentaler hatte Glück, die Scheibe traf ihn im gut geschützten Brustbereich; er konnte weiterspielen. Heute geht es für sämtliche Akteure weiter – mit der Reprise in der PostFinance-Arena. «Unsere Spielmacher müssen das Spiel in die Hand nehmen», erwiderte Huras auf die Frage, was sich ändern müsse – und zog konsterniert von dannen.

Berner Zeitung

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