Raffainer: «Ich trete den Job auch an, wenn Davos absteigt»

Nationalmannschafts-Direktor Raeto Raffainer verlässt den Verband und wechselt zum HC Davos. Unmittelbar vor der Heim-WM 2020. Das wirft Fragen auf.

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Raeto Raffainer, dass Sie den Verband direkt vor der Heim-WM 2020 verlassen, erscheint seltsam. Ist das nicht ein unglücklicher Zeitpunkt?
Vom persönlichen Standpunkt aus betrachtet, kann man dies so sehen. Aber was die Arbeitsabläufe anbelangt, ist es überhaupt nicht so, es ist ein fairer Zeitpunkt. Was die Heim-WM 2020 betrifft, steht alles. Was jedoch zum Thema wird, ist die Vorbereitung der Olympischen Spiele 2022 in China, der sich mein Nachfolger dann annehmen muss. Auch ist es so, dass der Vertrag mit Nationaltrainer Patrick Fischer nach der Heim-WM ausläuft und man sich schon im nächsten Herbst mit diesem Thema auseinander setzen muss. Das ist ebenfalls ein guter Zeitpunkt für meinen Nachfolger. Letztendlich ist es aber ohnehin so, dass man sich den Zeitpunkt nicht aussuchen kann, wann man ein spannendes Angebot erhält.

Sie waren in den letzten Jahren damit beschäftigt, die Nationalteams in allen Altersstufen zu vereinheitlichen, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Aber jetzt, wo die Ernte ansteht, ziehen Sie sich zurück. Das ist schon sehr speziell.
Dann können eben andere ernten. Die Strategie steht, mit den Coaches und Mitarbeitern sind wir gut aufgestellt. Ich kann ein solides Fundament übergeben, was auch schön ist.

Trotzdem: Gab es Probleme beim Verband, dass Sie gehen?
Nein, in keinster Weise. Im Gegenteil. Ich war total happy mit meinem Job und auch sehr motiviert. Ich habe selbst auch nie bei einem Verein angeheuert. Doch dann kam diese Anfrage aus Davos. Eine Anfrage, bei der ich nicht Nein sagen konnte. Eine Anfrage, die für mich auch eine Herzensangelegenheit darstellt, da ich schon als Junior für den HCD gespielt habe und später auch im Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft. Ich sehe die Möglichkeit, in Davos in den nächsten Jahren etwas aufbauen zu können.

Der HCD macht derzeit aber enorm schwierige Zeiten durch. Würden Sie ihren Job auch antreten, wenn Davos absteigt?
Ich habe mein klares Bekenntnis zum HC Davos gegeben und mein Vertrag erhält keine Klauseln. Ich würde diesen Job also auch im Fall eines Abstiegs antreten.

Nationaltrainer Patrick Fischer dürfte über Ihren Abgang nicht begeistert sein.
Ich war gegenüber ihm und Präsident Michael Rindlisbacher von Anfang an transparent, habe sie über das Angebot informiert und ihnen auch gesagt, dass ich mir das vorstellen kann. Sie wussten auch Bescheid, als ich mich mit dem HCD getroffen habe. Fischi kennt mich sehr gut, er weiss, dass mich das Club-Hockey reizt und freut sich für mich.

Noch ist nicht genau klar, wann Sie Ihren Job antreten. Weshalb?
Ich habe eine Kündigungsfrist von 6 Monaten, habe dem Verband aber zugesichert, dass ich bleibe, bis mein Nachfolger gut eingearbeitet ist. Spätestens am 1. Oktober muss ich aber in Davos sein, denn ab dann geht es darum, die Mannschaft für die Saison 2020/2021 zusammenzustellen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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