SCB: Nur ein bisschen Barcelona

Der EHC Biel setzt ein Ausrufezeichen. Die Seeländer reüssieren beim SC Bern 6:3 und verkürzen in der Viertelfinalserie auf 1:2 Siege. Dem Favoriten wird das katastrophale Mitteldrittel zum Verhängnis.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Mal ehrlich, liebe Leserin, lieber Leser: Hätten Sie vor dem gestrigen Match noch mehr als einen Franken auf den EHC Biel gesetzt? Voilà. Zu dominant hatte der SC Bern in den ersten beiden Viertelfinalpartien agiert, zu harm- und hilflos waren die Bieler am Dienstag zuhause aufgetreten.

Und überhaupt: Acht Siege in Folge hier, sechs Niederlagen de suite da, die beiden Formkurven hätten deutlicher kaum abweichen können. Um 22:40 Uhr stand aber auf dem Videowürfel in der Postfinance-Arena: SC Bern 3, EHC Biel 6!Im dritten Anlauf gelang es den Seeländern tatsächlich, dem Meister die Stilsicherheit zu entziehen. Das Rezept hierfür: mehr Kampfkraft und ein besseres Powerplay.

Zu Beginn hatte allerdings wenig auf ein solch klares Verdikt zugunsten der Gäste hingedeutet. Der SCB bestimmte das Geschehen, er überzeugte einmal mehr mit gutem Blockspiel in Unterzahl und ging in der 14. Minute durch Andrew Ebbett im Powerplay in Führung.

Die Seeländer verarbeiteten den umstrittenen Gegentreffer – womöglich hatte Ryan Lasch Biels Torhüter Jonas Hiller vor Ebbetts Schuss leicht touchiert – aber bemerkenswert gut.

Marco Pedretti brachte zuerst Härte und anschliessend Spannung ins Spiel; er glich kurz vor Drittelsende zum 1:1 aus. Beim SCB hatte Ramon Untersander auf der Strafbank gesessen und Justin Krueger ohne Stock verteidigt.

14 fatale Minuten

Es folgte der Abschnitt, in welchem der Titelverteidiger auseinanderfiel: Verteidiger Thomas Wellinger traf aus der Ferne, Stürmer Philipp Wetzel im Fallen, die Ausländer Robbie Earl und Jacob Micflikier in Überzahl. Spieler und Fans des SC Bern wussten nicht so recht, wie ihnen geschah.

Und selbst auf der Bieler Bank verrieten die Blicke, wie gross das Erstaunen war. Innert 14 Minuten hatten die Gäste viermal reüssiert und damit die Viertelfinalserie so richtig lanciert. Und der SCB? Nach der zweiten Pause gab der Stadionspeaker den Tarif bekannt, wünschte den Besuchern ein historisches drittes Drittel.

Doch das Bern von Donnerstag war nicht das Barcelona von Mittwoch. In der Champions League im Fussball hatten die Katalanen gegen Paris einen 0:4-Rückstand aus dem Hinspiel noch wettgemacht.

Allerdings: Es fehlte wenig, und Biel hätte sich tatsächlich noch die Butter vom Brot nehmen lassen. Der SCB drückte nun, der EHCB zauderte, kassierte Strafe um Strafe – deren sechs an der Zahl.

Maxim Noreau traf zum 2:5 (45. Minute), und später wussten die Gäste bei den Schüssen von Luca Hischier (Latte) und Eric Blum (Pfosten) Fortuna auf ihrer Seite. Topskorer Mark Arcobello setzte – natürlich im Powerplay – den nächsten Reizpunkt.

Es blieben dem Team von Kari Jalonen 8 Minuten für zwei Tore. Im nächsten Moment jubelte Ryan Lasch, selbstverständlich im Powerplay, doch der US-Amerikaner hatte bei seinem Ablenker den Stock zu hoch. Den Zuschauern in der vollen Halle blieb nun kaum mehr Zeit zum Atmen – bis Toni Rajala dem Spektakel mit seinem Treffer ins leere Tor ein Ende setzte.

«Wir müssen nichts ändern»

SCB-Coach Jalonen sagte: «Ein solches Drittel wie unser zweites können wir uns auf diesem Niveau nicht leisten.» Für Spannung ist im Playoff-Derby nun definitiv gesorgt. Biel erhält morgen in der ausverkauften Tissot-Arena die Gelegenheit, den Favoriten nicht nur kurzzeitig aus der Balance, sondern definitiv ins Wanken zu bringen.

Zumindest für Jalonen war die Pleite am Donnerstag allein noch kein Grund, unruhig zu werden. In Bezug auf die Taktik meinte der Finne in aller Coolness: «Ich werde nichts ändern. Wir müssen nichts ändern.»

Berner Zeitung

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