Routinier, Mentalitätsmonster, Läufer

Der EHC Biel startet am Dienstag als Aussenseiter in den Halbfinal gegen Bern. Ob er die Tür zum Final öffnen wird, hängt auch von der Leistung dreier Schlüsselspieler ab: Jonas Hiller, Beat Forster und Jason Fuchs.

Jubelpose nach schwierigen Monaten: Biels Topskorer Jason Fuchs.

Jubelpose nach schwierigen Monaten: Biels Topskorer Jason Fuchs.

(Bild: Freshfocus)

Reto Kirchhofer@rek_81

Er war Stammtorhüter in der NHL. Er war die Nummer 1 an Olympischen Spielen und an Weltmeisterschaften. Er hat in seiner Karriere über 30 Millionen Franken verdient. Trotzdem sagt Jonas Hiller: «Ich würde wohl nicht noch einmal Goalie werden. Es kann nur einer spielen. Der Druck ist gross.»

Die Worte des 37 Jahre alten Appenzellers sind erstaunlich, aber nachvollziehbar – vor allem mit Blick auf den Spätherbst seiner Karriere. Sie haben auch mit jenem Goalie zu tun, der Hiller ab Dienstag gegenüberstehen wird: Leonardo Genoni. Die zwei Freunde haben sich unlängst etliche Duelle geliefert. Im Playoff-Viertelfinal 2017 entschied Genoni den Vergleich klar für sich. Wenige Wochen später stand an der WM in Paris aber vorerst Hiller zwischen den Pfosten – dank toller Vorbereitung. Er wurde bald von Genoni verdrängt, kam in der entscheidenden Phase nicht mehr zum Einsatz. Bei Olympia 2018 war es umgekehrt: Genoni musste im Startspiel gegen Kanada nach vier Gegentoren für Hiller weichen und blieb bis Turnierende auf der Bank.

Nun treffen die Kontrahenten erneut im Playoff aufeinander. Hiller spielte nach durchzogener Qualifikation im Viertelfinal gegen Ambri gross auf, parierte über 94 Prozent der Schüsse. Genoni erreichte trotz gelegentlicher Unsicherheiten gegen Genf denselben Wert. Das Heil der Seeländer wird auch davon abhängen, ob Hiller sein hohes Niveau halten kann. Dem Routinier kommt ebenso eine Schlüsselrolle zu wie Verteidiger Beat Forster und Stürmer Jason Fuchs.

Beat Forster: Grosser Einfluss

Als Bern vor zwei Saisons den Viertelfinal gegen Biel mit 4:1 für sich entschied, spielte Beat Forster noch nicht im Seeland. Ein Vergleich ergebe sowieso keinen Sinn, sagt der Verteidiger: «Biel 2017 und 2019: Das ist etwas komplett anderes. Im Vorjahr hat ein riesiger Wandel stattgefunden. 2017 war das Playoff ein Goodie gewesen, aber der Erfolg vom letzten Frühling hat vielen Leuten die Augen geöffnet und den Appetit geweckt.» Der Wandel in Biel hat auch mit Forsters Verpflichtung zu tun. Seit Einführung des Playoff 1986 hat kein Spieler mehr Meistertitel geholt als er (6). Das spreche für ihn, sagt der Appenzeller trocken. Er hat sich im Seeland zum Ziel gesetzt, die Mentalität zu ändern.

Trainer Antti Törmänen sagt, Forsters Einfluss sei unverändert gross – «auf dem Eis und in der Garderobe». Im Viertelfinal erhielt Forster hinter Anssi Salmela am zweitmeisten Eiszeit. Die Rekordpartie des SCB in Genf verfolgte er am Donnerstag bis Mitternacht am Fernseher. «Nach der zweiten Verlängerung stand dann doch die eigene Regeneration im Vordergrund», sagt er. Forster verspricht, Biel werde selbstbewusst auftreten. Und doch ist er smart genug, die Favoritenrolle von sich zu schieben: «Der SCB hat die Crème de la Crème des Schweizer Eishockeys unter Vertrag. Er ist haushoher Fa­vorit.»

Jason Fuchs: Rat des Vaters

Am Anfang war ein Kalauer. Ausgerechnet Jason Fuchs sollte in Biel den zu Bern ziehenden Gaëtan Haas ersetzen: Das freute nicht nur die Leser von «Brehms Tierleben» und wurde entsprechend in den Medien verarbeitet. Punktemässig kam Fuchs im ersten Jahr nicht auf die Werte des Vorgängers. Diese Saison zog er sich eine schwere Kehlkopfverletzung zu und musste lange pausieren. Doch seit Beginn des Playoff ist der 23 Jahre alte Mittelstürmer in Bestform. Morgen wird er in Bern mit Helm und Trikot des Topskorers einlaufen. Fuchs spielt mit Leichtigkeit, Esprit und Tempo. Er sagt: «Wenn du im Playoff nicht läufst, kannst du dem Team nichts bringen.» Der Stürmer orientiert sich an Vater Régis. Dieser spielte während fünf Saisons in Bern, gewann 1997 die Meisterschaft. «Er sagt mir seit Jahren: ‹Bewegst du die Beine, bist du stark. Läufst du nicht, bist du schlecht›», sagte Fuchs dem «Journal du Jura». Auf dem Papier ist die Mittelachse der Seeländer schwächer besetzt als jene der Berner. Auf dem Eis sollen die Kräfteverhältnisse auch dank Center Fuchs anders sein. Das Credo lautet: Läuft Fuchs, läuft es dem EHCB.

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