«Wir scheiterten vielfach an der Ausführung»

Nationalteam-Direktor Raeto Raffainer über das Olympia-Aus im Achtelfinal und die Schweizer Eishockey-Liga.

Bilanz nach Pyeongchang: Raeto Raffainer.

Bilanz nach Pyeongchang: Raeto Raffainer.

(Bild: Keystone Alexandra Wey)

Raeto Raffainer, wie sieht Ihr Fazit des Olympia- Turniers mit etwas Abstand aus?
Ich klammere das 8:0 gegen Korea bewusst aus. In den restlichen Spielen haben wir bei 5 gegen 5 mit 2:3 Toren «verloren». Das sieht auf dem Papier nicht dramatisch aus, ist aber etwas schmeichelhaft, weil wir viele Turnovers produzierten und vorne nicht genug Chancen kreierten. In den Special Teams waren wir nicht gut. Es ärgert mich, dass gegen Tschechien und Deutschland die Partie mit nur je einem einzigen Powerplay-Tor vermutlich in andere Bahnen gelenkt worden wäre.

Nehmen in der Liga die Ausländer zu dominante Rollen im Powerplay ein?
Das wäre eine mögliche Erklärung. Aber es standen immer Spieler auf dem Eis, die aus der Liga genug Powerplay-Erfahrung mitbringen. Die Coaches präsentierten vor jedem Spiel die Lösung gegen die jeweiligen Boxplays des Gegners. Wir scheiterten aber vielfach an der Ausführung. Hier müssen wir Richtung WM den Hebel ansetzen.

Eine oft gehörte Kritik: Unseren Spielern in der Liga gehe es zu gut.
Es kommt auf den Vergleich an. Auch in der KHL verdienen die Spieler sehr, sehr gut. Und bei Olympia standen sehr viele KHL-Spieler im Vordergrund. Ich verstehe, dass diese Diskussion geführt wird. Doch sie bringt uns nicht weiter.

Sollte die Anzahl erlaubter Ausländer in der Liga erhöht werden, um mehr Druck auf die Schweizer auszuüben?
Ich würde der Liga vorschlagen, nichts zu ändern. Fakt ist: Mit unserer Liga und demselben Ausländerkontingent haben wir WM-Silber geholt und letztes Jahr Kanada mit einem reinen NHL-Aufgebot geschlagen. Da kamen die Fragen nach einer zu schwachen Liga auch nicht. Ich wünschte mir eher, dass wir im Nachwuchs bei Rekrutierung und Spielerentwicklung ansetzen. Dort haben wir grosses Potenzial. Wenn dort nichts geschieht, werden wir auch in 20 Jahren im Vergleich mit den anderen Nationen immer noch die gleichen Stärkeverhältnisse haben. Wir müssen mehr Stürmer der Sorte Simon Moser oder Nino Niederreiter produzieren, die sich auch auf internationalem Level gerade im Powerplay vor dem Tor behaupten, die offensiv einen Block dominieren können. Wir haben leider nur wenige davon.

Ist unser Eishockey intensiv genug?
Definitiv. Die Frage ist aber, von welcher Intensität man spricht. Wir haben eine intensive Highspeed-Liga, in der sehr viel Schlittschuh gelaufen wird. Das ist gut, das ist unsere Identität. Das gibt uns international auch Vorteile. Aber die Intensität vor den Toren und im Zweikampf in den Ecken, dort ­finden wir die grossen Unterschiede auf internationalem Parkett.

Diese Intensität ist aber genauso wichtig. Tschechien war der Schweiz nicht nur bezüglich Skills, sondern auch der Kampfkraft überlegen.
Das Tschechen-Spiel ist jenes, das auch mich am meisten erstaunte und besorgte. Wir bekundeten mit der Spielweise der Tschechen in unserer Abwehrzone grosse Mühe.

Wird in unserer Liga so intensiv gespielt, hagelt es doch Strafen …
Die Intensität und Härte war in den Slots sehr hoch. Es ist klar, dass wir diese Thematik im Sommer auch mit den Sportchefs und Refs anschauen sollten.

Im Vorfeld sprach der Nationaltrainer vom Medaillentraum. Ein Fehler?
Ich finde es legitim, wenn dies vom Headcoach und den Spielern kommt und will es weder der Mannschaft noch dem Trainer verübeln, dass sie mehr wollen. Wenn man die Resultate der letzten 20 Jahre anschaut, gibt es aber genau die Top 6, die immer im Viertelfinal standen, und mehrere Teams, darunter die Schweiz, die um die restlichen zwei Plätze kämpften. Wir haben die Zielsetzung in Pyeongchang klar verpasst, wir sind nicht zufrieden mit dem Auftritt. Aber wenn von Katastrophe die Rede ist, wenn wir die Top 8 verpassen, dann fehlt mir der Respekt gegenüber Nationen, gegen die wir seit Jahren um ebendiese zwei freien Plätze kämpfen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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