Lars Leuenberger bleibt SCB-Cheftrainer

Der 38-Jährige bleibt bis Saisonende Cheftrainer des SC Bern. Im Interview vor dem Heimspiel gegen Gottéron spricht Leuenberger über die SCB-Serie und seine Philosophie.

2013: Lars Leuenberger posiert bei der Postfinance-Arena vor dem Mannschaftsposter. Der 38-Jährige strebt heute den achten Sieg in Folge als SCB-Cheftrainer an.

2013: Lars Leuenberger posiert bei der Postfinance-Arena vor dem Mannschaftsposter. Der 38-Jährige strebt heute den achten Sieg in Folge als SCB-Cheftrainer an. Bild: Urs Baumann

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Was machen Sie besser als Antti Törmänen?
Lars Leuenberger: Solche Vergleiche ergeben keinen Sinn.

Aber seit Sie das Amt des Cheftrainers übernommen haben, hat der SCB sieben von acht Partien gewonnen.
Ich habe immer gesagt, dass die Mannschaft die Wende herbeiführen muss, nicht der Trainer.

Und wo sehen Sie die Gründe für die Steigerung?
Wir haben weniger Verletzte, sind nahezu komplett, und jeder Spieler holt etwas mehr aus sich heraus. Ich habe ein paar Details angepasst, von denen ich denke, dass sie uns besser machen.

Was für Details?
Wir laufen mehr, betreiben ein stärkeres Forechecking. Zudem machen wir mehr Druck aufs Tor, ob mit oder ohne Scheibe.

Der SCB ist seit sieben Partien ungeschlagen. Erstaunt Sie das?
Was heisst erstaunen? Wir kämpfen wieder miteinander, legen uns in die Schüsse, der Torhüter spielt sehr gut. Aber es wäre falsch, sich vom Erfolg blenden zu lassen. Es ist einfach nur ehrliche, harte Arbeit.

Zuerst die sportliche Krise, dann die Entlassung des Cheftrainers, Sie rücken nach, starten eine Erfolgsserie. Hatten Sie bereits Zeit, das Erlebte zu verarbeiten?
Nein, aber vielleicht möchte ich das gar nicht und verdränge es bewusst. Für mich zählt die tägliche Arbeit, das andere will ich nicht zu nah an mich heranlassen.

Weshalb nicht?
Weil es unnötig ist, sich in dieser Phase zu viele Gedanken zu machen. Ich stecke meine volle Energie in die Arbeit, geniesse die intensive Zeit. Wir dürfen nicht vergessen: Unsere Situation ist nach wie vor eine schwierige. Wir stecken im Strichkampf.

Trotzdem: Was ging Ihnen bei der Entlassung von Antti Törmänen durch den Kopf?
Es war auch für mich eine Riesenenttäuschung. Wir erlebten eine gute, erfolgreiche Zeit, haben uns geschätzt, ich konnte viel von ihm lernen. Wir haben stets offen kommuniziert, ich sagte ihm auch, was ich ändern würde.

Was hätten Sie anders gemacht?
Klar ist: Der Erfolg gab Antti Törmänen recht. Und als Coach musst du an deinen Ideen festhalten, auch wenn es nicht läuft. Was ich ändern will, ist die Trainingsintensität: Wir trainieren kurz, aber intensiv, so wollen wir die Qualität erhöhen. So wie ein Team trainiert, so spielt es auch.

Haben Sie seit Törmänens Entlassung mit ihm gesprochen?
Nein.

Anfang Woche wurde die Verpflichtung von Gary Sheehan als Assistent bis Saisonende bekannt gegeben. Was aber nicht kommuniziert wurde, ist: Lars Leuenberger bleibt somit bis Saisonende SCB-Cheftrainer.
(lacht) Es muss ja nicht immer der grosse Wirbel sein.

Aber Fakt ist: Sie bleiben bis Saisonende im Amt.
Ja, das ist wohl so. Aber Eishockey ist trotz allem ein schnelllebiges Business (schmunzelt).

Es gibt Leute, die sagen, für Lars Leuenberger komme dieser Job ein, zwei Jahre zu früh.
Das mag sein. Aber es hiess auch, in Bern brauche es einen erfahrenen Trainer. Antti Törmänen war unerfahren, dennoch hat es funktioniert. Pep Guardiola (Trainer von Bayern München, die Red.) hat mit 38 Jahren Barcelona zum Champions-League-Sieg geführt. Es liegt an dir, wie schnell du deinen Rucksack füllen kannst.

Von welchem Trainer haben Sie am meisten Erkenntnisse in Ihren Rucksack gepackt?
Ich konnte von vielen Trainern lernen. Sehr gerne erinnere ich mich an meinen ersten Coach, Bryan Lefley: hart, aber fair, souverän, menschlich. Leider ist er viel zu früh verstorben, aber irgendwo ist er immer noch präsent – ich weiss, was Lefley in Bern geleistet hat. Ich mochte seine Philosophie.

Wie sieht Ihre Philosophie aus?
Letztlich musst du als Trainer den eigenen Werten treu bleiben: Wer nicht er selbst ist, hat schon verloren. Mein Credo ist: Miteinander kämpfen, miteinander etwas erreichen. Aber kämpfen allein genügt nicht, man muss auch ein effizientes Spielkonzept haben. Wie erwähnt, habe ich daran nur einige Details geändert. Nichts kommt von alleine, aber durch harte Arbeit entsteht Freude. Für diese harte Arbeit steht auch der SCB.

Sie sind mit Bern stark verbunden. Zu Aktivzeiten war es nicht immer eine Liebesbeziehung.
Der SCB und ich, das war auch eine Art Hassliebe. Ich verliess den Klub zweimal. Beim zweiten Mal war ich von Freiburg für viel Geld zurückgeholt worden, dann ging gar nichts mehr. Das gab meiner Karriere einen Knick.

Sie waren kein Spieler, von dem man sagte: Doch, der wird einmal ein guter Trainer.
Das mag sein. Ich war weder ein Stratege noch besonders systemtreu.

Wann wurde Ihr Interesse für den Trainerberuf geweckt?
Nach meiner Zeit in Ambri war ich abgestumpft durch Verletzungen, galt wegen des lädierten Knies als Risikospieler, und vielleicht war ich auch nicht mehr gut genug. Jedenfalls trainierte ich alleine in Bern, wartete auf Angebote. Dann fragten mich die Leute im SCB-Nachwuchs, ob ich als Assistent aushelfen wolle. Zwei Monate später sprang der Headcoach ab. Ich ersetzte ihn, und Schritt für Schritt kam die Begeisterung für diese Tätigkeit.

Es hiess, Sie seien im Nachwuchs im Umgang mit einigen Spielern zu hart gewesen.
Wer zwölf Jahre Profi ist, dem fällt es schwer, plötzlich mit Kindern zu arbeiten, die neben dem Eishockey Schule, Freundin, Eltern, Lehre und Ausgang haben. Das war ein Lernprozess. Es ist möglich, dass ich einigen Spielern zu viel abverlangt habe. Rückblickend würde man immer etwas anders machen. Aber einige haben den Schritt ganz nach oben auf diesem Weg geschafft.

Mit David Jobin, Ivo Rüthemann und Marco Bührer spielten Sie einst gemeinsam. Ist das kein Problem?
Es wurde zum Thema, als ich vor zwei Jahren als Assistent zur ersten Mannschaft kam. Wir haben darüber gesprochen. Es lag und liegt an mir, Argumente zu liefern und mir den Respekt des Teams zu verdienen.

Wie nennen Sie die Spieler?
Laser.

Durch Ihren Aufstieg zum Cheftrainer wird dieser Tage auch aufgewärmt, dass Sportchef Sven Leuenberger Ihr Bruder ist. Nervt Sie das Thema?
Klar nervt es. Wir sind seit Jahrzehnten mit dem SCB verbunden. Als der Klub 1998 vor dem Konkurs stand, blieben wir da und verzichteten auf viel Geld. Andere gingen weg. Wir können Berufliches und Privates trennen.

Der Bruder war auch Ihr Berater während der Aktivzeit.
Ich hatte keinen Agenten, er hat mir eher als Vermittler geholfen.

Wie ist Ihr Verhältnis, wenn es um den SCB geht?
Er ist mein Chef. Wir diskutieren, es gibt Reibungen. Ob mir nun mein Bruder als Vorgesetzter etwas sagt oder Marc Lüthi, macht für mich keinen Unterschied.

Zurück zum Sportlichen: Sie sagten, an Weihnachten könne man eine Zwischenbilanz ziehen. Noch stehen drei Partien aus.
Bereits jetzt lässt sich sagen: Wenn du siebenmal in Folge gewinnst, stimmt die Richtung. Aber unsere Situation lässt ein Verschnaufen gar nicht zu – trotz Weihnachten.

Weihnachten wird aber gerade für Sie speziell sein.
Ja, ich werde in den kommenden Tagen zum zweiten Mal Vater. Es wird also noch intensiver, aber ich freue mich sehr.

Sie halten Ihr Privatleben auch gerne privat. Dies ist aber umso schwieriger, als Ihre Frau Nicole Berchtold als Moderatorin selbst in der Öffentlichkeit steht.
Wir geben ja auch einiges preis, suchen die Öffentlichkeit aber nicht. Je mehr man sich präsentiert, desto grösser ist die Angriffsfläche, die man bietet.

Wie wichtig ist die Familie in diesen Wochen?
Sehr wichtig. Wir haben diskutiert, ob ich den Posten als Headcoach übernehmen soll. Der Job birgt Gefahren, dazu kommt das zweite Kind. Meine Frau sagte, ich solle es machen, ich hätte mir diese Chance schliesslich erarbeitet. Und nun bin ich da. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.12.2013, 09:58 Uhr

1999: Lars Leuenberger bejubelt eines seiner 43 SCB-Tore. (Bild: Andreas Blatter)

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Zur Person «Laser»

Der Uzwiler stiess 1994 von seinem Stammklub zum SC Bern. Rasch gab ihm sein Mitspieler Trevor Meier den Übernamen «Laser». Leuenberger bestritt elf Saisons in der NLA (413 Partien, 190 Punkte), deren sechs für Bern. Seit 2007 ist er beim SCB als Trainer tätig; er wirkte im Nachwuchs und später als Assistent der NLA-Equipe. Seit der Entlassung Antti Törmänens führt der 38-Jährige das Team als Headcoach. Der Bruder von Sportchef Sven Leuenberger ist verheiratet mit Nicole Berchtold – das Ehepaar erwartet in Kürze das zweite Kind.

Moser kommt nicht

Simon Moser hat ab Sonntag (15.Dezember) die Möglichkeit, im weiteren Saisonverlauf jederzeit zum SCB zurückzukehren. Fürs Erste wird er in der AHL bei Milwaukee bleiben, auch wenn ihm Nationalcoach Sean Simpson punkto Olympiateilnahme keinerlei Zugeständnisse gemacht hat.

Fürs Heimspiel gegen Gottéron kehren Tristan Scherwey und Thomas Wellinger ins Team zurück, Daniel Rubin und Philippe Furrer fehlen. Pascal Berger hat im Training zwei Zähne verloren und spielt mit Spezialhelm.

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