Noch ist er ein Namenloser

Biel surft auch dank jungen No-Names auf der Erfolgswelle. Den Jüngsten des aktuellen Leaders merkt sich die Eishockey-Schweiz besser: Verteidiger-Talent Janis Jérôme Moser.

Bringt den Davoser Dino Wieser (r.) zum Durchschnaufen: Biels Janis Jérôme Moser.

Bringt den Davoser Dino Wieser (r.) zum Durchschnaufen: Biels Janis Jérôme Moser. Bild: Jürgen Staiger/Keystone

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Furchtbare Ballermann-Musik dröhnt aus der Gästegarderobe in der Vaillant Arena, ein Bieler Spieler nach dem andern kommt gut gelaunt in den Gang zu den Journalisten, Interviews nach einem 7:3-Sieg in Davos gibt man noch so gerne. Nur einer der Verlangten taucht partout nicht auf. «Was, Janis kam immer noch nicht?», fragt die Medienverantwortliche des EHC Biel, verschwindet mit nach Verständnis bittenden Blicken und Worten («Er weiss halt noch nicht genau, wie das funktioniert …») in die Kabine.

Und dann steht er da, Janis Jérôme Moser, Lausbubengesicht, freundliche Begrüssung, man gibt ihm kaum einmal seine zarten 18 Lenze. Doch genau so alt ist er, 18 Jahre und 4 Monate, um exakt zu sein. Damit ist Moser der jüngste Stammspieler der National League. Und erhielt er zu Saisonbeginn seine Einsätze noch, weil in der Bieler Abwehr mit Beat Forster der Leader verletzt ausfiel, darf Moser mittlerweile ganz selbstverständlich Abend für Abend ran.

Knapp 15 Minuten pro Partie sind es im Durchschnitt, das ist für einen Verteidiger seines Alters bemerkenswert. Als der EHC Biel kürzlich in Bern das Spitzenspiel 5:2 gewann und seinen bislang eindrücklichsten Beweis erbrachte, zurecht NL-Leader zu sein, übertraf nur der Finne Anssi Salmela die 18:30 Minuten Einsatzzeit Mosers.

Das ist normal – aber nur in grossen Hockeynationen

Hat er nicht Bammel, einen 18-jährigen Rookie regelmässig aufs Eis zu schicken, einen, der dazu nur 70 Kilogramm auf die Waage bringt? Antti Törmänen, Biels finnischer Trainer, fragt laut «Warum?», verwirft die Hände: «In Finnland spielen schon viele mit 2001er Jahrgang.»

Das mag in den grossen Eishockeyländern normal sein, in der Schweiz finden sich ligaweit selbst dann, wenn man die Messlatte auf bloss «Unter 21» setzt, nur gerade acht Junioren, die bislang in jedem Spiel zum Einsatz kamen.

Und selbst da gilt es genau hinzuschauen: Nebst Moser sind es mit André Heim (Bern/10:10 Minuten), Tim Berni (ZSC/12:12) und Elia Riva (Lugano/11:33) nur drei weitere, die im Schnitt mehr als 10 Minuten pro Match spielen.

Ein Ernährungsplan für mehr Kilos

Kein Wunder, steht nun Moser also da, strahlt und gibt zu: «Ja, im Moment schwebe ich auf Wolke 7.» Die bloss 70 Kilo, die machen ihm zwar auch ein wenig Sorgen, denn «es ist gut fürs Selbstvertrauen, wenn du weisst, dass du in Zweikämpfen einfach so dagegen halten kannst.»

Mit Krafttraining und vor allem einem vom Club speziell für ihn zusammengestellten Ernährungsplan gibt Moser Gegensteuer, so gut es geht und erwähnt, dass er vor einem Jahr noch leichter gewesen sei. Und sein Coach Törmänen hat zufrieden festgestellt, dass Moser das Spiel derart gut lese, dass er sich kaum in Situationen manövriere, in denen harte Checks drohen.

Keine überflüssigen Bewegungen – auch beim Reden

Es ist diese Smarte an Mosers Spiel, das beeindruckt. Da ist nichts spektakuläres, seine Stärken zeigen sich an unscheinbaren Szenen wie dieser hier am Samstag: Als der Davoser Shane Prince, einer der schnellsten und wendigsten Läufer der Liga, mit vollem Tempo auf ihn zufährt, ihn mit Körpertäuschungen aus der Position locken will, geschieht ... nichts. Prince und Puck werden hinters Tor in die Ecke abgedrängt, es kommt weder zu Chance noch Abschluss. «So ist Janis auch neben dem Eis, wenn du mit ihm sprichst», sagt Törmänen lachend: «Keine überflüssigen Bewegungen, nur Ruhe.»

Shane Prince kommt angebraust, Janis Moser lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: schnelle Füsse, Stockarbeit, «Gap Control», fast alles stimmt – danach lässt sich Prince gar zu einer Strafe verleiten. (Bilder: MySports)

Um ein klares Urteil zu fällen, sind acht Spiele noch zu wenig, aber dennoch überzeugt Moser auch mit Effizienz. Mit +10 in der Plus-/Minus-Bilanz ist Moser gar ligaweit die Nummer 1. Der Junior, darauf angesprochen, lächelt bloss verlegen und sagt: «Das ist cool anzuschauen, nützt am Ende aber auch nicht viel.»

Wer sie auch noch anschauen will: Die aktuelle Plus-/Minus-Tabelle der National League mit dem unerwarteten Leader (Quelle: Swiss Ice Hockey)

In den ersten sieben Spielen stand Moser nur bei einem Gegentor auf dem Eis, in Davos beim 7:3 kamen zwei weitere dazu, das lag vielleicht auch daran, dass er erstmals nicht neben seinem Stammpartner Marco Maurer spielte, der verletzt fehlte. Maurer ist einer seiner Mentoren im Team, Forster ein weiterer. «Beat schreibt mir sogar jetzt, wenn er verletzt ist», sagt Moser. «Doch eigentlich helfen mir alle.»

Und genau das ist es, was Moser sich erhofft hatte. Immer mehr Schweizer Talente gehen ihren Weg via Schweden und vor allem der kanadischen Juniorenliga CHL, auch das ist ein Grund, wieso immer weniger junge Spieler in der National League eingesetzt werden. Moser, der letzte Saison mit 17 bereits Captain des Bieler U20-Teams war, gesteht zwar, dass es auch bei ihm den CHL-Traum gab: «Aber nur ganz kurz. Ich merkte, dass Biel auf mich setzen und ich meine Chancen bekommen würde. Da war der Fall für mich klar.»

Der Name, der verdient werden muss

Bleibt noch eine Frage: Warum spielt Moser zwar mit der 14 auf dem Rücken, also keiner typischen, hohen «Junioren-Nummer», aber dennoch ohne aufgenähten Namen? Törmänen liefert die Antwort: «Den Namen muss er sich verdienen! Dazu braucht es bei uns zehn Spiele.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.10.2018, 14:35 Uhr

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