«Mir ist klar: Viel erlauben kann ich mir nicht mehr»

Eishockey

Nach der Entlassung von Trainer Scott Beattie steht Jörg Reber stärker unter Druck. Der Sportchef der SCL Tigers äusserst sich zum Vorwurf, im Klub mangle es an sportlicher Fach­kompetenz.

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Sie sind seit gut zwei Jahren Sportchef, seither haben die SCL Tigers vier verschiedene Trainer beschäftigt. Das kann nicht in Ihrem Sinne sein.Jörg Reber:Sicher nicht. Ich möchte Kontinuität. Aber Sie kennen das Business. Es ist schwierig, gewisse Dinge zu antizipieren. Ich bin noch immer überzeugt, dass meine Entscheidungen richtig waren, ich würde in den jeweiligen Situationen nochmals gleich handeln.

Nach der Entlassung von Benoît Laporte im Frühling liessen Sie verlauten, Sie hätten es unterschätzt, wie sich der Coach gegenüber früher verändert habe. Inwiefern irrten Sie sich bei Scott Beattie?(überlegt) Das ist schwierig zu erklären. Im Playout gegen Biel machte Scott einen hervorragenden Job, unter grossem Druck. Aber er hatte natürlich nicht sonderlich viel zu verlieren. Man hätte simulieren sollen, wie er sich in einer anderen Situation bewährt. Aber das geht nun mal nicht.

Zu hören ist, dass Beattie zu wenig «am Karren gezogen» hat.Es heisst jetzt, er sei zu lieb ge­wesen. Wie auch immer: Hinterfragen muss sich jetzt jeder Einzelne in unserer Unternehmung. Ich jedenfalls gehe hart mit mir ins Gericht. Einfach so weiterzugehen, ist keine Option. Ich bin sehr, sehr unzufrieden.

Fürchteten Sie in den letzten Wochen um Ihren Job?Nein.

Spielten Sie auch nicht mit dem Gedanken, den Bettel hin­zuschmeissen?Nicht wirklich, nein. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich das zwingend tun sollte. Ich mache, was ich kann, will nur das Beste für die SCL Tigers.

Wer kontrolliert eigentlich Ihre Arbeit?Mein Chef ist Geschäftsführer Peter Müller. Geht es um Entscheide wie Trainerentlassungen, wird natürlich der Verwaltungsrat involviert.

Und im Verwaltungsrat gilt: Was Reber sagt, wird gemacht.Diese Behauptung ist übertrieben. Aber klar, das Gremium hört sehr stark auf mich, es vertraut mir.

Sie erhalten vom Verwaltungsrat in diesen turbulenten Tagen grosse Rückendeckung, werden als starker Mann positioniert. Tut das gut?Sicher, ja. Aber mir ist schon klar: Viel erlauben kann ich mir nicht mehr. (überlegt) Es ist speziell und nicht leicht, in Langnau zu arbeiten. Die Geduld, die nötig wäre, fehlt hier ein wenig.

Wie meinen Sie das?Wir sind ein Dorfklub, mit unglaublich treuen und guten Fans. Es dreht sich hier fast alles um uns, entsprechend schnell ist Feuer im Dach. Für viele gibt es neben der Familie und dem Job nichts Wichtigeres als die SCL Tigers. Jeder fühlt sich betroffen, jeder will mitreden.

Hätten Sie, frei von Einflüssen, den Trainer also noch nicht entlassen?Diese Frage kann ich so nicht beantworten. Scott Beattie hat sicher nicht alles schlecht gemacht. Aber es gibt halt viele Faktoren; auf einmal kommen 100 bis 200 Fans weniger pro Match, das geht ins Geld. Da kommen von anderen Ebenen Sorgen und Einflüsse.

Sie erhalten im Verein sehr viel Verantwortung. Allerdings gibt es kaum Leute, mit denen Sie in sportlichen Belangen auf Augenhöhe diskutieren können. Es mangelt an Eishockey­kompetenz. Einverstanden?In diesem Punkt sind die Mit­glieder des Verwaltungsrats die geeigneten Ansprechpartner.

Sie weichen aus.Klar, müssten wir darüber diskutieren. Wir sollten definitiv breiter aufgestellt sein. Wir befinden uns jetzt in der zweiten Saison nach dem Aufstieg. Das Ziel ist, in sämtlichen Bereichen NLA-würdig zu werden. Aber das braucht Zeit. Und unsere Ressourcen sind nun mal begrenzt.

Gab es Alternativen zum neuen Trainer Heinz Ehlers?Er war der Coach auf dem Markt, der für uns die Idealbesetzung darstellt. Man kennt ihn, er hat Erfahrungen mit Teams, die nicht zu den Top 4 in der Liga zählen. Er erlebte Playoffs, Playouts, Ligaqualifikationen. Und ich kenne ihn gut, in Biel war er einst mein Trainer.

Viele staunten, war SCB-Meistercoach Lars Leuenberger für Sie keine Option . . .. . . wie gesagt, wir waren sehr schnell der Meinung, dass Heinz Ehlers unser Mann ist.

Mit Leuenberger gab es also gar keinen Kontakt?Jetzt nicht mehr, nein.

Dass die Spieler die Trainer­entlassung via Medienberichte erfuhren, wirkt unprofessionell.Was soll ich dazu sagen? Es ist sehr energieraubend. Aber in Langnau gibt es halt gewisse Verbindungen. Wobei sich das Ganze massiv gebessert hat, es dringt längst nicht mehr so viel an die Öffentlichkeit wie früher.

Heinz Ehlers hat anders als seine zwei Vorgänger einen länger­fristigen Vertrag erhalten. Ist dies als Zeichen in Richtung Spieler zu verstehen, die in Langnau verhältnismässig viel Macht haben?In gewisser Weise schon. Jeder weiss nun: Er bleibt jetzt hier! Die Spieler stehen definitiv in der Verantwortung. Jeder trägt eine Teilschuld, dass es so weit kommen musste.

Dem Vernehmen nach sind Sie zuletzt ein paarmal laut ge­worden in der Garderobe ...... ich mache das nicht gerne, eigentlich ist es nicht mein Job. Dafür sind die Trainer angestellt. Aber wenn es die Situation er­fordert, handle ich.

Im Team fehlen die Führungs­figuren. Sind Sie von den vermeintlichen Leadern enttäuscht?Wir absolvierten eine tolle Vorbereitung, die Euphorie war riesig. Dann kamen die vielen knappen Niederlagen, fast immer nach vergebenen Führungen. Mit diesem «Chlapf» hatten einige Mühe, waren gar geschockt. Gewisse Spieler können im Moment nicht das bringen, was wir erwarten. Viele sind gefrustet, aber wir werden da zusammen raus kommen.

Hat die Mannschaft ein Disziplinproblem?Wir haben einige Strafen erhalten, die das Prädikat «dumm» verdienen. Solche Dinge gilt es abzustellen, da ist der Trainer nun gefordert.

Dem Vernehmen nach soll ein neuer Spielerrat gebildet werden.Damit befassen wir uns, richtig.

Werden die freigestellten Scott Beattie und sein Assistent Rolf Schrepfer in irgendeiner Form weiterbeschäftigt?Nun muss erst mal ein wenig Gras über die Sache wachsen. Danach werden wir schauen, ob es Möglichkeiten gibt. Aber ganz ehrlich: Das muss nicht sein. Schliesslich ist die Situation für alle Beteiligten nicht einfach.

Nach 11 Spielen haben die Tigers 5 Punkte, sind Letzte. Haben Sie Respekt davor, bereits im November abgeschlagen zu sein, ohne Perspektiven für den Rest der langen Qualifikation?Dagegen müssen wir kämpfen. Nicht dass der Groove entsteht «Wir sind sowieso da hinten, das Resultat spielt kaum eine Rolle mehr». Es sind noch 117 Punkte zu gewinnen, viel ist möglich. Aber wir müssen das Ruder sofort rumreissen, sonst wird es sehr hart.

Vor der Saison wurden die Playoffs als Ziel erwähnt. Ist die Korrektur bereits erfolgt?Darüber reden wir jetzt nicht. Es geht nun darum, die Unsicherheit, die Nervosität zu vertreiben, Selbstvertrauen zu gewinnen. Aber eins ist sicher: Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir eine bessere Mannschaft haben als in der letzten Saison.

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